Schwäbisch Gmünd

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

59.840

Bundesland

Baden-Württemberg

Titel des Beitrags

Der Gmünder Weg für alle schafft Heimat!

Schwerpunkt des Beitrags

Im Zentrum des Beitrags steht die sukzessive und kontinuierliche Weiterentwicklung von Integrationskonzepten, -zielen und -maß­nahmen der Stadt. Derzeit entsteht in einem bürgerschaftlichen Prozess eine „Charta der Gemeinsamkeit“ als Leitbild für den „Gmünder Weg für alle“.

Kontakt

Dieter Lehmann
Stadt Schwäbisch Gmünd
Amt für Familie und Soziales
Marktplatz 37
73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: +49 7171 603-5010
E-Mail: dieter.lehmann@schwaebisch-gmuend.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Foto: Kinder und Erwachsene laufen über eine bunt blühende Wiese.
Kindergartenkinder im Weltgarten, Foto: Colette Eisenhuth
Die Stadt Schwäbisch Gmünd liegt im Osten Baden-Württembergs, etwa 50 km östlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Mit 38 % hat Schwäbisch Gmünd einen verhältnismäßig hohen Anteil von Migrantinnen und Migranten. Bei den Kinder und Jugendlichen hat bereits mehr als jede/r Zweite einen Migrationshintergrund. Die wichtigsten zugewanderten Gruppen sind Ausländer (ca. 16 %), Eingebürgerte und Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft (über 13 %) sowie Aussiedler (ca. 8 %). Die wichtigsten Herkunftsländer sind die ehemalige Sowjetunion (23 %), das ehemalige Jugoslawien (11 %) und Rumänien (ca. 8 %). Hinzu kommen rund 800 Geflüchtete in der vorläufigen Unterbringung und besonderen Anschlussunterbringung.

Der Wettbewerbsbeitrag „Der Gmünder Weg für alle schafft Heimat“ beschreibt die vor diesem Hintergrund erfolgenden Integrationsbemühungen der Stadt, die bis heute vier verschiedene Phasen durchlaufen haben:

  • Phase 1: Der „Gmünder Weg“ startete 2008/2009 mit der Erstellung eines Integrationskonzeptes unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut „Europäisches Forum für Migrationsstudien“ der Universität Bamberg. Das Konzept wurde mit intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet und legt bis heute die Leitlinien der Integrationsarbeit in Schwäbisch Gmünd fest. Auch die damals definierten Handlungsfelder (Sprache und Bildung, Wirtschaft und Arbeit, Wohnen und Stadtentwicklung, Soziales, Gesundheit und Sport, Aktives Zusammenleben, Interkulturelle Öffnung der Institutionen) gelten bis heute. Auch die dabei formulierten grundlegenden Ziele sind bis heute gültig, ebenso die wichtigsten Leit- und Teilziele, die für die Handlungsfelder formuliert wurden. In diese erste Phase fiel auch die Einstellung eines Integrationsbeauftragten, der bis heute als Stabstelle bei der Verwaltungsspitze angesiedelt ist.
  • Phase 2: Bewertung der Gmünder Integrationsarbeit mit Hilfe des Forschungs-Praxis-Projektes „Integrationspotentiale ländlicher Regionen im Strukturwandel“ der Schader-Stiftung Ende 2012. „Mit den daraus resultierenden Handlungsempfehlungen wurden der Gmünder Weg fortgesetzt, kommunale Strukturen weiter gestärkt, um zielgerichtet eine Willkommens- und Anerkennungskultur aufzubauen“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag).
  • Phase 3: Seit 2015 wurde ganz bewusst das Handlungsfeld Flüchtlinge in die Integrationsbemühungen einbezogen und bereits frühzeitig – zusätzlich zum Integrationsbeauftragten – eine hauptamtliche Flüchtlingsbeauftragte eingestellt. Zudem wurde in dieser Phase ein spezielles Integrationskonzept für Geflüchtete erstellt.
  • Phase 4: In der noch andauernden Phase 4 werden die Erfahrungen des „Gmünder Wegs für Flüchtlinge“ ausgewertet und zum „Gmünder Weg für alle“ weiterentwickelt. Darüber hinaus wird in einem bürgerschaftlichen Prozess eine „Charta der Gemeinsamkeit“ erarbeitet. In dieser sind die Prinzipien für ein gutes Zusammenleben in der Gmünder Stadtgesellschaft formuliert. Als Themen werden in der Charta angesprochen: Gleichberechtigung, interreligiöser Dialog, Heimat für alle, Deutsch als Sprache, Teilhabe für alle Menschen, bürgerschaftliches Engagement, die sorgende Gemeinschaft sowie Einkommen, Armut, Bildung und Wohnen für alle. „Dieser Verhaltenskodex soll das gute Zusammenleben aller Gmünder Bürger in ihrer Heimat Schwäbisch Gmünd sicherstellen“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag). Außerdem spielt in der Phase 4 die Internationalität konzeptionell zunehmend eine Rolle. „Das heißt, zur bisherigen Defizitorientierung der Integrationspolitik, kommt der Blick auf die Ressourcen von Migranten sowie die Bedeutung und der Mehrwert kultureller Vielfalt, als gesellschaftliche und wirtschaftliche Chance, für die Stadt hinzu“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag).

Begründung der Prämierung

Die Stadt Schwäbisch Gmünd stellt überzeugend dar, dass es ihr gelungen ist, die Integrationskonzepte, -ziele und -maßnahmen sukzessive und kontinuierlich weiterzuentwickeln und diese sehr stringent und nachvollziehbar aufeinander aufzubauen.

  • Integration erfährt in Schwäbisch Gmünd ausgeprägte kommunalpolitische Unterstützung: Integration ist in der Stadt „ein kommunalpolitisches Handlungsfeld mit höchster Priorität, dem auch der Oberbürgermeister der Stadt persönlich vorsteht“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).
  • Mit der Position des Integrationsbeauftragten als Stabstelle der Verwaltungsspitze, der Flüchtlingsbeauftragten, der ämterübergreifenden Fachgruppe Zuwanderung unter Vorsitz des Oberbürgermeisters, dem Integrationsforum zur Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Akteure und Migrantengruppen sowie der zentralen Anlaufstelle „PFIFF-Projektstelle für Integration und Flüchtlinge“ sind in Schwäbisch Gmünd Strukturen für eine nachhaltige Implementation und Umsetzung der Integrationsarbeit geschaffen worden.
  • „Alles unter einem Dach“ – dieses Motto wird in Schwäbisch Gmünd mit der zentralen Anlaufstelle „PFIFF-Projektstelle für Integration und Flüchtlinge“ gelebt: Diese Anlaufstelle beherbergt Mitarbeiter verschiedener Ämter und soll damit den Durchlauf von Geflüchteten durch Ämter und Institutionen optimieren. In dieser Anlaufstelle vertreten sind die Flüchtlingsbeauftragte, das Amt für Familie und Soziales, der Integrationsbeauftragte, die Bundes­agentur für Arbeit, das Jobcenter, der Arbeitskreis Asyl, das Projekt NIFU „Netzwerk von Flüchtlingen“ in Ost-Württemberg, die Projektstelle für jesidische Frauen sowie die Integrationsmanager aus dem Landesprogramm Pakt für Integration Baden-Württemberg.
  • Die Stadt fokussiert zunehmend auf Quartiere als Orte der Integration. Quartiersarbeit wird als wichtiger Ansatz für dezentrale Integrationsbemühungen angesehen. So wird es 2018 in sieben Gmünder Stadtteilen ein hauptamtliches Quartiersmanagement geben.
  • Die Stadt nutzt Möglichkeiten externer Evaluation (Universität Bamberg, Schader-Stiftung), um mit Impulsen von außen die Integrationsarbeit weiterzuentwickeln.
  • Der Beitrag hat einen hohen Transfergehalt: Viele Gmünder Praxisbeispiele sind im von der Schader-Stiftung herausgegebenen „Handbuch für Kommunen – interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Regionen“ dargestellt. Einige Städte (Konstanz, Michelstadt) haben Projekte bzw. Gmünder Ansätze übernommen. Auch das Land Baden-Württemberg hat beim Landesförderprogramm für Flüchtlinge Gmünder Ideen aufgegriffen.

Hervorzuheben ist schließlich die aktuelle „strategische Umdeutung“ der Zuwanderung. Der Blick wird umgelenkt: weg von der bisherigen Defizitorientierung der Integrationspolitik, hin zu den Ressourcen von Migrantinnen und Migranten und zum Mehrwert kultureller Vielfalt als gesellschaftliche und wirtschaftliche Chance.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Stadt Schwäbisch Gmünd.