Alheim

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

4.985

Bundesland

Hessen

Titel des Beitrags

Flüchtlingshilfe Alheim

Schwerpunkt des Beitrags

Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe einschließlich Patenschaften und diverse andere Projekte

Kontakt

 

 

Katharina Weller
Gemeinde Alheim
Alheimer Straße 2
36211 Alheim
Telefon: +49 6623-920010
E-Mail: weller@alheim.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Foto: Männer und Frauen zeigen ihre handgefertigten Körbe.
Korbflechten, Foto: Katharina Weller
„Alheim besteht aus zehn Ortsteilen und liegt ca. 40 km südöstlich zwischen Kassel und Bad Hersfeld, eingebettet im Fuldatal (…). Alheim ist eine mehrfach ausgezeichnete Gemeinde in den Bereichen Erneuerbare Energien, nachhaltige Bildung und Modellkommune für Flüchtlingshilfe. Außerdem wurde Alheim im Jahr 2016 mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ in der Kategorie Kleinstädte und Gemeinden ausgezeichnet“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).

„Das Projekt ‚Alheimer Flüchtlingshilfe‘ wurde als Reaktion auf die kritische Zuwanderungslage ins Leben gerufen, um die Aufnahme und Eingliederung von Geflüchteten, Familien und internationalen Fachkräften vorzubereiten und die Bevölkerung zu sensibilisieren“ (ebd.). Im Vordergrund des Wettbewerbsbeitrages steht damit ein breiter und diversifizierter Integrationsansatz, dessen inhaltliche Schwerpunkte in den Bereichen Integration in den Arbeitsmarkt, Einbindung der Geflüchteten in örtliche Vereine (Feuerwehr, Sport, Musik, Heimatpflege) und Spracherwerb liegen. Zudem wurde ein Patenschaftsmodell entwickelt: „Jede Familie/Gruppe bekommt in der Regel einen Paten jedes Geschlechts zugewiesen, welcher als Bezugs- und Vertrauensperson, Kulturvermittler und Begleiter zur Verfügung steht“ (aus der Projektbeschreibung) und als Mittler/in zwischen Geflüchteten und „alteingesessener“ Bevölkerung tätig wird.

Zwei geplante und/oder weiterentwickelte Einzelprojekte illustrieren den Beitrag zusätzlich:

  • Dorfladen Oberellenbach (geplant): 1998 wurde ein Dorfladen im Ortsteil Oberellerbach von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit Privatpersonen und Vereinen als Gesellschafter gegründet (ca. 70 Gesellschafter). Aufgrund Generationenumbruchs steht die Dorfladen GbR seit kurzem vor personellen und finanziellen Problemen. Die Personallücke soll nun durch Geflüchtete geschlossen werden, so dass eine „Win-win“-Situation erreicht werden kann: Aufrechterhaltung des Ladens und Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Geflüchtete. Außerdem soll der Ansatz dazu dienen, Ressentiments der lokalen Bevölkerung – den Kundinnen und Kunden des Ladens – gegenüber Geflüchteten abzubauen.
  • Deutschunterricht: Die Beauftragte für Sprachförderung (teilweise freigestellte Mitarbeiterin der örtlichen Kita), pensionierte Lehrkräfte und Ehrenamtliche geben Geflüchteten im gut erreichbaren Familienzentrum der Gemeinde Deutschunterricht. Hierfür wurden Bücher, CD-Player und Tablets angeschafft und ein W-LAN-Hotspot eingerichtet.

Begründung der Prämierung

Die kleine Gemeinde Alheim hat bereits sehr frühzeitig auf die Zuwanderung von Geflüchteten reagiert und eine „Flüchtlingshilfe“ ins Leben gerufen, um die Aufnahme und Eingliederung von insgesamt 33 Geflüchteten vorzubereiten und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren.

  • Die Alheimer Flüchtlingshilfe basiert auf einer schriftlich ausgearbeiteten Konzipierung, die für eine solch kleine Gemeinde durchaus als Integrationskonzept gewertet werden kann. Es liegt eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse vor, die der Gemeindegröße angemessen erscheint und insbesondere bei der Bedarfslage stark ins Detail geht. Auch detaillierte Ziele wurden festgelegt, teilweise differenziert nach Gender-Aspekten.
  • Die Flüchtlingshilfe bezieht sich nicht nur auf Integrationsangebote, sondern beantwortet auch die Frage, unter welchen Bedingungen diese tatsächlich angenommen werden können – Beispiel Deutschunterricht: Der Sprachunterricht wird individuell auf die Bildungsstandards (von Analphabetismus bis Mehrsprachigkeit) der Flüchtlinge angepasst. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der regelmäßigen Teilnahme von Frauen, womit der Aspekt Gender angesprochen ist. Zeitweise und im Bedarfsfall wurde zusätzlich eine Betreuung für Kleinstkinder angeboten, damit deren Mütter dem Unterricht unterbrechungsfrei folgen können. Einzelunterricht wird zum Beispiel bei Krankheit, Mutterschutz usw. zusätzlich organisiert.
  • Mit einem Anschreiben an alle Haushalte der Gemeinde wurde ein Fragebogen „Gemeinsam sind wir für Flüchtlinge da!“ verschickt, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich für eine ehrenamtliche Unterstützung – je nach persönlicher Eignung in unterschiedlichen Betätigungsfeldern – zu melden.
  • Die Flüchtlingshilfe ist jedoch nicht nur ehrenamtlich organisiert, sondern wird in hohem Maße auch von Kommunalpolitik und -verwaltung getragen: „Sehr wichtig für das Gelingen des Projekts war es, dass sich der Gemeindevorstand, die Gemeindevertretung und alle weiteren politischen Akteure schon zu Beginn der Zuwanderungswelle eindeutig dafür ausgesprochen haben, Flüchtlinge zu integrieren“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).
  • Projektträgerin ist die Gemeinde Alheim, Netzwerkpartner sind örtliche Vereine, Unternehmen und die Flüchtlingshilfe. Vernetzung und Kooperationen der Akteure basieren auf schriftlichen Unterstützungserklärungen.
  • Instrumente des Qualitätsmanagements und der Evaluation werden genutzt: „Aufgrund des Status als Modellkommune für die Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum sind Instrumente des Qualitätsmanagements und der Evaluation in Alheim auf allen Projektebenen eingebunden. Durch die dauerhafte interne Revision des Konzeptes werden Verfahrens- und Arbeitsweisen in regelmäßigen Abständen kritisch auf Sinnhaftigkeit geprüft (…), um einen möglichst schlanken und effektiven Apparat beizubehalten. Die externe Evaluation erfolgt bis März 2018 unter anderem durch die Staatskanzlei des Landes Hessen sowie in stetiger Konsultation mit anderen Kommunen des Modellprojekts“ (aus dem Wettbewerbsbeitrag).
  • Der Wettbewerbsbeitrag zeigt einen hohen Transfergehalt: Strategien und Erfahrungen werden in der „Handreichung Flüchtlingshilfe für kleinere Kommunen im ländlichen Raum am Beispiel der Gemeinde Alheim“ anderen Kommunen zur Verfügung gestellt. Zudem ist Alheim Modellkommune des Landes Hessen für Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum.

Zusammenfassend wird mit der „Alheimer Flüchtlingshilfe“ versucht, möglichst alle verfügbaren Ressourcen für eine bedarfsgerechte Integration zu bündeln und auf einem breiten Bündnis (ehrenamtlicher) Akteure zum Erfolg zu führen. Hier „befruchten“ sich also Bedarfe, Wünsche, Ziele, Möglichkeiten und Machbarkeiten gegenseitig im Sinne eines sehr positiven Pragmatismus.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag von Alheim.