Landeshauptstadt Schwerin

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

96.800

Bundesland

Mecklenburg-Vorpommern

Titel des Beitrags

JIM und JIMmine – mobile Jugendintegrationsarbeit

Schwerpunkt des Beitrags

Die Landeshauptstadt Schwerin stellt zwei (aufeinander bezogene) Einzelprojekte vor, die Teil des städtischen Integrationskonzepts sind. JIM und JIMmine schaffen niederschwellige Zugänge durch aufsuchende (mobile) Integrationsarbeit. So wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen geholfen, sich in der für sie völlig neuen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Ordnung zurechtzufinden und vorhandene Probleme angemessen zu bearbeiten.

Kontakt

Andreas Ruhl (Dezernent)
Stadt Schwerin
Dezernat für Jugend, Soziales, Kultur und Integration
Am Packhof 2–6
19053 Schwerin
Telefon: +49 385 545 2100
E-Mail: aruhl@schwerin.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Die Landeshauptstadt Schwerin hat seit 2015 die meisten Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Mittlerweile leben mehr als 2.600 Geflüchtete in Schwerin, mehr als ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Zudem befindet sich die größte Erstaufnahmeeinrichtung des Bundeslandes in Schwerin. Alle geflüchteten Menschen, die seit 2015 nach Schwerin kamen, konnten mit Wohnungen versorgt werden, allerdings vor allem in Ortsteilen, die ohnehin bereits eine hohe Kinderarmut, einen großen Anteil an SGB-II-Empfängern u.a.m. aufweisen. Dadurch werden die durch die Zuwanderung verursachten Spannungen zusätzlich verstärkt. Vor diesem Hintergrund wurde das 2011 erarbeitete Integrationskonzept 2016/17 fortgeschrieben. Integration wird im Konzept als ein auf Dauer angelegter wechselseitiger Prozess verstanden mit einer „umfassenden und gleichberechtigten Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen sowie eine Aufnahme in das soziale und kulturelle Spektrum unserer Stadt“. Die nächste Fortschreibung des Gesamtkonzepts soll 2018 im Rahmen eines breiten Beteiligungsprozesses erfolgen.

Konkreter Anlass für die Initiierung des Projekts JIM waren deutliche Verunsicherungen der Schweriner Bevölkerung durch im öffentlichen Raum ausgetragene Konflikte und teilweise auch Übergriffe im Jahr 2016. Dabei waren Gruppen junger Zuwanderer sowohl Täter als auch Opfer. In Kooperation mit der Sozial-Diakonischen Arbeit – Evangelische Jugend wurde eine Fachtagung mit Experten aus verschiedenen Bundesländern durchgeführt, bei der Ursachen und Lösungsansätze für die gewalttätigen Übergriffe diskutiert wurden. Parallel dazu wurde zunächst das Projekt JIM entwickelt.

Foto: Vier Männer spielen im Freien an einem Kicker.
JIM, Foto: Landeshauptstadt Schwerin
Mit einem auffallenden orangefarbenen Wohnmobil fährt JIM in Schwerin dorthin, wo sich junge Zuwanderer aufhalten. Das Mobil schafft einen geschützten Raum für die sehr sensible Arbeit. JIM ist kein klassisches Jugendhilfeangebot, sondern ein vorgelagertes und ergänzendes Angebot, das die jungen Menschen in ihrem Sozialraum aufsucht. Ziel ist es, die jungen Zuwanderer in ihrem Integrationsprozess zu unterstützen: durch den Aufbau von Wissen, Orientierung und Verständnis in Bezug auf die Aufnahmegesellschaft, ein schrittweises Befähigen zur Erledigung der eigenen Angelegenheiten, eine Integration in das Gemeinwesen, durch Konfliktreduktion und Gewaltprävention.

Sekundäre Zielgruppe des Angebots sind einheimische junge Menschen, deren Potenzial, die gleichaltrigen Zuwanderer in ihre Peer-Gruppen aufzunehmen, erschlossen und genutzt werden soll. Aber auch alle anderen Bevölkerungsgruppen in der Stadt sollen durch die Arbeit des Projekts JIM Gelegenheit zur Auseinandersetzung, zum Dialog und zur konfliktfreien Gemeinschaft und Akzeptanz finden können. Nach den Ergebnissen einer ersten Evaluation werden wöchentlich etwa 70 Jugendliche und junge Erwachsene erreicht und beraten.

Vor dem Hintergrund, dass JIM nahezu ausschließlich männliche Jugendliche und junge Erwachsene erreicht, wurde ergänzend JIMmine – ein „Frauen-Mobil“ – als reines Frauenprojekt konzipiert, um junge Frauen und Mütter bei der Integration zu unterstützen. Auch hier sollen die Frauen an ausgewählten Orten (Supermärkte, Kindergärten, Schulen) aufgesucht und ihnen geschützte Räume für Begegnung und Austausch angeboten werden. So gibt es regelmäßige Sprechzeiten, mobile, begleitende und aufsuchende Einzelfallarbeit, Vermittlung in die Ämter und an Fachdienste, themenzentrierte, kultursensible und wertevermittelnde Workshops mit Gruppen, Mutter-Kind-Angebote, Beratung, Hilfe zur Integration und Netzwerkarbeit in den Sozialräumen. In einer geplanten dritten Ausbaustufe (JIMmy) sollen auch Kinder einbezogen werden.

Beide Projekte sind Bausteine des Integrationskonzepts. Damit ist nicht nur die Verknüpfung mit allen städtischen Aktivitäten gewährleistet. JIM und JIMmine sind auch in die Netzwerke anerkannter Träger der freien Jugendhilfe eingebunden. Die Stadt Schwerin unterstützt die Projekte finanziell, der zuständige Beigeordnete und stellvertretende Oberbürgermeister war an der Konzeption beteiligt und ist Ansprechperson für den Kooperationspartner der Jugendhilfe.

Begründung der Prämierung

Der Wettbewerbsbeitrag ist konzeptionell und programmatisch fundiert. Schwerin setzt sich offensiv mit der schwierigen Situation vor Ort auseinander. Diese ergibt sich nicht nur aus der umfangreichen Zuwanderung, sondern auch daraus, dass in den letzten Jahren bereits erhebliche Belastungen bei Hilfen zur Erziehung und überdurchschnittlich viele Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen zu verzeichnen waren. Diese Problematik wurde durch die erhebliche Zuwanderung weiter verstärkt.

  • Es liegt ein gut strukturiertes Integrationskonzept vor, das angesichts der veränderten Situation zeitnah aktualisiert wurde. Integration wird im Konzept als ein auf Dauer angelegter wechselseitiger Prozess verstanden. Damit sind Ziele der Integrationsarbeit formuliert, die in den Projekten konkretisiert werden. Die Projekte sind in das Integrationskonzept eingebunden. Eine weitere Aktualisierung des Konzepts wird 2018 im Rahmen eines breiten Beteiligungsprozesses stattfinden.
  • JIM spricht nicht nur zugewanderte Menschen an, sondern als sekundäre Zielgruppe auch einheimische junge Männer. So wird versucht, deren Potenzial als Peers zu nutzen und sie aktiv mit einer Rolle und Aufgabe in die Integrationsarbeit einzubeziehen.
  • Grundsätzlich sind alle Bevölkerungsgruppen angesprochen und sollen durch die Arbeit des Projekts JIM (und ab 2018 JIMmine) Gelegenheit zur Auseinandersetzung, zum Dialog und zur konfliktfreien Gemeinschaft und Akzeptanz finden können.
  • Das Projekt wird politisch unterstützt. Der zuständige Beigeordnete und stellvertretende Oberbürgermeister hat die Konzepte mitgestaltet und ist Ansprechperson für den Kooperationspartner.
  • Die Projekte basieren auf einer verbindlichen Kooperation. Sie sind in die Netzwerke anerkannter Träger der freien Jugendhilfe eingebunden.
  • Die Projekte werden kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem ist eine dritte Ausbaustufe mit der Erweiterung auf Kinder geplant – wenn auch unter Finanzierungsvorbehalt.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Landeshauptstadt Schwerin.