Diemelstadt

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

5.250

Bundesland

Hessen

Titel des Beitrags

Zukunftswerkstatt Diemelstadt

Schwerpunkt des Beitrags

Diemelstadt bewirbt sich mit seiner breit aufgestellten Integrationsarbeit zur langfristigen Integration der Zugewanderten. Als Einzelprojekte werden eine Nähstube und eine Fahrradwerkstatt näher beschrieben.

Kontakt

Maria Schmidt
Stadtverwaltung – Stadt Diemelstadt
Lange Straße 6
34474 Diemelstadt
Telefon: +49 5694-9798-32
E-Mail: schmidt@diemelstadt.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Diemelstadt ist eine Kommune in Nordhessen mit aktuell 125 Flüchtlingen. Die gestiegene Zuwanderung wird nicht nur als Belastung und Herausforderung gesehen, sondern auch als Chance und Bereicherung, die Diemelstadt, als ländliche Kommune im demografischen Wandel, optimal nutzen will. Ziel der Arbeit ist es, humanitäre Hilfe und langfristige Integration im Einklang mit der einheimischen Bevölkerung für alle bestmöglich umzusetzen.

Diemelstadt hatte bis 2015 weder besondere Integrationsmaßnahmen noch konkrete ehrenamtliche Strukturen zur Unterstützung Zugewanderter. Bereits im Mai 2015 bildete sich eine Kommission aus interessierten Bürgerinnen und Bürgern, die als Gremium dem städtischen Magistrat zugeordnet wurde und damit einen verbindlichen Charakter erhielt. Diese Kommission traf sich regelmäßig, um Entscheidungen bezüglich der Flüchtlingsarbeit abzustimmen und weitere Schritte zu planen. Stadtverwaltung und -politik stellten Anfang 2016 eine hauptamtliche Flüchtlingskoordinatorin ein, um die für Diemelstadt neuen Integrationsaufgaben zu bearbeiten und zugleich eine zentrale Anlaufstelle für alle im Rathaus zu bieten. Vorrangiges Ziel war es von Anfang an, die zugewiesenen Flüchtlinge angemessen unterzubringen und für die Verweildauer in der Kommune bestmöglich zu integrieren. Es mussten Strukturen geschaffen sowie ein finanziell und logistisch umsetzbares Konzept erstellt werden. Dazu griff die Stadt auch auf externe Unterstützung zurück (z.B. Workshops mit externen Referenten zu unterschiedlichen Themen der Flüchtlingsarbeit mit Ehrenamtlichen, örtlichen Bildungseinrichtungen, Vereinen). Die Bevölkerung vor Ort wurde intensiv mit einbezogen. So fand 2015 und 2017 – unter breiter Beteiligung – jeweils eine große Zukunftswerkstatt mit Arbeitsgruppen, Workshops und Infoständen statt.

Foto: Drei Männer reparieren gemeinsam ein Damenfahrrad.
Fahrradwerkstatt, Foto: Maria Schmidt/Stadt Diemelstadt
Die Integrationsarbeit in der kleinen Kommune wurde nach und nach auf mehrere Säulen gestellt und unter zunehmender Einbeziehung von Geflüchteten und deren Bedürfnissen umgesetzt. Es bildeten sich feste Gruppen, etwa für gemeinsames Kochen einmal pro Woche, eine Nähstube, eine Fahrradwerkstatt sowie eine Gruppe für ehrenamtlichen Sprachunterricht. Mehrfach wurden Tage der Begegnung organisiert, etwa ein „interkultureller Sporttag“. Die örtlichen Sportvereine wählten einen ehrenamtlichen Integrationscoach, um die Arbeit mit Geflüchteten in den Sportvereinen zu unterstützen. Zukünftig wird die Integration in den Arbeitsmarkt ein wichtiges Thema. Dieser besonders für Frauen schwierige Schritt (häufig fehlt es an Schulbildung, Betreuung kleiner Kinder) wird z.B. über die Nähstube unterstützt, in der Qualifikationen (beruflich, sprachlich) bei entsprechender Betreuung der Kinder angeboten werden.

Inzwischen bestehen in vielen Bereichen dauerhafte Strukturen, die den Geflüchteten die Integration und Orientierung sehr erleichtern. In Kooperation von Asylbetreuung auf Kreisebene und städtischer Betreuung werden wöchentlich feste Sprechzeiten angeboten, die ohne Terminvereinbarung aufgesucht werden können. Information und Austausch zwischen Bildungsträgern, Behörden sowie anderen Beteiligten und der städtischen Koordinatorin haben sich gefestigt und werden rege genutzt. Es gibt Angebote zur Fort- und Weiterbildung für städtische Beschäftigte und Ehrenamtliche.

Für die finanzielle Unterstützung seiner Integrationsarbeit bewarb sich Diemelstadt um Fördermittel des Landes Hessen und wurde gleich zweifach zur Modellkommune ernannt. Durch die Vernetzung mit den anderen Modellkommunen findet bis heute ein intensiver Austausch statt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit über diverse Medien dient nachhaltig dem Thema Integration. Vor Ort gab es zudem eine Veranstaltung für alle interessierten Neubürgerinnen und Neubürger sowie Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Behörden und der Stadt, um sich über Probleme und offene Fragen auszutauschen.

Begründung der Prämierung

Hervorzuheben ist die „strategische Umdeutung“ von Zuwanderung, die in Diemelstadt stattfindet. Gelingende Integration der Geflüchteten wird für die kleine Kommune im ländlichen Raum als Chance und Bereicherung im Umgang mit dem demografischen Wandel verstanden. Diemelstadt nutzt die Zuwanderung aktiv und arbeitet gemeinsam mit den zum Wettbewerbszeitpunkt 125 Flüchtlingen an folgendem Ziel: Bis 2020 sollen aus einem Drittel der Geflüchteten unabhängige Bürgerinnen und Bürger von Diemelstadt werden. Unter dieses große Ziel ordnen sich die vielfältigen Integrationsaktivitäten ein. Dabei sind auch die Geflüchteten gefordert, „zukünftig an der positiven Gestaltung unserer Gesellschaft mitzuarbeiten“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).

  • Die Integrationsarbeit erfährt breite kommunale Unterstützung. So wurde bereits Anfang 2016 eine hauptamtliche Flüchtlingskoordinatorin eingestellt.
  • In die Gestaltung der Integrationsarbeit werden die Bevölkerung vor Ort, aber auch die Geflüchteten, einbezogen. So fand 2015 und 2017 jeweils eine große Zukunftswerkstatt mit Arbeitsgruppen, Workshops und Infoständen für alle Interessierten statt. Dabei arbeiten die Geflüchteten zunehmend mit.
  • Das Angebot an Projekten und Maßnahmen zur Integration ist für eine Kommune dieser Größenordnung breit und deckt verschiedene Lebensbereiche ab.
  • Es basiert auf einer umfänglichen und gut funktionierenden Kooperation verschiedener städtischer Ämter, der Politik, der Kreisverwaltung, von Sportvereinen, Ehrenamtlichen u.a.m.
  • Um die Integrationsarbeit zu unterstützen, bewarb sich Diemelstadt um Fördermittel des Landes und wurde gleich zweifach als Modellkommune ausgezeichnet. Mit den anderen Modellkommunen finden eine Vernetzung und ein intensiver Austausch statt.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag von Diemelstadt.