Dülmen

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

46.613

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Titel des Beitrags

Flüchtlingsintegration in der Stadt Dülmen

Schwerpunkt des Beitrags

Die Stadt Dülmen hat zusammen mit einer Vielzahl von Unterstützerinnen und Unterstützern die Aufgabe der Integration von Geflüchteten aufgegriffen, hierfür strukturelle und projektbezogene Lösungsansätze entwickelt und parallel zum „laufenden Geschäft“ ein Integrationskonzept erarbeitet.

Kontakt

Herbert Wies
Stadt Dülmen
Fachbereich 52 – Arbeit, Soziales, Ehrenamt und Senioren
Coesfelder Straße 36
48249 Dülmen
Telefon: +49 2594 12520
E-Mail: h.wies@duelmen.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Foto: Auf einer Freifläche stehen Staffeleien, an denen Jugendliche großformatige Bilder malen.
Foto: Geraldine Rondorf/Pressestelle Stadt Dülmen
Die im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld zwischen Münster und dem Ruhrgebiet gelegene Stadt Dülmen hat von 2014 bis Ende 2017 insgesamt 1.020 Geflüchtete aus unterschiedlichen Nationen aufgenommen. Die hiermit verbundene Aufgaben der Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten hat die Stadt „vor eine in dieser Ausprägung historische Herausforderung gestellt“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).

Bereits bevor die Stadt mit dem starken Anstieg von Geflüchteten konfrontiert war, verfolgte sie das Ziel, Grundlagen für eine gelingende Integration vor Ort zu erarbeiten. Auf Einladung der Verwaltung wurde im Mai 2015 ein gemeinsamer Workshop mit allen in der Flüchtlingshilfe beteiligten Institutionen und Personen durchgeführt. Ausgehend von den Ergebnissen des Workshops sollte in der Folge seitens der Verwaltung ein Integrationskonzept erarbeitet und lokalpolitisch beschlossen werden. Die Intensität der Flüchtlingszuweisungen ab Mitte 2015 ließ es dann allerdings zunächst nicht mehr zu, dieses Ziel zeitnah umzusetzen. Im Wettbewerbsbeitrag heißt es dazu: „Hier hatte unter Beachtung der begrenzten Ressourcen schlicht die Betreuung und Versorgung der nach Dülmen zugewiesenen geflüchteten Menschen Priorität.“ Von diesem Zeitpunkt an wurde daher zweigleisig vorgegangen und parallel sowohl strukturell/operativ als auch konzeptionell gearbeitet.

Strukturelle/operative Aktivitäten

Im August 2015 richtete die Bürgermeisterin einen Krisenstab ein. Diesem gehörten neben der Bürgermeisterin selbst die Leitung des Sozialdezernats, der Stadtbaurat, die Leiter der Fachbereiche Soziales, Jugend, Schule und Hochbau sowie temporär weitere Fachabteilungen der Stadtverwaltung an. Bis weit in das Jahr 2016 tagte dieser Krisenstab mehrfach wöchentlich. Heute ist aus dem Krisenstab eine regelmäßig tagende fachbereichsübergreifende Arbeitsgruppe geworden, in der bei Bedarf auch das Integrationszentrum des Kreises Coesfeld mitarbeitet. Darüber hinaus wurden Strukturen zur Einbindung der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft geschaffen: Auf lokalpolitischer Ebene wurde zusätzlich zu den bestehenden Fachgremien ein Integrationsbeirat installiert. Für die Koordinierung mit den ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Gruppierungen und Organisationen richtete die Bürgermeisterin ein Vernetzungstreffen ein, das seither nach Bedarf und mindestens vierteljährlich stattfindet. In der Verwaltung wurde eine gesonderte Integrationsabteilung mit Leistungsgewährung, Unterbringungsmanagement, Gesundheitsversorgung und einem Team für die soziale Betreuung etabliert.

Zudem wurden verschiedene Einzelprojekte und -maßnahmen zur Förderung und Unterstützung der Integration der Geflüchteten in der Stadt Dülmen initiiert und umgesetzt. Hierzu zählen u.a.:

  • Erstellen eines Flyers zur Erstorientierung der Geflüchteten in acht Sprachen,
  • Konzeption und Finanzierung eines freiwilligen Sprachkursangebots in Zusammenarbeit mit der örtlichen Volkshochschule,
  • Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements unter Inanspruchnahme von Landesmitteln aus dem Programm „KommAn NRW“,
  • Einrichten eines Stadtteilbüros einschließlich Quartiersmanagement mit den Schwerpunkten Flüchtlingsbetreuung und Koordination eines Verfügungsfonds zur Unterstützung bürgerschaftlicher Initiativen des Miteinanders von Bewohnerschaft und Geflüchteten (gefördert aus Landessonderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“),
  • Öffnung von Flüchtlingsthemen für die Bevölkerung durch Bürgerversammlungen, Nachbarschaftsfeste und interkulturelle Veranstaltungen.

Konzeptionelle Aktivitäten

Parallel zum „laufenden Geschäft“ nahm eine regelmäßig an den Sitzungen des Krisenstabs teilnehmende Mitarbeiterin der Stadt die Erkenntnisse, Handlungsansätze und Erfahrungen aus der strategisch-operativen Arbeit auf und führte sie inhaltlich zu einem Integrationskonzept zusammen. Auf der Grundlage eines selbst entwickelten Interviewleitfadens wurden zahlreiche Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener in Dülmen aktiver Institutionen geführt: u.a. Ökumenische Flüchtlingshilfe in Dülmen, Flüchtlingshilfe im Dülmener Ortsteil Buldern, Caritasverband, Flüchtlingsrat im Kreis Coesfeld, Flüchtlingshilfe Dülmen, Runder Tisch für Migration und Integration, Sport- und Kultur-Vereine, Fachbereiche und Abteilungen der Stadt Dülmen. Die gewonnenen Einblicke und Erkenntnisse wurden aufgegriffen und flossen – orientiert an den Verhältnissen und dem Prozessverlauf vor Ort – in das lokale Integrationskonzept ein. Der Entwurf wurde in mehrfachen Sitzungen des Integrationsbeirates beraten und schließlich einvernehmlich freigegeben. Im Dezember 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dülmen einstimmig das Integrationskonzept.

Als Erfolge der bisherigen Integrationsarbeit werden im Beitrag u.a. dargestellt:

  • Alle der Stadt Dülmen zugewiesenen Flüchtlingskinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren konnten mit einem Kindergartenplatz versorgt werden.
  • Alle Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 16 Jahren konnten einen Platz in den allgemeinbildenden Schulen erhalten.
  • Alle jugendlichen Geflüchteten über 16 Jahre, die noch nicht beruflich orientiert sind, konnten in Integrationsklassen der Berufskollegs vermittelt werden.
  • In den Jahren von 2015 bis 2017 fand die Stadtverwaltung Dülmen bislang 206 Wohnungen für Geflüchtete auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt; insgesamt profitieren 568 geflüchtete Menschen und damit bereits mehr als die Hälfte aller Neuzuweisungen von dieser dezentralen und integrationsfördernden Unterbringung.
  • Von 2015 bis 2017 wechselten mittlerweile 459 geflüchtete Menschen aus dem Leistungsbezug des Asylbewerberleistungsgesetzes in den Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II.
  • 73 erwerbsfähige Geflüchtete haben eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag der Stadt Dülmen überzeugt sowohl programmatisch-konzeptionell als auch durch die konkrete operative Integrationsarbeit. Hervorzuheben ist die ausgeprägte kommunalpolitische Unterstützung: Integration der Geflüchteten ist in Dülmen Sache der Bürgermeisterin, und die Lokalpolitik organisiert sich in einem Integrationsbeirat. Mit der eigenen Integrationsabteilung in der Verwaltung, der fachbereichsübergreifenden Arbeitsgruppe, dem Integrationsbeirat und dem Vernetzungstreffen zur Koordinierung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit wurden in der Stadt Dülmen Strukturen geschaffen, die geeignet sind, eine nachhaltige Implementation und Umsetzung der Integrationsarbeit zu gewährleisten.

Besonders zu würdigen ist die parallele Auswertung und Reflexion der im „laufenden Geschäft“ der Flüchtlingsarbeit gemachten Erfahrungen für die „nachholende“ Erstellung des Integrationskonzeptes. Diese Form von Reflexions- und Lernprozess ist mit Blick auf Qualitätssicherung positiv zu bewerten – auch wenn es sich nicht um eine klassische Evaluation handelt.

Die Stadt Dülmen belegt zudem die Ergebnisse ihrer Integrationsarbeit mit Zahlen – in der Gesamtschau der Wettbewerbsbeiträge fast ein Alleinstellungsmerkmal. Und diese Ergebnisse lassen sich vorzeigen: Der Stadt ist es u.a. gelungen, bis heute mehr als die Hälfte der Geflüchteten dezentral und damit integrationsfördernd unterzubringen.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag von Dülmen.