Landeshauptstadt Saarbrücken

Name der Stadt/der Gemeinde/des Landkreises: 
Landeshauptstadt Saarbrücken
Typ: 
kreisangehörig
Bundesland: 
Saarland
Einreichende Dienststelle: 
Zuwanderungs- und Integrationsbüro
Ansprechpartner/in: 
Veronika Kabis
Straße/Postfach: 
Rathaus St. Johann, Zi. 227
PLZ: 
66111
Telefon: 
+49 681 905-1559
Ort: 
Saarbrücken
Fax: 
0681 905-1596

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Saarbrücken gestaltet Vielfalt

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Der Wettbewerbsbeitrag bezieht sich auf die strategische Herangehensweise der Landeshauptstadt Saarbrücken, wenn es um die Gestaltung von Einwanderung und Vielfalt geht. Diese Arbeitsweise drückt sich aktuell besonders deutlich im Projekt „PatchWorkCity“ aus. Dieses Projekt schafft den Rahmen, um die Entwicklung der Stadt unter den Bedingungen von Vielfalt besser zu verstehen, die Kooperationsstrukturen unter den Akteuren zu verbessern, den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu suchen, neue Herangehensweisen für Ankunftsstadtteile zu entwickeln und das „Patchwork“ an seinen Nahtstellen zusammenzuhalten. Einen zweiten Schwerpunkt des Wettbewerbsbeitrags bildet das Projekt EULE.mobil, bei dem EU-Zuwanderer beraten und unterstützt werden und mit dem Krisen- und Konfliktsituationen in den Stadtteilen frühzeitig erkannt und bearbeitet werden können.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

1. Saarbrücken: grenzenlos

Die Landeshauptstadt Saarbrücken unterscheidet sich durch ihre Grenzlage zu Frankreich deutlich von anderen deutschen Städten. Sie ist nicht nur das einzige Oberzentrum im Saarland, sondern auch das Oberzentrum des grenzüberschreitenden Ballungsraumes „Saarbrücken-Moselle-Est“. Saarbrücken nimmt als Landeshauptstadt mit wichtigen Verwaltungseinrichtungen, als Dienstleistungs- und Industriezentrum sowie als zentraler Bildungs- und Hochschulstandort oberzentrale Funktionen wahr.

Saarbrücken ist aber nicht nur eine Stadt an der Grenze, sondern auch eine Stadt der Vielfalt. Hier leben Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen. Die Tatsache, dass viele Menschen in den letzten Jahren nach Saarbrücken gezogen sind, zeigt, dass die Urbanität der Landeshauptstadt für viele Menschen attraktiv, spannend und aufregend ist. Rund 182.000 Menschen leben in Saarbrücken. 17,7% von ihnen haben einen ausländischen Pass und 30,2% einen Migrationshintergrund. Bei den Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren haben bereits 40,6% einen Migrationshintergrund.

Die Stadt ist geprägt durch ihre wechselhafte Geschichte mit Deutschland und Frankreich. Zugleich hat sie viele Einwanderungsphasen erlebt: von angeworbenen Arbeitskräften überwiegend aus Italien und der Türkei in der 1950er und 1960er Jahren über Flüchtlinge und Spätaussiedler_innen in den 1980er und 90er Jahren bis hin zu Studierenden aus aller Welt. Aktuell bestimmen die Zuzüge von Geflüchteten vorwiegend aus Syrien sowie Zuwanderern aus der EU das Migrationsgeschehen. Die Unterbringung der Geflüchteten hat die Stadt gut bewältigt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung war überwiegend gut, und das zivilgesellschaftliche Engagement war und ist hoch. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass es Ressentiments und Situationen von Stress und Überforderung vor allem in den Ankunftsstadtteilen von Zuwanderern in der Stadt gibt. Die Stadt ist neu gefordert, Strategien zu entwickeln, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Teilhabechancen für alle zu fördern.

2. Ja, mach nur einen Plan!

„Ja, mach nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht! / Und mach dann noch ’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht!“ So klagt Bertolt Brecht augenzwinkernd in seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“. Nun, so ist es in den letzten Jahren wohl vielen ergangen, die mit der Integration von Zugewanderten und der Gestaltung von Vielfalt zu tun haben: Sie hatten einen Plan, aber dann ist vieles anders gekommen.

Wer, wie Saarbrücken, vor zehn Jahren ein Integrationskonzept entwickelt hat, der hatte mehr die „nachholende Integration“ im Blick und konnte schwerlich ahnen, welche Dynamik die Einwanderung wenige Jahre später annehmen würde. Das alte Konzept im Rücken, ein neues vor Augen, dazwischen ein Navigieren auf teilweise stürmischer See: So bewegt sich die Integrationspolitik der Landeshauptstadt Saarbrücken zwischen strategischer Planung und Kurskorrektur, zwischen Prävention und Intervention, zwischen Konsolidierung und Innovation. Gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern arbeitet sie an Perspektiven für Teilhabe und Chancengerechtigkeit und an der Aufrechterhaltung einer Atmosphäre von Weltoffenheit und Toleranz, die ihre Lage an der deutsch-französischen Grenze zu fast allen Zeiten geprägt hat.

Die Rahmenbedingungen sind dabei alles andere als einfach: Haushaltsnotlage und eine Verwaltungsstruktur, in der integrationspolitisch wichtige Zuständigkeiten nicht bei der Stadt, sondern beim Kreis, d.h. beim Regionalverband Saarbrücken (Jugend, Gesundheit, Soziales) bzw. beim Land (Ausländerbehörde) liegen, grenzen die Spielräume ein und erhöhen den Koordinierungsaufwand. Und dennoch: Saarbrücken wird nicht müde, auch bei der Gestaltung des Zusammenlebens „aus Stroh Gold zu spinnen“!

Innerhalb der Stadtverwaltung ist das Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) als Stabsstelle im Zuständigkeitsbereich der Oberbürgermeisterin zuständig für die strategische Planung, für Projektentwicklung und Bürgerdialog, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen rund um Fragen von Migration und Vielfalt. Operativ ist vor allem das Amt für soziale Angelegenheiten gefordert – insbesondere bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen und dem Umgang mit den Herausforderungen der EU-Zuwanderung. Auf die Einbettung der Strategien und Aktivitäten in die allgemeinen Ziele der Stadtentwicklung achtet die Entwicklungsplanung im Amt für Entwicklungsplanung, Statistik und Wahlen. Drei Ämter also, die in enger Zusammenarbeit das Kernteam bilden, um die Stadt integrationspolitisch voranzubringen. Weitere Ämter und Dienststellen kommen, je nach Handlungsfeld und Herausforderung, hinzu.

Strategisch und systematisch

  • 2007 Integrationskonzept mit zehn integrationspolitischen Leitlinien
  • 2012 Bericht zur Umsetzung des Integrationskonzepts
  • 2012 Aufbau eines Stadtteilmonitorings für Saarbrücken
  • 2014 Erster Saarbrücken Integrationsbericht
  • 2017 - 2018 Fortschreibung des Integrationskonzepts
  • 2017 - 2019 Projekt PatchWorkCity: Saarbrücken entwickelt Vielfalt

3. Zusammenleben in der „PatchWorkCity“

Im Rahmen des Projekts PatchWorkCity (gefördert aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik beim Bundesbauministerium, Laufzeit 1.1.2017 bis 31.12.2019) setzt sich die Stadtverwaltung derzeit mit neueren Erkenntnissen aus der Migrations- und Stadtforschung auseinander, sie aktualisiert ihre Konzepte und tritt in den Dialog mit der Stadtgesellschaft. Der Untertitel des Projekts lautet: „Saarbrücken gestaltet Vielfalt“. Diese Zeile haben wir auch zum Titel des Wettbewerbsbeitrags gemacht. Damit wird deutlich, dass im Fokus unseres Beitrags zwar das Projekt PatchWorkCity steht, aber auch angrenzende Strategien und Aktivitäten der Landeshauptstadt Saarbrücken darin beleuchtet werden. Denn integrationspolitisch kann es keine isolierten Strategien geben – es geht schließlich ums Ganze!

Womit bewirbt sich die Landeshauptstadt Saarbrücken bei diesem Wettbewerb? Mit ihrer strategischen, selbstreflexiven Herangehensweise, mit ihrer Kompetenz im Netzwerken, mit ihrer Offenheit, in den Dialog einzutreten und mit ihrem unbedingten Willen, das „PatchWork“ an seinen Nahtstellen zusammenzuhalten.

Ankunftsstadtteile identifizieren und Schlüsse ziehen

Was also machen wir im Rahmen des Projekts PatchWorkCity? Seit Anfang 2017 beschäftigen wir uns intensiv mit den Themen Segregation, Unterstützung von Ankunftsstadtteilen und kommunales Integrationsmanagement. Wir wollten zunächst wissen, was Sache ist: Wie können wir besser verstehen, wie sich unsere Stadt entwickelt unter den Bedingungen der Einwanderung? Haben wir überhaupt noch ein zeitgemäßes Verständnis von sozialen und ethnischen Segregationsprozessen? In zwei Workshops mit wissenschaftlicher Unterstützung haben wir diese Auseinandersetzung geführt. In Zusammenarbeit mit Dr. Sebastian Kurtenbach von der Uni Bielefeld hat das Statistikamt dafür die Ankunftsgebiete in Saarbrücken identifiziert und kartographiert. Die Verwaltung hat erste Schlussfolgerungen formuliert und in die Beratung durch die städtischen Gremien gegeben.

Wie umgehen mit der Entstehung von Ankunftsgebieten? Erste Schlussfolgerungen.

„Es gilt“, so hat es die Stadtverwaltung in ihrer Ratsvorlage „Unterstützung von Ankunftsstadtteilen“ formuliert, „bei Investitionen in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur - vor allem im Bereich der Bildung - in den Ankunftsgebieten Prioritäten zu setzen. In Ankunftsgebieten braucht es außerdem mehr als in anderen Stadtteilen eine aktive Moderation von Kontakten zwischen den Bewohner_innen sowie Konfliktmoderation. Die Unterstützung und Weiterentwicklung von Ankunftsgebieten erfordert eine enge Kooperation und Abstimmung zwischen Stadt, Regionalverband, Gemeinwesenarbeit und weiteren Akteuren vor Ort.“

Eine unmittelbare Konsequenz ist die mit dem Ausbau der Grundschule Wallenbaum geplante inklusive Bildungswerkstatt auf der „Grünen Insel Kirchberg“. Hier soll ab 2018 unter Beteiligung von lokalen Akteuren und Bürgerinnen und Bürgern ein Konzept entwickelt werden, das den besonderen Herausforderungen von Vielfalt, Mehrsprachigkeit und sozialer Benachteiligung gerecht wird. Die Einrichtung eines aus dem Investitionspakt für die soziale Integration im Quartier finanzierten Integrationsmangements für Malstatt, das eng mit dem bereits bestehenden Quartiersmanagement im Rahmen des Städtebauförderprogramms Soziale Stadt zusammenarbeiten wird, soll diesen Prozess unterstützen.

Im Stadtteil Burbach hat eine Bürgerwerkstatt am 14. Oktober Deutsche und Zugewanderte an den Tisch gebracht, um zu überlegen, wie sich alle gemeinsam für das Wohl des Stadtteils engagieren und Probleme angehen können.

Steuern, beobachten, vernetzen

In mehreren Workshops im November/Dezember 2017 haben wir die Frage bearbeitet, wie sich die Landeshauptstadt innerhalb der Verwaltung und im Verbund mit anderen öffentlichen Akteuren, insbesondere dem Regionalverband, und freien Trägern aufstellen sollte, um den Herausforderungen von Migration und Vielfalt in der Stadt und im Quartier gerecht zu werden (kommunales Integrationsmanagement). Außerdem ging es um Fragen der kooperativen Stärkung von Ankunftsgebieten (Local Governance) und der Weiterentwicklung des Stadtteilmonitorings, das eine möglichst genaue, indikatoren- und kennzifferngestützte Beobachtung der Entwicklung in den Stadtteilen sicherstellen soll.

Auf den Kopf gestellt: Fachkonzepte auf dem Prüfstand

Die Stadt hat Prof. Dr. Dieter Filsinger (HTW Saar – Fakultät für Sozialwissenschaften) mit einer Expertise beauftragt. Übergreifende Frage ist, inwieweit die bereits vorliegenden städtischen Fachkonzepte den Herausforderungen von (neuer) Einwanderung  und damit einhergehender Vielfalt noch angemessen sind bzw. der Weiterentwicklung bedürfen. In der Expertise soll darüber hinaus eine Empfehlung formuliert werden, welche Konzepte als eigenständige Konzepte erhalten bleiben und ergänzt bzw. modifiziert werden sollen, bzw. welche möglicherweise zu integrieren sind. Hintergrund für die Fragestellung sind die Debatten, inwieweit ‚Migration und Integration‘ als eigenständiges Handlungsfeld zu fassen, oder stärker als Querschnittsaufgabe zu bestimmen ist.

4. Stadt und Zivilgesellschaft: Miteinander reden, miteinander arbeiten  

Vielleicht war es in einer Stadt wie Saarbrücken nie so notwendig, miteinander zu reden, wie heute: Weil die Vielfalt zwar Bereicherung, aber auch Risiko ist, weil wir aktiv etwas tun müssen, um den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. Wir brauchen ein Netzwerk mit starken Knoten, das sich unter unserer brüchig gewordenen Stadtgesellschaft aufspannt gegen die Anfechtungen unserer Zeit. Saarbrücken setzt vieles daran, damit Kommunikation und Zusammenhalt gelingen: 

Ab 2014 hat die Stadt in zahlreichen Dialogveranstaltungen über die Unterbringung von Geflüchteten in den Stadtteilen informiert und sich den Fragen und Ängsten der Bürgerinnen und Bürger gestellt.

Die Stadt hat erfolgreich Krisen im Zusammenhang mit der Zuwanderung aus Südosteuropa gemeistert: durch beherztes Eingreifen und konkrete Unterstützung, aber auch durch einen offenen Dialog mit den Menschen im Stadtteil.

Die Stadt leitet einen Runden Tisch mit zehn islamischen Gemeinden. Am Tag der Offenen Moschee hat sie mehrfach Besichtigungsfahrten zu islamischen Gemeinden angeboten.

Die Stadt bereitet mit einem großen Netzwerk an Partnerinnen und Partnern eine Kampagne unter der Frage „Wie wollen wir zusammen leben?“ vor: um Menschen in Saarbrücken miteinander ins Gespräch zu bringen, um nachzudenken und aufmerksam zu machen auf das, was unsere Stadt auch in Zukunft zusammenhalten kann. Zwischen April und Juli 2018 wird es Aktionen im öffentlichen Raum geben, Diskussionen in kleinen und großen Runden, kulturelle Beiträge, Begegnungen und Events aller Art. Der Weg ist das Ziel.

Die Stadt hat gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft gemacht, wenn es darum geht, Vielfalt zu gestalten. Die Erfahrungen aus der Flüchtlingshilfe haben gezeigt: Die Institutionen müssen – natürlich - den ihnen übertragenen Aufgaben nachkommen und dürfen ihre Arbeit nicht einfach Ehrenamtlichen überlassen. Sie müssen gleichzeitig das zivilgesellschaftliche Engagement unterstützen – behutsam begleitend, auch mal kritisch eingreifend, vor allem aber wertschätzend: Denn eine Demokratie funktioniert am besten mit einer starken Zivilgesellschaft.

Netzwerk ANKOMMEN

Als 2013 die ersten Flüchtlinge aus der Landesaufnahmestelle Lebach nach Saarbrücken zugewiesen wurden, haben Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit dem Zuwanderungs- und Integrationsbüro das – inzwischen mehrfach ausgezeichnete - Netzwerk ANKOMMEN aufgebaut: ein unabhängiges Netzwerk unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt. Das Besondere daran: die enge Kooperation zwischen Kommune und Bürgerschaft, die sich auch darin ausdrückt, dass es ein gewähltes Leitungsteam aus Vertreter_innen der Stadt und Ehrenamtlichen gibt. www.ankommen-saarland.de

5. Vor Ort konkret werden

Partner vor Ort? Gemeinwesenarbeit!

In den Stadtteilen spielt die Musik. Hier müssen Wohnungen gefunden, Nachbarschaften organisiert, Konflikte im privaten und öffentlichen Raum geregelt werden.

Saarbrücken setzt seit vierzig Jahren auf Gemeinwesenarbeit in den benachteiligten Stadtteilen. Sie finanziert sieben GWA-Standorte in sechs Stadtteilen: genau den Stadtteilen, die sich zu Ankunftsstadtteilen von Zuwanderern entwickelt haben. Die Gemeinwesenarbeit ist deshalb ein wichtiger Partner der Integration geworden. Das Stadtteilbüro Malstatt, das BürgerInnenZentrum Brebach, das Kontaktzentrum Folsterhöhe (beide traditionell starke Partner in Sachen Integration), das Stadtteilbüro Alt-Saarbrücken, die PAEDSAK (Pädagogisch-Soziale Aktionsgemeinschaft e.V) auf dem Wackenberg, die Gemeinwesenarbeit Burbach, die Zukunftsarbeit Molschd: Sie alle sind zu wichtigen Anlaufstellen für Zugewanderte in den Stadtteilen geworden und zu Vermittlern gegenüber der alteingesessenen Bevölkerung, die sich oft genug durch die neuen Entwicklungen überfordert fühlt. Die integrationspolitischen Ziele  sind Teil der regelmäßigen Aushandlungsprozesse zwischen Trägern der GWA und Stadt über den Zielkatalog. Ihre Erreichung wird jährlich im Rahmen von Bilanzgesprächen überprüft. Die Gemeinwesenarbeit wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet.

Aus Krisen lernen? EULE.mobil

2012 hat es im Stadtteil Malstatt gekriselt, als zugewanderte Familien aus Südosteuropa in größerer Zahl zugezogen sind. Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe hat Lösungen entwickelt: von der konkreten Intervention bei Gesundheits- und Kindeswohlgefährdung (etwa in Folge von Stromsperren, Müllbergen und Rattenplage) über unterstützende Projekte an den umliegenden Schulen und Bewohner- und Bürgerversammlungen bis hin zur Entwicklung von Beratungsstrukturen von EU-Zuwanderer. So ist zunächst die "Koordinierungsstelle EU-Zuwanderung" und ein Jahr später für flankierende Angebote das Projekt EULE.mobil entstanden. Mehr dazu siehe unter Punkt D 20 – 25 des Bewerbungsbogens.

6.Zum Schluss: Vermischtes

Die Grenzlage von Saarbrücken legt es nahe, den Austausch mit französischen und luxemburgischen Kommunen und Institutionen zu suchen. Im Bereich der Integrationspolitik sind in den letzten Jahren vielfältige Impulse von Saarbrücken ausgegangen: So hat eine Arbeitsgruppe „Migration, Partizipation, Citoyenneté“ im Städtenetzwerk QuattroPole mehrere Tagungen und Projekte durchgeführt. Die Städtepartnerschaft mit Nantes hat den Rahmen für bislang zwei Treffen (2016/2017) von Akteuren aus den Bereichen Einwanderung und Vielfalt gebildet. Daran soll 2018 angeknüpft werden.

Saarbrücken ist Bundeshauptstadt des Fairen Handels. In der Fair-Trade-Bewegung ist eine Reihe von Migrantenorganisationen aktiv, und der Zusammenhang von Migration und Entwicklung ist verschiedentlich in Veranstaltungen und Projekten beleuchtet worden.

Der jährliche Orientalische Markt mit rund 10.000 Besucherinnen und Besuchern ist zum Highlight im Stadtteil Burbach geworden. Er hilft, das Image des Stadtteils zu verbessern.

Die Landeshauptstadt hat gemeinsam mit dem Netzwerk IQ Saarland das Veranstaltungsformat IMMIGRA entwickelt: eine alle zwei Jahre stattfindende Besuchermesse für Integration.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es in Ihrer Kommune ein Integrationskonzept?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in dieses Integrationskonzept eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Unterstützt der/die (Ober-)Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin Ihren Wettbewerbsbeitrag öffentlich?: 
ja
nein

C2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Ziele des Wettbewerbsbeitrags im Hinblick auf Integration und Zusammenleben detailliert beschrieben & festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Festlegung der Ziele eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Kinder (Einrichtungen der Kindertagesbetreuung)
Kinder (Schule)
Jugendliche
junge Erwachsene
Erwachsene
Mädchen/Frauen
Jungen/Männer
aktuelle Zuwanderer (2015-2017)
jeweils differenziert nach Herkunftsgebieten
bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebende Zuwanderer
Bevölkerung vor Ort
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Bezieht sich Ihr Wettbewerbsbeitrag auf: 
die Gesamtstadt?
einen Teilraum/Quartier?
ein Projekt?
C 25 An welche Orte und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Quartier als Ganzes
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Jugendeinrichtungen
Sportvereine
Flüchtlingsunterkünfte
Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
Schulen
Ausbildungsstätten
Bildungseinrichtungen (VHS u.a.)
Soziale Treffpunkte für Zuwanderer
Migrantenselbstorganisationen
Weitere
C 25a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Behörden und zahlreiche Akteure der Integration in Saarbrücken
C 26: 

Welche Handlungsfelder zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort stehen in Ihrem Wettbewerbsbeitrag im Mittelpunkt? Bitte geben Sie an, ob sich das Handlungsfeld auf die Gesamtstadt oder das Quartier bezieht bzw., ob es sich um ein Projekt handelt.

C 26a Handlungsfeld Wohnen und Wohnumfeld: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26b Handlungsfeld Soziale Infrastrukturen, z.B. Kindergarten, Schulen, Jugendeinrichtungen: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26c Handlungsfeld Bildung/Qualifizierung/Ausbildung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26d Handlungsfeld Beschäftigung/lokale Wirtschaftsförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26e Handlungsfeld Kultur: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26f Handlungsfeld Sport: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26g Handlungsfeld Gesundheit: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26h Handlungsfeld Umwelt/Grün: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26i Handlungsfeld Beteiligung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26j Handlungsfeld Engagementförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26k Weitere Handlungsfelder: 
Kommunales Integrationsmanagement; interkulturelle Öffnung der Verwaltung
C 27a Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Zuwander" ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27b Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Bevölkerung vor Ort" ausgerichtet?: 
ja
nein

C3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbei: 
Stadt-, Gemeinde-, bzw. Kreisrat
Amt/Bereich Soziales
Amt/Bereich Jugend
Amt/Bereich Wohnen
Amt/Bereich Grün(-planung)
Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin
Amt/Bereich Stadtplanung/ Stadtentwicklung
Integrationsbeauftragte/r
Amt/Bereich Sport
Amt/Bereich Gesundheit
Weitere
C 31 Welche verwaltungsexternen lokal relevanten Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Quartiersmanagement
Stadtteilzentren/ Nachbarschaftshäuser
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenselbstorganisationen
Sponsoren
Lokale Medien
Stiftungen
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftsvereine
Kleingartenvereine
Unternehmen, Betriebe
Weitere
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie finanzieren Sie Ihren Wettbewerbsbeitrag?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
C 35 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 36 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 36a wenn ja oder geplant: 
Fremdevaluation
C 37 Werden im Rahmen der Umsetzung von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 38 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Wettbewerbsbeitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen bereits andernorts übernommen worden?: 
ja
nein

Einzelprojekte

Einzelprojekt 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
PatchWorkCity. Zusammenleben in Vielfalt
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 14a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 15 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Das Projekt befasst sich mit der Frage, wie die Saarbrücker Bevölkerung bei all ihrer Unterschiedlichkeit in Herkunft, Alter, Geschlecht, körperlicher und geistiger Verfassung, Religionszugehörigkeit, Lebensweisen oder Interessen gut zusammen leben kann. Das Zusammenleben in Vielfalt ist Bereicherung, aber auch Herausforderung und nicht frei von Konflikten. Wie verändert sich unsere Stadt durch Zuwanderung und durch andere Aspekte von Vielfalt? Was kann die Stadtverwaltung tun, um den Veränderungen gerecht zu werden? Und wie kann der Zusammenhalt in der Zivilgesellschaft gestärkt werden?

Im Projekt PatchWorkCity beschäftigen sich die Entwicklungsplanung, das Amt für soziale Angelegenheiten und das Zuwanderungs- und Integrationsbüro mit folgenden Themen:

2017 geht es schwerpunktmäßig um die fachliche Auseinandersetzung mit Segregation und der Situation in den so genannten "Ankunftsstadtteilen" von Saarbrücken, also den Stadtteilen, in die Migrantinnen und Migranten am häufigsten zuziehen.

2018 steht ein zivilgesellschaftlicher Dialogprozess unter der Frage "Wie wollen wir zusammen leben?" im Mittelpunkt. Was hält uns in Saarbrücken bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit zusammen? Mit dieser Frage sollen sich möglichst viele Menschen in Saarbrücken im Rahmen einer großen Kampagne im Frühsommer 2018 auseinandersetzen. Es soll ein lebendiger Dialog „auf allen Kanälen“ werden. Alle können mitmachen: ob soziale Einrichtung, Verein, Kulturinstitution, Behörde, Kulturschaffende/r, Schule, Kita, Initiative, Unternehmen, Gruppe oder Einzelpersonen.

2019 richten wir den Blick auf den Stadtteil Burbach und das Zusammenleben von alteingesessenen und neu zugezogenen Burbachern.

Einzelprojekt 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 
EULE.mobil (Europa leben)
D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 24a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 25 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Ankommen, Arbeit suchen, Deutsch lernen, Saarbrücken verstehen lernen. Jede Menge Aufgaben erwarten Menschen, die die Chancen nutzen, die Europa bietet: den Ort, an dem man leben und arbeiten möchte, selbst zu bestimmen. „Europa leben“ (kurz EULE) – das ist das Thema der Projekte von Arbeiterwohlfahrt und Diakonie in Saarbrücken, die die Integrationsbemühungen europäischer Zuwandererinnen und Zuwanderer unterstützen. Knapp 4000 Migrantinnen und Migranten aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn werden aktuell in der Einwohnermeldestatistik der Landeshauptstadt geführt. Unter ihnen befindet sich ein nicht unerheblicher Anteil an Roma, die Ausgrenzung und Diskriminierung in ihrem Heimatland erfahren haben und zumeist erneut auf Ablehnung stoßen, sobald sie die Bundesrepublik Deutschland betreten. Die Menschen, meistens Großfamilien, geraten in eine Abwärtsspirale aus menschenunwürdigen Wohnbedingungen, Ausbeutung am Arbeitsmarkt, Obdachlosigkeit, Prostitution, Stigmatisierung. Das Risiko sich in einer Schattenwelt aus (Klein)-Kriminalität zu verlieren, ist nicht wegzudiskutieren.

Um dem entgegenzuwirken, gehen seit 2015 die Mitarbeiter_innen von EULE.mobil die ersten Schritte in Saarbrücken mit ihnen gemeinsam. Sie vermitteln in Sprachkurse, begleiten zu Behörden, unterstützen bei Bewerbungsschreiben, halten Stellenangebote vor, vermitteln die Wertigkeit von Schulbildung für die Kinder, vermitteln in Kindertagesstätten, suchen Schulplätze, kümmern sich um Krankenversicherungen, schalten sich schlichtend und vermittelnd dort ein, wo zwei Kulturen aufeinanderprallen. Sie sind Brückenbauerinnen in die saarländische Gesellschaft. Sie werden in einem breiten Netzwerk aber auch dann aktiv, wenn aus Opfern Täter werden (Sozialleistungsbetrug ist in dem Zusammenhang das aktuell sicherlich am meisten diskutierte Thema). Inzwischen haben weit über 1000 Menschen den Weg zu den Beraterinnen gefunden. Finanziert wird das Projekt zu 85 % aus dem „Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen – EHAP“ und zu 10 % aus Mitteln der Bundesministerien für Arbeit und Soziales (BMAS) und für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat die Projektförderung beantragt und wirkt an der Umsetzung über einen Zeitraum von drei Jahren mit. Ergänzt wird EULE.mobil durch die "Koordinierungsstelle EU-Zuwanderung", die die Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt. 

Anlagen