Samtgemeinde Elm-Asse

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

18.809

Bundesland

Niedersachsen

Titel des Beitrags

Wie Flüchtlinge auf dem Land ihre Integration selber betreiben können – ein Beispiel aus Elm und Asse

Schwerpunkt des Beitrags

Im Wettbewerbsbeitrag wird die Arbeit eines von den Geflüchteten gewählten und paritätisch besetzten Flüchtlingsrats vorgestellt. Dieser kümmert sich – in Absprache mit dem Integrationsbeauftragten der Samtgemeinde – eigenverantwortlich um Maßnahmen, Projekte usw. im Interesse der Geflüchteten.

Als Einzelvorhaben wird das Projekt „Mitfahrerbänke“ vorgestellt, das die Mobilität in der ländlich strukturierten Flächenkommune – nicht nur für Geflüchtete – verbessern soll.

Kontakt

Florian Cacalowski
Samtgemeinde Elm-Asse
Stabsstelle Integration
Markt 3
38170 Schöppenstedt
Telefon: +49 5332/938-126
E-Mail: f.cacalowski@elm-asse.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Die Samtgemeinde Elm-Asse ist eine ländliche Kommune im Landkreis Wolfenbüttel, die aus zwölf Gemeinden mit 33 Ortsteilen besteht. Sie entstand 2015 aus der Fusion zweier Samtgemeinden, die sich im Rahmen des Zukunftsvertrages des Landes Niedersachsen für einen Schuldenerlass des Landes zusammengetan haben. Da der Zukunftsvertrag eine Haushaltkonsolidierung festschreibt, führte die Fusion zunächst zu einer besonderen Belastung.

Gruppenfoto weiße Schutzanzüge bemalte Bänke Foto: Florian Cacalowski
Foto: Florian Cacalowski / SG Elm-Asse
Die Zuwanderung von Geflüchteten 2015 traf die Samtgemeinde daher besonders, da kaum Haushaltsmittel zur Verfügung standen und stehen. Trotzdem entschied die Samtgemeinde, einen hauptamtlichen Integrationsbeauftragten einzustellen. Zudem wurde ein von den Geflüchteten gewählter und paritätisch besetzter Flüchtlingsrat gegründet, der sich – in Absprache mit dem Integrationsbeauftragten der Samtgemeinde – eigenverantwortlich um Maßnahmen, Projekte u.a. im Interesse der Geflüchteten kümmert. Der Flüchtlingsrat besteht aus sechs Personen unterschiedlicher Nationen, drei davon sind Frauen. Der Flüchtlingsrat trifft sich regelmäßig mit dem Integrationsbeauftragten der Kommune und nimmt an Runden Tischen mit Ehrenamtlichen und den Trägern der Flüchtlingsarbeit in der Samtgemeinde teil. Der Vorsitzende des Flüchtlingsrates hat eine beratende Stimme im Sozialausschuss der Samtgemeinde. Zur Unterstützung der Arbeit wurden zwei Dolmetscher auf 450 Euro-Basis eingestellt.

Die Samtgemeinde Elm-Asse verzichtet bewusst auf das Erstellen eines schriftlichen Integrationskonzeptes: „Wir als Samtgemeinde Elm-Asse wollten kein vorgefertigtes Integrationskonzept auf Papier, was über unsere Flüchtlinge gestülpt wird, aber Dinge beinhaltet die vielleicht aus unserer Sicht wichtig sind, aber nicht aus Sicht der Flüchtlinge, weil Ihre Lebenswirklichkeit eine ganz andere ist oder sich eh ständig verändert. Diese Konzepte kosten meist viel Geld aber es ist nicht sicher gestellt, dass die Maßnahmen überhaupt greifen oder die Flüchtlinge diese überhaupt annehmen.“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag)[1]

Die Bedarfsanalyse verläuft als fortlaufender partizipativer Prozess. Die Geflüchteten organisieren sich innerhalb ihrer Sprachgruppe/landsmannschaft­lichen Herkunft über WhatsApp. Dies ermöglicht einen schnellen Kontakt mit allen Geflüchteten innerhalb der Samtgemeinde, und sie können so in möglichst viele Projekte oder Integrationsmaßnahmen eingebunden werden. Auch das Feedback zur Passgenauigkeit der Maßnahmen erfolgt auf diesem Weg schnell. „Die Maßnahmen gehen so nicht an den Geflüchteten vorbei, es ist jederzeit klar, was für Probleme bei den Flüchtlingen anliegen und es kann mit den Menschen gearbeitet werden und nicht an ihnen vorbei.“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag)

Der Flüchtlingsrat kann eigene Projekte vorschlagen und durchführen. Dazu gehörten z.B. die Beteiligung am Stadtfest mit einem eigenen Stand und einem Show-Act, die Mitwirkung an den interkulturellen Wochen des Landkreises mit einem Stand sowie ein Spendenprojekt für Obdachlose. Verschiedene geflüchtete Jugendliche konnten für eine Jugendleiterausbildung gewonnen werden und lernen so, Verantwortung zu übernehmen. Für geflüchtete Frauen organisierte der Flüchtlingsrat einen Frauencomputerkurs, der Frauen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern soll. Gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat, Schülerinnen und Schülern der örtlichen Hauptschule und einer interkulturellen Jugendgruppe der Kreisjugendpflege wurde ein Mobilitätsprojekt entwickelt. Es wurden gemeinsam Bänke gebaut, die mit daneben stehenden Schildern Auskunft über eine nächste (private) Mitfahrgelegenheit geben und so dazu beitragen können, die Mobilität in der ländlichen Gemeinde zu verbessern. Sportvereine und Wohlfahrtsverbände, die Ehrenamtliche suchen, können sich an den Flüchtlingsrat wenden, der bei der Vermittlung von motivierten Geflüchteten hilft. Dies führt zu einer hohen Beteiligung von Geflüchteten und einer geringen Abbruchquote bei den unterschiedlichen Aktivitäten. Auch Straftaten gibt es in der Samtgemeinde kaum, da durch die Selbstorganisation der soziale Druck, sich zu integrieren, offensichtlich höher ist.

 

[1]        Für alle Zitate gilt: „Der Beitrag wurde gemeinsam mit Geflüchteten verfasst. (…) „entsprechende Rechtschreibfehler wurden daher nicht korrigiert, auch um zu zeigen, dass Deutsch lernen dank des Flüchtlingsrates kein größeres Problem ist.“ Wir haben die Textstellen so übernommen.

Begründung der Prämierung

Der eingereichte Beitrag folgt einem ausgeprägt partizipativen Ansatz. Die Integrationsarbeit basiert weitgehend auf der Selbstorganisation der Geflüchteten mit größtmöglicher Eigenverantwortung. Die Samtgemeinde bietet vor allem einen Rahmen und organisatorische Unterstützung, dies u.a. indem sie trotz schwieriger Haushaltslage einen hauptamtlichen Integrationsbeauftragten einstellte. Weitere Unterstützung erfolgt lediglich durch Übersetzungskräfte, die im Rahmen von Minijobs tätig werden. Diese partizipative Integrationsarbeit zeigt sich u.a. in folgenden Charakteristika:

  • der Einrichtung eines von den Geflüchteten selbst gewählten Flüchtlingsrates,
  • einem beratenden Sitz des Flüchtlingsrates im Sozialausschuss,
  • der Teilnahme des Flüchtlingsrates an Runden Tischen mit Ehrenamtlichen und den Trägern der Flüchtlingsarbeit in Elm-Asse,
  • der Selbstorganisation der Geflüchteten über WhatsApp-Gruppen,
  • der unmittelbaren Rückkopplung geplanter Maßnahmen mit Geflüchteten über WhatsApp-Gruppen,
  • der Durchführung eigener Projekte durch den Flüchtlingsrat,
  • der Mitwirkung des Flüchtlingsrates an Entwicklung und Umsetzung des Mobilitätsprojektes „Mitfahrerbänke“,
  • dem Mitwirken Geflüchteter am Erstellen des Wettbewerbsbeitrags.

Diese weitgehende Selbstorganisation scheint gut zu funktionieren; der hohe Mitwirkungsgrad der Geflüchteten und die geringe Abbrecherquote werden als Belege angeführt. „Unsere Angebote sind stets ausgelastet und sowohl Männer als auch Frauen nehmen gleichermaßen an unserer Gemeinschaftsleben teil. Die Ausbildungsabbruchquote liegt bei 0%, Kinder gehen regelmäßig in die Schulen und auch Straftaten gibt es kaum.“ (Aus dem Wettbewerbsbeitrag)

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Samtgemeinde Elm-Asse.