Osterholz-Scharmbeck

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

30.302

Bundesland

Niedersachsen

Titel des Beitrags

Integrationskonzept der Stadt Osterholz-Scharmbeck

Schwerpunkt des Beitrags

Um günstige Rahmenbedingungen für die Teilhabe zugewanderter Menschen zu schaffen, hat die Stadt Osterholz-Scharmbeck 2016 ein Integrationskonzept entwickelt. Dieses umfasst die Handlungsfelder Wohnen, Bildung, Ausbildung und Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe. Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung sozial gemischter Quartiere, der Sicherstellung guter Bildungsmöglichkeiten und der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für individuelles Engagement.

Kontakt

Dr. Ulrike Baumheier
Stadt Osterholz-Scharmbeck
Rathausstraße 1
27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: +49 479 17-520
E-Mail: baumheier@osterholz-scharmbeck.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Die nördlich an Bremen grenzende Stadt Osterholz-Scharmbeck ist Mittelzentrum und Kreisstadt des niedersächsischen Landkreises Osterholz. Seit 2014 wurden der Stadt 508 Geflüchtete zugewiesen, von denen im November 2017 noch 327 in Osterholz-Scharmbeck lebten. Die Stadt sieht es als ihre Aufgabe an, die Rahmenbedingungen für die Teilhabe der Geflüchteten zu schaffen und das Zusammenleben von Geflüchteten und der Bevölkerung vor Ort erfolgreich zu gestalten. Dieser Herausforderung will sie sich gemeinsam mit Zivilgesellschaft und Wirtschaft stellen.

Vor diesem Hintergrund erarbeiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche der Verwaltung unter Mitwirkung von Kindertagesstätten, Schulen, sozialen Einrichtungen und der Volkshochschule 2016 das städtische Integrationskonzept als einen Leitfaden für die städtischen Verwaltungen und Einrichtungen. Dieser dient zugleich auch als Orientierungsrahmen für die Partner in der Kommune. Das Integrationskonzept wurde als kommunale Gesamtkonzeption einstimmig vom Rat verabschiedet.

Der Schwerpunkt des Integrationskonzepts liegt auf dem Zusammenleben mit Zugewanderten, die eine Bleibeperspektive haben. Dabei werden drei Hauptziele verfolgt, nämlich die Entwicklung sozial gemischter Quartiere, die Sicherstellung guter Bildungsmöglichkeiten als Schlüssel zur Integration sowie die Schaffung guter Rahmenbedingungen für individuelles Engagement. Entsprechend umfasst das Konzept die Handlungsfelder Wohnen und sozialräumliche Stadtentwicklung, Bildung, Ausbildung und Arbeit sowie gesellschaftliche Teilhabe und soziale Infrastruktur im Quartier. Zu jedem Bereich werden auf Basis einer Ausgangs- und Bedarfsanalyse konkrete Integrationsziele abgeleitet und Maßnahmen entwickelt. Beispielhaft werden im Beitrag zwei Maßnahmen hervorgehoben:

Foto: Junge Menschen sitzen auf Stühlen auf einer Rasenfläche und halten teilweise Hefte in den Händen
Sprachunterricht, Foto: Karin Wilke/Stadt Osterholz-Scharmbeck
„Young United“ (YOU): Die Idee des Projektes YOU ist, Jugendliche und Kinder für Patenschaften zu gewinnen, um jugendlichen Geflüchteten den Weg in die Gesellschaft zu erleichtern. YOU macht sich zunutze, dass Jugendliche ihre Zeit eher mit ihren Peers als mit Erwachsenen verbringen. Hilfe und Rat von anderen Jugendlichen werden sehr viel eher angenommen als von Erwachsenen. Rund 60 Jugendliche (Patinnen/Paten und Geflüchtete) gehören zur YOU-Community. Im Jugendhaus finden ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch und zudem ein spezielles YOU-Mädchentreffen statt.

„Haus der Kulturen“: Die beiden Soziale-Stadt-Quartiere Mozart- und Drosselstraße sind „Ankunftsquartiere“. Die rund 1.600 Bewohnerinnen und Bewohner haben 35 verschiedene Nationalitäten. Dem hier 2010 entstandenen Haus der Kulturen kommt deshalb als interkulturellem Begegnungszentrum eine Schlüsselrolle zu. Die städtische Einrichtung unterstützt mit ihren vielfältigen Angeboten das nachbarschaftliche Zusammenleben der Generationen und Kulturen und wird als Anlaufstelle für zugewanderte Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen angenommen. Die Einrichtung bietet Zugewanderten praxisorientierte Hilfen (Deutschkurse, Elternberatung, Second-Hand-Kleidungskammer), Kunst- und Musikprojekte für jugendliche Zugewanderte, Hilfen zur Selbsthilfe (z.B. Fahrradwerkstatt, Nähwerkstatt) und Unterstützung ehrenamtlichen Engagements (Vermittlung von Familienpatenschaften, Durchführung von Patenschaftstreffen) sowie Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration.

Generell sind mit Blick auf die Umsetzung des Konzepts folgende Aspekte hervorzuheben:

  • Zur Finanzierung der Maßnahmen des Integrationskonzepts sollen bestehende Budgets verschiedener Fachbereiche und Einrichtungen gebündelt und durch Spenden und Fördergelder ergänzt werden.
  • Die Grundlage für die Einbindung eines breiten Spektrums von Beteiligten bieten das Bürgerforum „Willkommenskultur in der Stadt Osterholz-Scharmbeck“ mit Teilnehmenden aus der Kommunalpolitik und -verwaltung, aus der haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit, von Migrantinnen und Migrantinnen sowie die Quartiersforen in den beiden Soziale-Stadt-Gebieten der Stadt. Koordinations- und Lotsenfunktionen übernehmen die städtische Integrationsbeauftragte und die sozialpädagogische Flüchtlingsbetreuerin.
  • Um möglichst viele Menschen zu erreichen, werden in Kooperation mit sozialen Einrichtungen und Bildungseinrichtungen auch Zugänge über neue Medien („smarte“ Erkundungstour durch die Innenstadt) und innovative Austauschformate (Männer-Gesprächskreis, Elterncafé) getestet.

Die Umsetzung der Maßnahmen wird regelmäßig im Rahmen eines monatlichen Arbeitskreises auf Verwaltungsebene kontrolliert. Beabsichtigt ist, im Jahr 2018 der Politik einen Bericht zur Zielerreichung vorzulegen. Bereits zum Zeitpunkt des Wettbewerbs „lässt sich aber sagen, dass das Integrationskonzept eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit der einzelnen Fachbereiche der Verwaltungen und vieler mit Zugwanderten arbeitenden Einrichtungen gelegt hat. Durch die breite Zusammenarbeit und zielgruppenorientierte Maßnahmen ist es gelungen, viele der zugewanderten Menschen zu erreichen.“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag) Dabei wird Integration von der Stadt Osterholz-Scharmbeck als ein Prozess angesehen, der immer wieder nachzusteuern und zu optimieren ist.

Begründung der Prämierung

Das Integrationskonzept Osterholz-Scharmbeck wurde partizipativ und fachübergreifend erarbeitet, enthält sowohl generelle als auch nach Handlungsfeldern (Wohnen, Bildung, Ausbildung und Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe sowie Quartiersarbeit) differenzierte Analysen von Ausgangslage und Bedarfen sowie entsprechende Zielvorstellungen bis hin zu jeweils konkreten Maßnahmen. Das Konzept wird damit den Ansprüchen, die an die Erstellung eines gesamtstädtischen Integrationskonzepts zu stellen sind, vollumfänglich gerecht.

  • Mit dem Bürgerforum und der Steuerungsgruppe „Willkommenskultur in der Stadt Osterholz-Scharmbeck“, der städtischen Integrationsbeauftragten sowie der sozialpädagogischen Flüchtlingsbetreuerin wurden Strukturen geschaffen, die eine nachhaltige Implementation und Umsetzung der Integrationsarbeit gewährleisten.
  • Beeindruckend ist die Vielfalt der verbindlich beteiligten Akteure – sowohl innerhalb der Verwaltung (Amtsbereiche Soziales, Jugend, Wohnen, Bildung, Stadtplanung/Stadtentwicklung, Sport sowie die Integrationsbeauftrage) als auch mit Blick auf externe Kooperationspartner (Quartiersmanagement, Stadtteilzentren/Nachbarschaftshäuser, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Sponsoren sowie Bildungseinrichtungen).
  • Im Projekt „Young United“ (YOU) wird mit dem Peer-Ansatz ein in der Jugendarbeit gängiger und erfolgreicher sozialpädagogischer Arbeitsansatz erfolgreich auf die Arbeit mit jugendlichen Geflüchteten übertragen.
  • Hervorzuheben ist der hohe Transfergehalt des Beitrags. „Young United“ (YOU) wurde von einem Jugendhaus der Nachbarstadt Bremen übernommen. Das „Haus der Kulturen“ nahm das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Fallbeispiel in die auf Wissens- und Erfahrungstransfer zielende Publikation „Zukunft im Quartier gestalten – Beteiligung für Zuwanderer verbessern“ auf.
  • Last but not least: Integration wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Integration bedeutet daher für die Stadt „gemeinsam mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft und den anderen staatlichen Ebenen die Rahmenbedingungen für die Teilhabe zugewanderter Menschen und ein gelingendes Zusammenleben zu schaffen“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag von Osterholz-Scharmbeck.