Landeshauptstadt Saarbrücken

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

182.000

Bundesland

Saarland

Titel des Beitrags

Saarbrücken gestaltet Vielfalt

Schwerpunkt des Beitrags

Die Stadt Saarbrücken stellt ihr quartiersbezogenes Gesamtkonzept zur Integration vor. Dabei hebt sie zwei Integrationsprojekte hervor:

  • „PatchWorkCity“: fachliche Auseinandersetzung mit Segregation und der Situation in den so genannten Ankunftsstadtteilen" von Saarbrücken,
  • „EULE.mobil“: Unterstützung der Integrationsbemühungen (ost)europäischer Zuwanderer und Zuwanderinnen bei Krisen- und Konfliktsituationen in Stadtteilen.

Kontakt

Veronika Kabis
Landeshauptstadt Saarbrücken
Zuwanderungs- und Integrationsbüro
Rathaus St. Johann
66111 Saarbrücken
Telefon: +49 0681 9051559
E-Mail: veronika.kabis@saarbruecken.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Die Landeshauptstadt Saarbrücken ist geprägt durch ihre Grenzlage zu Frankreich und ihre Vielfalt. 17,7 % der rund 182.000 Menschen in Saarbrücken haben einen ausländischen Pass und 30,2 % einen Migrationshintergrund. Bei den Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren haben bereits 40,6 % einen Migrationshintergrund. Aktuell bestimmen die Zuzüge von Geflüchteten vorwiegend aus Syrien sowie von Zuwanderern aus der EU das Migrationsgeschehen. Dabei sind die Rahmenbedingungen für Integration alles andere als einfach: Haushaltsnotlage und eine Verwaltungsstruktur, in der integrationspolitisch wichtige Zuständigkeiten nicht bei der Stadt, sondern beim Kreis, d.h. beim Regionalverband Saarbrücken (Jugend, Gesundheit, Soziales) bzw. beim Land (Ausländerbehörde), liegen, grenzen die Spielräume ein und erhöhen den Koordinierungsaufwand.

Foto: Drei Jungendliche - zwei Mädchen und ein Junge, der einen kleineren Jungen auf sienen Schultern trägt - blicken in die Kamera. Eines der Mädchen hält eine Tafel mit der Aufschrift: "Wir sind bunt".
Wir sind bunt, Foto: Lena Schmidt
Bereits vor zehn Jahren gab sich Saarbrücken ein Integrationskonzept, das angesichts der Dynamik der Einwanderung stetig weiterentwickelt wird. Im Beitrag heißt es hierzu: „Wer, wie Saarbrücken, vor zehn Jahren ein Integrationskonzept entwickelt hat, der hatte mehr die ‚nachholende Integration‘ im Blick und konnte schwerlich ahnen, welche Dynamik die Einwanderung wenige Jahre später annehmen würde. Das alte Konzept im Rücken, ein neues vor Augen, dazwischen ein Navigieren auf teilweise stürmischer See: So bewegt sich die Integrationspolitik der Landeshauptstadt Saarbrücken zwischen strategischer Planung und Kurskorrektur, zwischen Prävention und Intervention, zwischen Konsolidierung und Innovation.“

Derzeit konstatiert die Stadt: Die Unterbringung der Geflüchteten wurde bewältigt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung war überwiegend gut, und das zivilgesellschaftliche Engagement war und ist hoch. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass es Ressentiments und Situationen von Stress und Überforderung vor allem in den Ankunftsstadtteilen von Zuwanderern gibt. Die Stadt ist daher neu gefordert, Strategien zu entwickeln, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Teilhabechancen für alle zu fördern. Diese Herausforderung nimmt die Stadt an und verdeutlicht das in ihrem Beitrag an zwei aktuellen Integrationsprojekten.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik vom Bundesbauministerium über drei Jahre (2017–2019) geförderte Projekt „PatchWorkCity“ schafft den Rahmen, um die Entwicklung der Stadt unter den Bedingungen von Vielfalt besser zu verstehen, die Kooperationsstrukturen unter den Akteuren zu verbessern, den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu suchen, neue Herangehensweisen für Ankunftsstadtteile zu entwickeln und das „Patchwork“ an seinen Nahtstellen zusammenzuhalten. Bislang erfolgten u.a. folgende Aktivitäten:

  • In zwei Workshops wurde mit wissenschaftlicher Unterstützung die Diskussion darüber geführt, wie die Entwicklung der Stadt unter den Bedingungen der Einwanderung besser zu verstehen und ob das eigene Verständnis von sozialen und ethnischen Segregationsprozessen noch zeitgemäß ist.
  • In Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld hat das Statistikamt Ankunftsgebiete in Saarbrücken identifiziert und kartographiert.
  • Die Verwaltung hat erste Schlussfolgerungen für den Umgang mit Ankunftsgebieten formuliert und in die Beratung durch die städtischen Gremien gegeben.
  • In mehreren Workshops wurde erörtert, wie sich die Landeshauptstadt innerhalb der Verwaltung und im Verbund mit anderen öffentlichen Akteuren, insbesondere dem Regionalverband, und freien Trägern aufstellen sollte, um den Herausforderungen von Migration und Vielfalt in der Stadt und im Quartier gerecht zu werden (kommunales Integrationsmanagement). Außerdem ging es um Fragen der kooperativen Stärkung von Ankunftsgebieten (Local Governance) und der Weiterentwicklung des Stadtteilmonitorings, das eine möglichst genaue, indikatoren- und kennzifferngestützte Beobachtung der Entwicklung in den Stadtteilen sicherstellen soll.
  • In Vorbereitung befindet sich die Kampagne „Wie wollen wir zusammen leben?“; dabei soll ein lebendiger Dialog „auf allen Kanälen“ (Aktionen im öffentlichen Raum, Diskussionen, kulturelle Beiträge, Events) entstehen.

Mit dem zweiten Projekt – „EULE.mobil“ – werden die Integrationsbemühungen (ost)europäischer Zuwanderer unterstützt. Unter ihnen befindet sich ein erheblicher Anteil an Roma. Diese Menschen, meistens in Großfamilien lebend, geraten oft in eine Abwärtsspirale aus menschenunwürdigen Wohnbedingungen, Ausbeutung am Arbeitsmarkt, Obdachlosigkeit, Prostitution und Stigmatisierung. Um dem entgegenzuwirken, gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von EULE.mobil seit 2015 die ersten Schritte in Saarbrücken (Sprachkursvermittlung, Behördengänge, Unterstützung bei Bewerbungen, Stellenangebote, Wertevermittlung, Gesundheit usw.) mit diesen Zuwanderern gemeinsam. Inzwischen haben weit über 1.000 Menschen den Weg zu den Beraterinnen und Beratern gefunden. Darüber hinaus hilft EULE.mobil, Krisen- und Konfliktsituationen in den Stadtteilen frühzeitig zu erkennen und zu bearbeiten.

Gesteuert, koordiniert und umgesetzt wird die Integrationsarbeit in Saarbrücken ressortübergreifend. Das Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) – als Stabsstelle bei der Oberbürgermeisterin angesiedelt – ist zuständig für die strategische Planung, für Projektentwicklung sowie für Bürgerdialog, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen rund um Fragen von Migration und Vielfalt. Operativ ist vor allem das Amt für soziale Angelegenheiten gefordert – insbesondere mit Blick auf Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen sowie den Umgang mit den Herausforderungen der EU-Zuwanderung. Auf die Einbettung der Strategien und Aktivitäten in die allgemeinen Ziele der Stadtentwicklung achtet das Amt für Entwicklungsplanung, Statistik und Wahlen. Weitere Ämter und Dienststellen kommen je nach Handlungsfeld und Herausforderung hinzu.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag der Stadt Saarbrücken „Saarbrücken gestaltet Vielfalt“ stellt ein überzeugendes und inhaltlich breit aufgestelltes gesamtstädtisches Integrationskonzept vor, dessen kontinuierliche Weiterentwicklung anhand von zwei aktuellen Projekten verdeutlicht wird. Viele der Wettbewerbskriterien werden gut bis sehr gut erfüllt. Hervorzuheben sind insbesondere folgende Charakteristika:

  • der erkannte Bedarf für Weiterentwicklung/Anpassung bestehender Konzepte an die Dynamik von Einwanderung,
  • die Wahrnehmung von Integration als Daueraufgabe,
  • die breite politische Unterstützung und Wahrnehmung von Integration als Chefsache,
  • die bemerkenswert detaillierte Dokumentation von Workshop- und Projektergebnissen, die eine gute Basis dafür ist, dass die Ergebnisse in die Weiterentwicklung des Integrationskonzepts einfließen können,
  • der hohe Transfergehalt des Beitrags: Austausch mit französischen und luxemburgischen Kommunen und Institutionen zum Thema Integrationspolitik mit vielfältigen Impulsen durch die Stadt Saarbrücken, Mitwirkung an der Arbeitsgruppe „Migration, Partizipation, Citoyenneté“ im Städtenetzwerk QuattroPole, Treffen von Akteuren aus den Bereichen Einwanderung und Vielfalt im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Nantes.

Der Beitrag der Stadt Saarbrücken überzeugt insgesamt sowohl durch das langjährige und erfolgreiche Engagement der beteiligten Akteure bei der Integrationsarbeit als auch durch die Innovationsfähigkeit der Stadt.

 

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Landeshauptstadt Saarbrücken.