Landeshauptstadt Stuttgart

Name der Stadt/der Gemeinde/des Landkreises: 
Landeshauptstadt Stuttgart
Typ: 
kreisfrei
Bundesland: 
Baden-Württemberg
Einreichende Dienststelle: 
Empowerment der Geflüchteten durch Stuttgarter Flüchtlingsdialoge und aktive Mitgestaltung des Zusammenlebens
Ansprechpartner/in: 
Abteilungsleiter Gari Pavkovic
Straße/Postfach: 
Eberhardstr. 61
PLZ: 
70173
Telefon: 
+49 711 21680-399
Ort: 
Stuttgart
Fax: 
+711 21680-394

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Stuttgarter Bündnis für Integration: Gesellschaftliche Integration von Neustuttgartern

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat – ausgehend von einem inklusiven Leitbild „Wir alle sind Stuttgart“ – schon 2001 eine kohärente, strategisch ausgerichtete Integrationspolitik auf den Weg gebracht. Eine Willkommenskultur in Bezug auf Neuzugewanderte und eine Anerkennungspolitik in Bezug auf die Potenziale der kulturellen Vielfalt bestimmten von Anfang an das Selbstverständnis Stuttgarts als eine integrative und interkulturelle Einwanderungsstadt. Ein weiteres Merkmal der Stuttgarter Integrationspolitik ist die breite Einbindung des freiwilligen Bürgerengagements in die kommunale Integrationsarbeit. Dazu zählen auch alle relevanten Migrantenorganisationen wie Kultur- und Akademikervereine, Glaubensgemeinschaften und migrantische Unternehmerverbände, die sich über ihre Mitgliedergruppen hinaus für ein produktives Miteinander engagieren. Dieses breite Bündnis von Politik, Verwaltung und Bürgergesellschaft mit dem klaren Bekenntnis zur Offenheit und Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen war mit ausschlaggebend, dass in Stuttgart rechtspopulistische Bewegungen wie PEGIDA nicht Fuß fassen konnten.  Seit etwa 2013 stehen die neuen Zuwanderergruppen im Fokus der weiterentwickelten Integrationsarbeit: Arbeitsmigranten und ihre Familien aus anderen EU-Ländern, aus Drittstaaten, internationale Studierende und Geflüchtete. Die aktuellen Maßnahmen für diese Neubürger*innen stehen in diesem Wettbewerbsbeitrag unter dem Motto: bedarfsgerechte Unterstützung bieten beim Ankommen – Anreize schaffen zum Bleiben – das Zusammenleben aktiv mitgestalten.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

I. Ausgangssituation

Kommunen haben die Aufgabe, bundes- und landespolitische Vorgaben des Staates zu moderieren. Zugleich entwickeln sie auch Lösungen für spezifische lokale Probleme. Stuttgart als ein wirtschaftlich starkes Zentrum steht im nationalen und internationalen Wettbewerb der Städte und Regionen. Um die eigene Wirtschaftsleistung halten zu können, ist Stuttgart seit Jahrzehnten auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. In der Vergangenheit waren dies Facharbeiter aus den ehemaligen Anwerbeländern Südeuropas einschließlich der Türkei, die mit ihren Nachkommen etwa zwei Drittel der zugewanderten Bevölkerung ausmachen. Die integrationspolitische Herausforderung bestand hier darin, den Einwandererkindern den Bildungsaufstieg zu ermöglichen, da der sich verändernde Arbeitsmarkt höhere Bildungsabschlüsse voraussetzt. Dadurch allein kann der Fachkräftemangel in den technischen Berufen und im Gesundheitssektor nicht ausgeglichen werden.

Deshalb entschieden sich damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel und Wolfgang Schuster als sein Nachfolger, die Attraktivität der eigenen Stadt für Zugewanderte zu erhöhen. Migrantenspezifische Integrationsmaßnahmen wurden durch eine Anerkennungspolitik in Bezug auf kulturelle Vielfalt ergänzt. Dies führte zur Gründung von interkulturellen Foren (Forum der Kulturen, Deutsch-Türkisches Forum) und zu einer systematischen Einbindung der einzelnen Migrantencommunities in integrationspolitische Maßnahmen und Projekte.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn verstärkte die liberale Grundhaltung seiner Vorgänger durch das klare Bekenntnis, dass auch Flüchtlinge willkommen sind. Die Stadtverwaltung kümmert sich intensiv um marginalisierte Zuwanderergruppen und nicht nur um die hochqualifizierten Fachkräfte.  

Dies ist auch fraktionsübergreifend die Handlungsmaxime im Stuttgarter Gemeinderat, der die Ressourcen für die neuen Willkommens- und Integrationsstrukturen bereitstellt, um die es im Folgenden geht. Innovative Projekte werden verstetigt, wenn sie erfolgreich arbeiten.

II. Konzeption, Ziele und Zielgruppen

Bereits in 2001 hat die Stadt mit dem „Stuttgarter Bündnis für Integration“ als eine der ersten deutschen Kommunen bundesweit ein integrationspolitisches Konzept als Gesamtstrategie für Verwaltung, Wirtschaft und Bürgergesellschaft entwickelt, dass in der Stadt als Querschnittsaufgabe ämter- und ressortübergreifend verankert und fortlaufend weiterentwickelt wird.

Dieses gesamtstädtische Konzept beinhaltet verschiedene Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Entwicklung und Koordinierung von bedarfsgerechten Integrationsmaßnahmen für Zugewanderte bzw. Eingewanderte;
  • Beratung von Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik im Sinne von kompetenten Entscheidungsvorbereitungen;
  • Unterstützung von städtischen Ämtern und ihren Kooperationspartnern zum Thema Migration und Integration;
  • Einbindung der Zivilgesellschaft (und da auch gezielt der Migrant*innen) in Projekte und Programme des Stuttgarter Bündnisses für Integration.

Diese Aufgaben basieren auf einem gemeinsamen Verständnis von Verwaltung, Politik und Bürgergesellschaft darüber, was Stuttgart als eine integrative und interkulturelle Stadt ausmacht:

  • Neubürger*innen sind willkommen und alle Menschen in unserer Stadt sind unabhängig von Herkunft, Status oder Wohndauer Stuttgarter*innen.
  • Integration – verstanden als gleichberechtigte Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Leben – ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Bündnispartner. Zu diesen gehören städtische Ämter, staatliche Institutionen, Träger der freien Wohlfahrtspflege und weitere gemeinwohlorientierte Organisationen, Unternehmen und Wirtschaftsverbände, bürgerschaftlich engagierte Einzelpersonen, Initiativen und Vereine.
  • Kulturelle Vielfalt wird als eine Bereicherung gefördert. Die damit verbundenen Potenziale werden genutzt, damit die Stadt auch in der Zukunft gut aufgestellt ist – kulturell, wirtschaftlich und mit kompetenten Dienstleistungen für alle Bürger*innen.

Somit ist das Bündnis für Integration nicht nur ein Konzept, sondern zugleich eine gelebte Verantwortungsgemeinschaft für Chancengleichheit und gegen Ausgrenzung (siehe Anlage Konzept Bündnis für Integration).

III. Anlass (konkrete Auslöser/Gründe für Konzept/Projekt/Maßnahme)

Stuttgarts Bevölkerung wächst seit Jahren vor allem aufgrund der Zuwanderung aus dem Ausland. Die Zahl der Zuzüge von ausländischen Staatsangehörigen liegt seit 2012 bei 20.000 – 30.000 Personen pro Jahr. Bei Abzug der Wegzüge ergibt dies eine Netto-Zuwanderung von 6.000 – 8.000 Personen pro Jahr. Höhere Werte sind in 2015 aufgrund der Flüchtlingszuwanderung zu verzeichnen. Knapp die Hälfte der Neubürger*innen kommt aus einem anderen Mitgliedsstaat der EU. Mit dem Beginn der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise kamen vor allem Arbeitsmigranten aus Spanien, Italien und Griechenland. Eine verstärkte Zuwanderung kam auch aus Polen und Ungarn, dann aus Rumänien und Bulgarien und zuletzt aus Kroatien aufgrund der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für diese EU-Länder. Aufgrund des Fachkräftemangels wurden auch gezielt Erzieherinnen, Pflegekräfte und Ingenieure aus südlichen EU-Ländern angeworben. 

Eine zweite Gruppe stellen Zuwanderer aus Drittstaaten dar. Hierbei handelt es sich entweder um Familienzusammenführung, Fachkräfte oder Studierende. Bei den Wanderungsüberschüssen aus China und Indien handelt es sich überwiegend um Studierende und Fachkräfte. Die Zahl der chinesischen Studierenden hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Die dritte große Gruppe der ausländischen Zugewanderten sind geflüchtete Personen, mehrheitlich aus Syrien, Irak und Afghanistan. Zwischen Januar 2015 und Juni 2016 zogen ca. 8.000 Personen in die Flüchtlingsunterkünfte der Stadt Stuttgart ein und ca. 1.700 von dort wieder aus Stuttgart fort.

Diese neuen Zuwanderergruppen sind die Neustuttgarter*innen, deren Integration die Stuttgarter Bürgergesellschaft sich auf Grundlage des Stuttgarter Bündnisses für Integration zur Aufgabe gemacht hat. Ziel ist, das Ankommen dieser Zielgruppe in unserer Stadt zu unterstützen und ihre Teilhabe und Partizipation am kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Leben zu fördern, damit sie - unabhängig von ihrer Aufenthaltsdauer - eine neue Heimat finden können und hierbleiben.

Aufgrund dieses Bevölkerungszuwachses insbesondere in die wirtschaftsstarke Region Stuttgart wurde in den zuständigen Ämtern und Partnerinstitutionen der Stadt schnell deutlich, dass es noch Defizite im Hinblick auf Angebote und Maßnahmen zum Ankommen und Leben der Neustuttgarter*innen in der Stadt gab. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten uns, dass trotz der guten Bildungsabschlüsse der neuen Zuwanderergruppen eine berufliche und gesellschaftliche Integration in vielen Fällen nicht gelang – trotz zunehmenden Fachkräftemangels. Oder die Neubürger*innen verloren sehr viel Zeit, bis sie die richtigen Ansprechpersonen und Einrichtungen fanden, die ihnen kompetent Rat und Unterstützung geben konnten.

Im Juli 2013 lud Oberbürgerbürgermeister Fritz Kuhn die Bündnispartner zum Ratschlag Integration ins Rathaus ein. Viele Experten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sprachen sich dafür aus, dass eine zentrale Servicestelle fehlt, die insbesondere den Neubürger*innen aus dem Ausland eine Erstberatung zu allen wesentlichen Fragen anbietet: Arbeiten, Deutsch lernen, Studieren, Anerkennung von ausländischen Abschlüssen, berufliche Qualifizierung, Aufenthaltsrecht, passende Betreuungs- und Bildungsangebote für die Kinder, Wohnen und soziale Kontakte in der neuen Heimat. Konsens war, dass die Willkommenskultur auch eine Willkommensstruktur beinhaltet. Dafür brauchte es eine Anlaufstelle, die beim Ankommen und den ersten Integrationsschritten unbürokratisch Hilfestellung leistet - ein Willkommenszentrum bzw. Welcome Center.

Ebenso gab es trotz eines guten Konzepts zur Unterbringung der Flüchtlinge wenig Angebote zur Förderung des Empowerments der Flüchtlinge, um die Integration zu beschleunigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv für ihre Integration einzusetzen und Teil des Miteinanders zu werden.

Für diese neuen Zuwandergruppen werden exemplarisch 2 Maßnahmen dargestellt.

IV. Vorgehen, Umsetzung und Ergebnisse

a. Welcome Center Stuttgart

Um das Vorhaben des Welcome Centers zu realisieren, holte sich Stuttgart Anregungen und Informationen von bereits bestehenden Einrichtungen, z.B. vom Welcome Center Hamburg oder Erfurt. Die Abteilung Integrationspolitik war auch im intensiven Austausch mit den Welcome Centern in Toronto/Kanada und in Montgomery County/ USA. Zudem wurde in Zusammenarbeit mit dem German Marshall Fund Berlin (GMF) in Stuttgart ein Workshop für Verwaltungsfachleute zur Willkommenskultur mit David Lubell, dem Geschäftsführer der Initiative Welcoming America (www.welcomingamerica.org) organisiert. Auch hier wurde deutlich, wie wichtig die Einrichtung eines Welcome Centers für Stuttgart ist, um eine Willkommens- und Anerkennungskultur nicht nur zu leben, sondern auch strukturell zu verankern.

Das Erkennen des Bedarfs führt in der integrationspolitischen Arbeit nicht immer und selten zeitnah zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen. Wir hatten in Stuttgart das Glück, dass wir viele Bündnispartner für das Projekt „Willkommenszentrum“ gewinnen konnten. Dazu gehörten neben der Fachkräfteallianz der Region Stuttgart insbesondere die Robert Bosch Stiftung und das Integrationsministerium des Landes, die uns als erste ihre Bereitschaft signalisierten, sich an der Förderung des Vorhabens zu beteiligen.

Dank mehrerer einstimmiger Beschlüsse des Gemeinderats im Herbst 2013 und im Frühjahr 2014 (GRDrs 817/2013, 321/2014) konnte die Aufbauphase am idealen Standort im Gebäude des Instituts für Auslandsbeziehungen am Charlottenplatz beginnen. Im Herbst 2013 ermöglichte das Finanz- und Wirtschaftsministerium des Landes mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) den Aufbau von mehreren regionalen Welcome Centern für internationale Fachkräfte in Baden-Württemberg. Die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart (WRS) bekam die Zuwendung, um im Auftrag der Fachkräfteallianz der Region Stuttgart eine solche Servicestelle einzurichten.

Stadt und Region entschieden auf Leitungsebene, das Welcome Center Stuttgart in gemeinsamer Trägerschaft aufzubauen und zu betreiben. Es machte keinen Sinn, zwei Willkommenszentren einzurichten – ein städtisches für Stuttgarter Neubürger*innen aus dem In- und Ausland und ein regionales für internationale Fachkräfte. Die Eröffnung erfolgte Im Oktober 2014.

Hinzu kommt, dass sich das Welcome Center in zentraler Lage unter einem Dach mit dem Verein Welthaus e.V., dem Weltcafé, dem Weltladen Stuttgart und dem Globalen Klassenzimmer befindet, einem interkulturellen Ort für Begegnungen und Veranstaltungen zu den Themen fairer Handel, Entwicklungszusammenarbeit und globales Lernen.

Das Welcome Center ist nicht nur eine Servicestelle, sondern vernetzt die relevanten Akteure und die Zivilgesellschaft in der Stadt, um die Integrationsarbeit zu unterstützen und damit die gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation nicht nur zu fördern, sondern auch zu beschleunigen (siehe www.welcome.stuttgart.de).

Ergänzend zur persönlichen Beratung wurden mehrere Veranstaltungsreihen für Neubürger und internationale Fachkräfte sowie ein Patenprojekt erfolgreich etabliert. Hierbei kooperiert das Welcome Center z.B. mit der Agentur für Arbeit, mit Migrantenorganisationen sowie mit Ämtern und Beratungsstellen. Somit ist das Welcome Center Stuttgart auch organisatorisch ein gutes Beispiel für gelingende interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Nach Abschluss der 3-jährigen Projektphase und dem Auslaufen der Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung und das Land Baden-Württemberg, gelang es, das Welcome Center nachhaltig in Stuttgart zu verankern. Es wurde personell aufgestockt und wird als eine kommunale Regeleinrichtung weitergeführt.

Das Stuttgarter Welcome Center gilt bundesweit als ein einmaliges Gemeinschaftsprojekt der kommunalen Integrationsförderung und der regionalen Wirtschaftsförderung, mit Einbindung der Migrationsdienste der freien Wohlfahrtspflege. Viele Delegationen aus dem In- und Ausland besuchen es und holen sich Anregungen für die eigene Arbeit vor Ort.

Die Abteilung Integrationspolitik und das Welcome Center haben in Zusammenarbeit mit Stuttgarter Hochschulen spezielle Angebote für internationale Studierende initiiert, um diese als künftige Fachkräfte zu halten. Hindernisse bei einer Karriereplanung in Deutschland sind oftmals unzureichende Sprachkenntnisse, geringe soziale Kontakte zu Deutschen und mangelnde Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt. Ausländische Studierende und Fachkräfte, die kompetent beraten werden und die Freundschaften mit Einheimischen, den sog. Willkommenspaten aufbauen, entscheiden sich eher für eine längerfristige Bleibeperspektive in Deutschland nach dem Motto „Study and Stay“ anstatt „Study and Go“. 

Um die Angebote für die internationalen Studierenden zu optimieren und von Good Practices anderer deutschen Städte zu lernen, ist die Landeshauptstadt Stuttgart 2015 dem neu gegründeten Netzwerk der Bertelsmann Stiftung „Willkommenskultur für ausländische Studierende“ beigetreten. Seit Herbst 2016 wird das Netzwerk federführend von der Abteilung Integrationspolitik koordiniert.

b. Empowerment durch Stuttgarter Flüchtlingsdialoge

Die Unterbringung und Integration der Asylsuchenden war wie in allen Kommunen eine große Herausforderung und die integrationspolitische Schwerpunktaufgabe spätestens seit 2015. Die Stadt Stuttgart hat langjährige Erfahrungen mit der Flüchtlingsarbeit und hat frühzeitig mit dem Konzept „Stuttgarter Weg“ der Flüchtlingsarbeit modellhafte Kriterien zur Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge festgelegt: Stadtweite dezentrale Unterbringung mit einer adäquaten Be­triebsgröße von maximal 250 Plätzen pro Unterkunft; Betreuung und Hausleitung aus „einer Hand“ durch freie Träger der Wohlfahrtspflege; Aufbau und Unterstützung des Ehrenamts (Flüchtlingsfreundeskreise) und die Berücksichtigung der besonderen Belange unterschiedlicher Zielgruppen. Derzeit sind etwa 7.500 Flüchtlinge auf alle 23 Stadt­bezirke in über 100 Unterkünften, darunter neue Systembauten, verteilt.

Um den Ankommensprozess der Flüchtlinge in der Stadt zu begleiten, haben sich in vielen Stadtteilen mittlerweile über 40 Flüchtlingsfreundeskreise mit zeitweise über 3.500 freiwillig Engagierten gegründet, die eine unverzichtbare Stütze der hauptamtlichen Arbeit darstellen. Deren Arbeit wird von einer hauptamtlichen Koordinatorin unterstützt. Begleitet wurde dieser Prozess mit einer im Frühjahr 2015 in Kooperation mit Schüler*innen der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule und der Firma Ströer Medien GmbH durchgeführten Plakatkampagne „Wir für Flüchtlinge“. Ziel dieser Kampagne war es das Willkommensklima und das Verständnis für den Zuwachs der Flüchtlingszahlen in der Bevölkerung zu stärken (www.stuttgart.de/fluechtlinge).

Darüber hinaus verwaltet die Stadt einen Welcome-Fonds für Flüchtlingsprojekte auf Stadtteilebene, der von der Firma Daimler für drei Jahre zur Verfügung gestellt wurde.

Auf Initiative des Oberbürgermeisters wurde in 2015 die Task Force Integration von Flüchtlingen eingerichtet, um ein abgestimmtes Verfahren der jeweiligen Ämter und Einrichtungen und relevanten Akteure, die mit der Flüchtlingsarbeit betraut sind zu erreichen und Doppelmaßnahmen zu verhindern. In sechs Arbeitsgruppen zu den Themen Sprache und kulturelle Werte, Arbeit und Ausbildung, Familien, Kinder und Jugendliche, Soziale Integration und Quartier, gesundheitliche Versorgung und Kommunikation wurden bis Ende 2017 viele Maßnahmen entwickelt und umgesetzt.

Trotz vielfältiger kultureller und sportlicher Aktivitäten für Geflüchtete wie u.a.„Urban Garde­ning Projekte“ oder der „Dancers across borders“, die das soziale Miteinander unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen stärken, gibt es jedoch kaum Gesprächsgruppen, in welchen die Geflüchteten die für sie wichtigen Fragen zum Ankommen und Leben in Deutschland offen besprechen können.

Um dies zu ändern hat die Stadt im April 2016 die „Stuttgarter Flüchtlingsdialoge“ gestartet. Das Ziel dieses Gesprächsangebots ist neben der Wertevermittlung der Austausch über den Integrationsprozess auf Augenhöhe mit Geflüchteten, Haupt- und Ehrenamtlichen und weiteren Interessierten. Die Dialoge werden in Unterkünften und weiteren Einrichtungen durchgeführt.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch einen aufrichtigen Dialog Beziehungen zwischen den Menschen und Vertrauen aufgebaut werden. Die beteiligten Personen erfahren Wertschätzung sowie psychische Entlastung und Stabilisierung. Zudem entwickeln sie kommunikative und interkulturelle Kompetenzen, um ihren weiteren  Integrationsprozess eigenverantwortlich zu gestalten. Ergebnis der Stuttgarter Flüchtlingsdialoge ist die Gründung der Support Group Refugees (Netzwerk Flüchtlinge helfen Flüchtlingen).

IV. Bewertungskriterien

Der Wettbewerbsbeitrag „Das Stuttgarter Bündnis für Integration: Gesellschaftliche Integration von Neustuttgartern“ erfüllt die Bewertungskriterien des Wettbewerbs wie folgt:

Die Integration der in Stuttgart lebenden Migrant*innen (45% der Stadtbevölkerung) erfolgt wie oben beschrieben zielorientiert im Rahmen des gesamtstädtischen Gesamtkonzepts „Stuttgarter Bündnis für Integration“. Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft arbeiten bei der Umsetzung Hand in Hand.

Kontinuierliche statistische Erhebungen der neuen Zuwanderergruppen, Daten des Stuttgarter Sozialmonitorings, städtische Bürgerumfragen, Praxisberichte der Fachämter (wie die Stuttgarter Flüchtlingsberichte), Ergebnisse aus Arbeitsgruppen und Fachtagen zu Migration/Integration sowie Rückmeldungen der freiwillig Engagierten sind die Grundlagen für die Ausgangs- und Bedarfsanalyse.

Entscheidend ist vor allem auch die Expertise der Migrant*innen selbst – als Sachverständige im Internationalen Ausschuss des Gemeinderats, als Mitwirkende in Kooperationsstrukturen des Forums der Kulturen und als Geflüchtete, die in den Dialogen ihre eigenen Bedarfe erstmalig formulieren können.

Das Grundprinzip des Empowerments ist: Migrant*innen brauchen keinen Vormund sondern Partizipations- und Kooperationsmöglichkeiten auf gleicher Augenhöhe. Die Wirkung des Empowerments in der Flüchtlingsarbeit zeigt sich u.a. in der Anzahl der Eigeninitiativen der Geflüchteten, die aus den Dialogen heraus entstanden sind.

Die Inanspruchnahme des Welcome Centers (Einzelkontakte, Gruppenveranstaltungen) wird regelmäßig evaluiert. Die Vermittlung der Neubürger*innen in Deutsch-/Integrationskurse wird im Rahmen des Gesamtprogramms Sprache nach dem Stuttgarter Modell gesondert erfasst. Das längerfristige Ziel, die identifikatorische Integration (Verbundenheit der Neuzugewanderten mit der Stadt) zu stärken, kann indirekt über das Wanderungssaldo der migrantischen Bevölkerung und gesonderte Befragungen erhoben werden.

Die verbindlich geregelte Zusammenarbeit zwischen Integrations- und Wirtschaftsakteuren ist ein Alleinstellungsmerkmal des Stuttgarter Welcome Centers, ebenso die systematische Einbindung der ehrenamtlichen Willkommenspaten als Brückenbauer in die Stadtgesellschaft. Beide Ansätze sind auf andere Kommunen übertragbar.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es in Ihrer Kommune ein Integrationskonzept?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in dieses Integrationskonzept eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Unterstützt der/die (Ober-)Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin Ihren Wettbewerbsbeitrag öffentlich?: 
ja
nein

C2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Ziele des Wettbewerbsbeitrags im Hinblick auf Integration und Zusammenleben detailliert beschrieben & festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Festlegung der Ziele eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Kinder (Einrichtungen der Kindertagesbetreuung)
Kinder (Schule)
Jugendliche
junge Erwachsene
Erwachsene
Mädchen/Frauen
Jungen/Männer
aktuelle Zuwanderer (2015-2017)
jeweils differenziert nach Herkunftsgebieten
bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebende Zuwanderer
Bevölkerung vor Ort
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Bezieht sich Ihr Wettbewerbsbeitrag auf: 
die Gesamtstadt?
einen Teilraum/Quartier?
ein Projekt?
C 25 An welche Orte und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Quartier als Ganzes
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Jugendeinrichtungen
Sportvereine
Flüchtlingsunterkünfte
Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
Schulen
Ausbildungsstätten
Bildungseinrichtungen (VHS u.a.)
Soziale Treffpunkte für Zuwanderer
Migrantenselbstorganisationen
Weitere
C 25a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Arbeitsmarktakteure Wirtschaftsverbände Hochschulen
C 26: 

Welche Handlungsfelder zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort stehen in Ihrem Wettbewerbsbeitrag im Mittelpunkt? Bitte geben Sie an, ob sich das Handlungsfeld auf die Gesamtstadt oder das Quartier bezieht bzw., ob es sich um ein Projekt handelt.

C 26a Handlungsfeld Wohnen und Wohnumfeld: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26b Handlungsfeld Soziale Infrastrukturen, z.B. Kindergarten, Schulen, Jugendeinrichtungen: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26c Handlungsfeld Bildung/Qualifizierung/Ausbildung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26d Handlungsfeld Beschäftigung/lokale Wirtschaftsförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26e Handlungsfeld Kultur: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26f Handlungsfeld Sport: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26g Handlungsfeld Gesundheit: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26h Handlungsfeld Umwelt/Grün: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26i Handlungsfeld Beteiligung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26j Handlungsfeld Engagementförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26k Weitere Handlungsfelder: 
Demokratiebildung (Stuttgarter Flüchtlingsdialoge)
C 27a Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Zuwander" ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27b Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Bevölkerung vor Ort" ausgerichtet?: 
ja
nein

C3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbei: 
Stadt-, Gemeinde-, bzw. Kreisrat
Amt/Bereich Soziales
Amt/Bereich Jugend
Amt/Bereich Wohnen
Amt/Bereich Grün(-planung)
Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin
Amt/Bereich Stadtplanung/ Stadtentwicklung
Integrationsbeauftragte/r
Amt/Bereich Sport
Amt/Bereich Gesundheit
Weitere
C 30a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Wirtschaftsförderung Stuttgart
C 31 Welche verwaltungsexternen lokal relevanten Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Quartiersmanagement
Stadtteilzentren/ Nachbarschaftshäuser
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenselbstorganisationen
Sponsoren
Lokale Medien
Stiftungen
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftsvereine
Kleingartenvereine
Unternehmen, Betriebe
Weitere
C 31a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart Arbeitsmarktakteure Hochschulen Ehrenamtliche (Flüchtlingsfreundeskreise, Willkommenspaten)
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie finanzieren Sie Ihren Wettbewerbsbeitrag?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
C 35 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 36 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 36a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
C 37 Werden im Rahmen der Umsetzung von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja ... Welche? : 
Welcome Center Stuttgart – Beispiele aus Hamburg, Erfurt, Toronto, Montgomery County (USA) Empowerment - Stuttgarter Flüchtlingsdialoge – Supportgroup Refugees – Beispiele aus deutschen Städten und Region Göteborg (Västra Göteland, Schweden)
C 38 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Wettbewerbsbeitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen bereits andernorts übernommen worden?: 
ja
nein
C 38a Wenn ja ... Welche?: 
Welcome Center Stuttgart Modell übernommen von Kommunen der Region Göteborg (Västra Göteland, Schweden)

Einzelprojekte

Einzelprojekt 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
Welcome Center Stuttgart
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 14a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 15 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Schon in den ersten drei Jahren seines Bestehens hat sich das Welcome Center als stark frequentierte Erstanlaufstelle für Neuankömmlinge etabliert. Mittlerweile hat es einen festen Platz in der Stuttgarter Beratungslandschaft und dient als kompetente Verweis- und Erstberatungsstelle. Informationen über Sport-, Kultur- und Migrantenvereine fördern den Kontakt der Ein- und Zugewanderten zu den anderen Menschen in der Stadt. Darüber hinaus fördern Lotsenprogramme die Integration.

Im Welcome Center arbeiten Mitarbeiter*innen der Landeshauptstadt Stuttgart, der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) sowie der Migrationsdienste der Träger der freien Wohlfahrtspflege. Somit werden im Team vielfältige Kompetenzen zusammengeführt und Synergien geschaffen. Weitere Mitarbeiter*innen seitens der regionalen Wirtschaftsförderung und der Stadt unterstützen die Arbeit im Hintergrund.

Die Beratung im Welcome Center erfolgt online, telefonisch oder persönlich in Deutsch, Englisch und weiteren zehn Sprachen. Allein in den ersten drei Jahren nach Eröffnung des Welcome Centers im Oktober 2014 fanden über 10.000 Beratungsgespräche statt. Auf www.welcome.stuttgart.de sind auch alle Deutschkursangebote zu finden.

Unterstützt wird die Arbeit der Berater*innen von 85 ehrenamtlichen Willkommenspaten, die den Neuzugewanderten bei verschiedenen Fragen rund ums Leben und Arbeiten in Stuttgart helfen. Bisher wurden 190 „Willkommens-Tandems“ gebildet.

Zudem werden themenbezogene Gruppenveranstaltungen für Neubürger*innen und internationale Fachkräfte angeboten. Zu den Themenschwerpunkten gehören Ausbildung und Arbeiten in Deutschland, erfolgreiche Bewerbung und Beschäftigung, Spracherwerb, Sozialversicherung und Gesundheit, Ausländerrecht. Eine Veranstaltungsreihe erfolgte in Kooperation mit dem Forum der Kulturen, dem Dachverband der Migrantenvereine in Stuttgart. Alle zwei Monate bietet die WRS zudem die Formate „Leben und Arbeiten in der Region Stuttgart“, „Erfolgreich Bewerben und Jobsuche in der Region Stuttgart“ zusammen mit der Agentur für Arbeit sowie einen Neubürgerstammtisch an.

Für internationale Studierende organisiert die Landeshauptstadt den „Students-Welcome-Club“, ein offener Treffpunkt mit vielfältigen kulturellen Angeboten und Austauschmöglichkeiten. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und den Hochschulen wurde die Veranstaltungsreihe „Your start in Stuttgart and the region“ und „Your future in Stuttgart“ etabliert. Ihr Ziel ist es zum einen, wichtige Informationen für einen guten Studienstart in der Hochschulregion Stuttgart zu geben, zum anderen Studienabsolvent*innen für einen Berufseinstieg in Stuttgart und der Region zu gewinnen und sie darauf vorzubereiten. Mit dabei sind Ansprechpartner*innen der Agentur für Arbeit, der Krankenkassen sowie verschiedener Unternehmen.

Von der Eröffnung des Welcome Centers bis Ende 2017 haben knapp 3.000 Personen an über 110 Gruppenveranstaltungen für Neuzuwanderer und internationale Studierende teilgenommen.

Einzelprojekt 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 
Empowerment der Geflüchteten durch Stuttgarter Flüchtlingsdialoge und aktive Mitgestaltung des Zusammenlebens
D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 24a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 25 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Stuttgart bietet zahlreiche Maßnahmen, Projekte und Initiativen zur Integration der Geflüchteten, darunter Deutschkurse für Asylsuchende, die noch keinen Zugang zu den Integrationskursen des Bundes haben, Unterstützung bei der beruflichen Integration durch den Ausbildungscampus der Bürgerstiftung, durch ehrenamtliche Berufsintegrationslotsen und durch vielfältige Initiativen von Migrantenorganisationen, Flüchtlingsfreundeskreisen etc. Geflüchtete sind dabei in erster Linie Empfänger von Integrationsmaßnahmen, an deren Entwicklung sie kaum aktiv beteiligt worden sind.

Der Soziologe Heinz Bude sagt: „Wer die gesellschaftliche Situation verstehen will, muss die Erfahrungen der Menschen zum Sprechen bringen“, d.h. Plattformen schaffen, diese auch auf Augenhöhe zu artikulieren und damit die Eigeninitiative zu fördern. Abraham Lincolns Zitat: „Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“  bestärkt das o.g. Zitat, dass neben dem unverzichtbaren Engagement vieler Ehrenamtlicher die Stadt das (Self-)Empowerment der Geflüchteten – also die Hilfe zur Selbsthilfe stärken muss, d.h. Geflüchteten die Möglichkeit zu geben ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen und sie zu ermutigen, ihre Integration selbst in die Hand zu nehmen und andere Geflüchtete zu unterstützen.

Deshalb hat die Abteilung Integrationspolitik im April 2016 die „Stuttgarter Flüchtlingsdialoge“ gestartet. Bis Ende 2017 wurden 35 Dialogveranstaltungen in verschiedenen Flüchtlingsheimen, bei der vhs, im Rathaus und in anderen Einrichtungen durchgeführt, mit durchschnittlich 25 Teilnehmenden. Ziel dieses Angebots ist die Gemeinschaftsbildung und Wertevermittlung durch Gespräche auf Augenhöhe. Die Geflüchteten berichten offen über ihre Erfahrungen und Probleme in der Stadt oder ihrer Unterkunft. Dabei werden sie von interkulturell geschulten Dialogmoderator*innen und Dolmetscher*innen unterstützt. In einem zweiten Schritt entwickeln sie eigene Vorschläge zur Verbesserung des Zusammenlebens vor Ort.

Die Flüchtlingsdialoge werden seit 2017 als Nachbarschaftsdialoge mit anderen Bürger*innen in Stadtteilzentren und anderen Einrichtungen ausgeweitet.

Einige Flüchtlinge entwickelten die Bereitschaft, sich darüber hinaus in der im April 2017 gegründeten „Support Group Refugees“ (Netzwerk Flüchtlinge helfen Flüchtlingen) nach dem Vorbild der Support Group Refugees aus Göteborg (Schweden) zu engagieren.  

Die Abteilung Integrationspolitik bindet dieses Netzwerk als einen Sachverständigenrat auch bei der Planung und Umsetzung von neuen Projekten mit ein.

Mitglieder der Support Group und weitere Geflüchtete organisieren Veranstaltungen für die Heimbewohner*innen in den Unterkünften, erstellen eine Zeitschrift, machen beim Freien Radio Stuttgart und bei Theaterprojekten mit, ebenso bei einem sozialen Gastronomie-Projekt. Einige sind als Dolmetscher und Alltagshelfer in den Behörden tätig.

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