Landkreis München

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

340.003

Bundesland

Bayern

Titel des Beitrags

Integrationsfahrplan für Flüchtlinge des Landkreises
München

Schwerpunkt des Beitrags

Der Landkreis München hat als Teilmodul des landkreisweiten Integrationskonzepts einen Integrationsfahrplan für Flüchtlinge erarbeitet. Dieser Fahrplan umfasst 69 konkrete Zielsetzungen, die ausgehend von einer Bestands- und Bedarfsanalyse von verschiedenen Fachstellen des Landratsamtes unter Mitarbeit der in der Integrationsarbeit tätigen externen Akteure formuliert wurden und in einem Zeitraum von zwei Jahren umgesetzt werden sollen.

Kontakt

Lisa Graf
Landkreis München
Geschäftsbereich A – Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen
Ludmillastraße 26
81543 München
Telefon: +49 89 6221-1861
E-Mail: GrafL@lra-m.bayern.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Der hohe Zuzug von Geflüchteten – insbesondere im Jahr 2015 – hat den Landkreis München zunächst vor die Herausforderung gestellt, die ankommenden Menschen unterzubringen und zu versorgen. In einem „konzertierten Kraftakt“ wurden Notunterkünfte errichtet und die Abläufe der Unterbringung und Versorgung organisiert. Nachdem die erste Unterbringung und Versorgung gelungen war, nimmt der Landkreis nun verstärkt die Lebensperspektiven der Asylbewerberinnen und Asylbewerber in den Blick, um die Integration der Geflüchteten zielgerichtet zu unterstützen.

Foto von der Integrationskonferenz, eine Frau befragt zwei junge Geflüchtete
Integrationskonferenz, Foto: Gertraut Zitzmann
Vor diesem Hintergrund hat der Landkreis einen Integrationsfahrplan für Flüchtlinge erarbeitet und im Dezember 2017 im Kreistag beschlossen. Der Integrationsfahrplan umfasst 69 konkrete Zielsetzungen, die ausgehend von einer detaillierten Bestands- und Bedarfsanalyse von verschiedenen Fachstellen des Landratsamts und unter Mitarbeit der zahlreichen in der Integrationsarbeit tätigen externen Akteure in Workshops, Arbeitskreisen und einer Integrationskonferenz entwickelt wurden. Die Ziele wurden alle mit der SMART-Formel formuliert, d.h., sie benennen genau den Inhalt der Zielsetzung und konkrete auf den Landkreis zugeschnittene Maßnahmen, wer für die Umsetzung zuständig ist, bis wann diese erfolgen soll und woran die Zielerreichung gemessen wird. Der Fahrplan richtet sich sowohl an Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter wie auch – soweit rechtlich zulässig – mit geringer Bleibeperspektive. Zudem wendet er sich an anerkannte Geflüchtete, die noch in Gemeinschaftsunterkünften leben. Inhaltlich gliedert sich der Fahrplan in fünf Handlungsfelder: Unterbringung und Wohnen, Bildung und Spracherwerb, Werte/Teilhabe/Gesundheit, Arbeit und Beschäftigung, Öffentlichkeit. Umgesetzt wird der Integrationsfahrplan durch verschiedene Fachstellen des Landratsamts unter Einbeziehung der kreisangehörigen Gemeinden, externer Träger, ehrenamtlicher Helferkreise und weiterer Kooperationspartner. Für jedes Ziel wurden Zuständigkeiten definiert und die Verantwortlichen intern namentlich benannt. Vorgesehen ist, die Ziele in einem Zeitraum von anderthalb bis zwei Jahren umzusetzen. Die Zielerreichung wird anhand der im Integrationsfahrplan für jedes Ziel benannten Indikatoren gemessen. Spätestens nach zwei Jahren soll der Fahrplan fortgeschrieben werden.

Zudem hat der Landkreis München zum 1. Oktober 2017 eine Integrationskoordination mit 16 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern eingerichtet. Mit deren Unterstützung sollen die Geflüchteten eine Vorstellung von ihren individuellen Perspektiven und Möglichkeiten entwickeln – von den Optionen auf dem Arbeitsmarkt bis zu den Möglichkeiten bei einer Rückkehr ins Heimatland. Im Gespräch mit den einzelnen Klienten erstellt die Integrationskoordination einen individuellen Integrationsfahrplan und schließt Zielvereinbarungen über die zu erbringenden Integrationsleistungen bzw. Beschäftigungsmaßnahmen ab. Neben der Vermittlung in Bildung und Arbeit kümmert sich die Integrationskoordination auch um den Bereich Werte und Teilhabe, d.h., sie vermittelt die Geflüchteten in Maßnahmen, die Wertvorstellungen reflektieren und über die Werte der Aufnahmegesellschaft informieren. Außerdem unterstützen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter die Geflüchteten bei der Teilhabe an Freizeitangeboten (z.B. in Sportvereinen) vor Ort in den Gemeinden.

Bereits seit Ende 2016 wird den Asylbewerberinnen und Asylbewerbern bei ihrer Ankunft ein sogenanntes Logbuch ausgehändigt. Es handelt sich dabei um einen Ordner mit Registerblättern und Informationen. Auf diese Weise wird den Geflüchteten zum einen ein Ordnungssystem an die Hand gegeben, in das sie wichtige Unterlagen für ihren Integrationsweg einheften können; zum anderen werden ihnen viele praktische Tipps zur Verfügung gestellt, die das Ankommen in Deutschland unterstützen. Darüber hinaus soll das Logbuch die vielen unterschiedlichen Fachstellen unterstützen, die sich mit der Unterbringung, Betreuung und Integration der Asylbewerberinnen und Asylbewerber befassen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Klienten es zum Termin mitbringen. Da dies nicht immer der Fall ist, wird derzeit durch die AG „Logbuch“ unter Einbeziehung der Geflüchteten eruiert, was getan werden muss, um das Logbuch besser zu etablieren.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag überzeugt in allen Bewertungskriterien der Wettbewerbsausschreibung:

  • Konzeptionelle Einbindung: Der Integrationsfahrplan, die Integrationskoordination und das Logbuch sind Teil des 2017 erstellten landkreisweiten Integrationskonzepts.
  • Ausgangs-und Bedarfsanalyse: Der Landkreis hat Ende 2016 eine Bestands- und Bedarfsanalyse mit Blick auf die Integrationsarbeit im Kreis erstellt. Ergebnis dieser Analyse war u.a., dass die Bündelung von Informationen und die Transparenz zwischen den Akteuren (Schnittstellenmanagement) sowie die konsequente Einbindung aller Akteure – insbesondere auch der Zielgruppe selbst – fehlen. Außerdem wurde festgestellt, dass es der Asylsozialberatung an Zeit und Ressourcen mangelt, um die Flüchtlinge auf ihrem Weg zur Integration strukturiert und intensiv zu begleiten. Als Ergebnis der Analyse erarbeitete der Landkreis den Integrationsfahrplan und errichtete die Integrationskoordination.
  • Detaillierte Integrationsziele: Die Ziele des Integrationsfahrplans wurden mit der SMART-Formel – Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert – formuliert.
  • Qualitätsmanagement und Evaluation: Die Zielerreichung wird mittels der im Konzept zum Integrationsfahrplan für jedes Einzelziel benannten Indikatoren gemessen. Um die Steuerung der Umsetzung des Integrationsfahrplans zu begleiten, wurden zudem ein Controlling und Qualitätsmanagement aufgebaut.
  • Vernetzung und Kooperation: Der Landkreis hat Kooperationsvereinbarungen und -verträge mit verschiedenen Partnern abgeschlossen, u.a. in der Asylsozialberatung, bei der Arbeitsmarktintegration, bei der psychotherapeutischen Begleitung und Trauma-Therapie sowie bei der Vermittlung in Deutschkurse für Flüchtlinge, die keinen Zugang zu Integrationskursen haben. Zudem finden monatlich Austauschtreffen mit den Helferkreiskoordinatoren und den Trägern der Asylsozialberatung statt. Außerdem gibt es regelmäßige Austauschtreffen mit den kreisangehörigen Kommunen und Info-Veranstaltungen für Unternehmen.
  • Langfristige und nachhaltige Implementation: Die vorgestellten Integrationsmaßnahmen sind Dauerangebote, deren Finanzierung langfristig gesichert ist. Der Integrationsfahrplan soll nach spätestens zwei Jahren fortgeschrieben werden.
  • Kommunalpolitische Verankerung: Der Integrationsfahrplan wurde Ende 2017 einstimmig vom Sozialausschuss, Kreisausschuss und Kreistag beschlossen.
  • Gender- und Diversity-Aspekte: Der Integrationsfahrplan berücksichtigt die gezielte Förderung von geflüchteten Frauen und hat die frauenspezifische Ausrichtung von Maßnahmen zum Ziel. Zudem bietet der Landkreis im Rahmen der individuellen Unterbringung u.a. eine „Regenbogen-WG“ zur Unterbringung von homosexuellen Bewohnern an.
  • Transfergehalt: Der Landkreis hat den Integrationsfahrplan in verschiedenen Netzwerken (z.B. NIKO/Migranet) vorgestellt und nutzt aktiv Möglichkeiten zum Austausch und Wissenstransfer mit anderen Kommunen (Netzwerk des Bayerischen Landkreistages, Bayerisches Landkreisnetz).

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises München.