Osnabrück

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

162.403

Bundesland

Niedersachsen

Titel des Beitrags

Gestalte Deine Stadt – Osnabrücks Zukunft kennt keine Herkunft

Schwerpunkt des Beitrags

Die Stadt Osnabrück verankert Integrationsthemen in ihre strategischen Ziele, entwickelt ein Konzept für Geflüchtete sowie eine Datenbank Migration und setzt das Begegnungsprogramm „Dein Quartier und Du“ um. Das Stadtentwicklungsprojekt „Gestalte deine Stadt. Osnabrücks Zukunft kennt keine Herkunft“ wird besonders hervorgehoben, um deutlich zu machen, dass Integration mehr ist als ein Sprach- und Integrationskurs und nicht nur die Zugewanderten, sondern die gesamte Stadtgesellschaft inkludiert.

Kontakt

Seda Rass-Turgut
Stadt Osnabrück
Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement
Natruper-Tor-Wall 2
49076 Osnabrück
Telefon: +49 541 323-4506
E-Mail: rass-turgut@osnabrueck.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Foto: Menschen im Freien lassen weiße Luftballons emporsteigen.
Gesichter der Stadt, Foto: Nina Hoss/Presseamt Stadt Osnabrück
Die Stadt Osnabrück, in der etwa 30 % Menschen mit Migrationshintergrund leben, reflektierte 2013 gemeinsam mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück in einer Expertise „Willkommens- und Anerkennungskultur in Osnabrück“ ihre bisherige Integrationsarbeit. Ein zentrales Ergebnis dieser Analyse: Die Stadt Osnabrück sollte alle Gruppen von Zugewanderten und somit auch die Geflüchteten einbinden. Vor diesem Hintergrund erarbeitete die Stadt Osnabrück bereits 2014 ein „Konzept zur Wohnraumversorgung und Integration von Flüchtlingen“. Ergebnis dieses Konzepts war u.a. die Verständigung auf eine dezentrale Unterbringung geflüchteter Menschen sowie die Einrichtung einer Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit. 2017 wurde das Konzept unter dem neuen Titel „Von der Erstaufnahme zur Überleitung in die Regelsysteme. Geflüchtete in der Stadt Osnabrück" fortgeschrieben. Sowohl die Erstfassung als auch die Fortschreibung wurden vom Stadtrat beschlossen.

Gleichzeitig wurden zentrale Handlungsfelder von Integration wie z.B. „Willkommenskultur fördern“ in die Strategischen Ziele der Stadt Osnabrück aufgenommen. Die ebenfalls politisch beschlossenen Strategischen Ziele definieren die bis 2020 gewünschten Entwicklungen für Osnabrück und sind somit Orientierungsrahmen für Politik und Verwaltung. Mit den Strategischen Zielen wird auch der Ressourceneinsatz gesteuert. Im Rahmen individueller Zielvereinbarungen verabreden Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der einzelnen städtischen Stellen konkrete Beiträge zu den Strategischen Zielen und Handlungsfeldern.

  • Der Steuerung und Koordinierung der Integrationsarbeit in der Stadt Osnabrück dienen verschiedene Strukturen:
  • Integrationsbeauftragte/Fachdienst Integration: Der Fachdienst Integration unterstützt bei der Initiierung, Konzeption und Planung von Projekten und Maßnahmen der Migrations- und Integrationsarbeit verschiedener Träger und versteht sich im Sinne eines Integrationsmanagements als koordinierende und impulsgebende Stelle für alle relevanten Verwaltungseinheiten.
  • Der interdisziplinäre Koordinierungsstab Integration wurde auf Verfügung des Oberbürgermeisters Ende 2015 eingerichtet und kommt in zweiwöchigem Turnus zu Arbeitssitzungen unter Federführung der Integrationsbeauftragten zusammen.
  • Die im März 2016 gestartete Datenbank Migration gewährt einen Überblick über die Anzahl der Geflüchteten im Asylverfahren sowie deren Verteilung im Stadtgebiet und erlaubt differenzierte Analysen der Bevölkerungssituation. Die Datenbank verknüpft Fachanwendungen von Ausländerbehörde, Jugendhilfe, Schulverwaltung sowie Sozialbehörde.

Die konkrete Integrationsarbeit der Stadt Osnabrück wird im Wettbewerbsbeitrag an verschiedenen Maßnahmen und Projekten illustriert:

  • Mit dem im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik bis 2019 geförderten Pilotprojekt „Gestalte deine Stadt. Osnabrücks Zukunft kennt keine Herkunft“ bindet die Stadt Osnabrück Menschen mit Migrationshintergrund in die Diskussion um die zukünftige Entwicklung Osnabrücks ein und unterstützt sie bei der Übernahme von Verantwortung für die Gestaltung der Stadtgesellschaft.
  • Die Stadt Osnabrück initiiert mit Spendenmitteln das lokale Förderprogramm „Dein Quartier und du“. Ehrenamtliche Akteure erhalten aus Mitteln des Spendenfonds finanzielle Ressourcen, um Maßnahmen zur Begegnung und Interaktion von alteingesessener Stadtbevölkerung mit zugewanderten Flüchtlingen zu organisieren. Ziel des Programms „Dein Quartier und du“ ist es, Bürgerinitiativen, Stadtteilvereine und engagierte Ehrenamtliche in ihrem Bemühen um eine Willkommens- und Anerkennungskultur für Geflohene zu stärken. Antragsberechtigt sind gemeinnützige Körperschaften (eingetragene Vereine) sowie Kirchengemeinden. Die Entscheidungen über die Förderung trifft der Koordinierungsstab Integration.
  • Die Freiwilligenagentur der Stadt Osnabrück „Neu-Osnabrücker*innen willkommen“ unterstützt Geflüchtete bei ehrenamtlichem Engagement.
  • Das interkulturelle Projekt „In: Komm – Interkultur in der Kommunalpolitik“ lädt junge Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte ein, sich aktiv mit den Themen Zuwanderung und Lokalpolitik auseinanderzusetzen. Das Projekt wurde bis 2017 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.
  • Die Stadt Osnabrück engagiert sich als Arbeitgeberin für Geflüchtete. Sie bildet – nach vorangegangenem Praktikum und Einstiegsqualifizierung – vier junge Flüchtlinge in den Berufen Verwaltungsfachangestellte/r, Fachinformatiker/-in und Fachkraft für Medien- und Informationsdienste aus.

Begründung der Prämierung

Die Integrationsarbeit der Stadt Osnabrück ist mit der Verankerung von zentralen Integrationsthemen in den Strategischen Zielen der Stadt und dem fortgeschriebenen Integrationskonzept für Geflüchtete strategisch-konzeptionell sehr gut aufgestellt und in hohem Maße durch die Kommunalpolitik getragen.

  • Mit der städtischen Integrationsbeauftragten, dem Fachdienst Integration, dem interdisziplinären Koordinierungsstab Integration sowie der Datenbank Migration wurden Strukturen geschaffen, die eine nachhaltige Implementation und Umsetzung der Integrationsarbeit gewährleisten.
  • Integration findet nicht nur in einer Abteilung statt. Sie ist, angefangen vom Oberbürgermeister – die Integrationsbeauftragte ist ihm direkt zugeordnet und Mitglied der Vorstandskonferenz –, über alle Fachbereiche und Fachdienste bis zu den einzelnen Teams als Aufgabe verortet.
  • Die Integrationsarbeit zielt auf Aktivierung und Partizipation (auch) der zugewanderten Menschen. Diese werden u.a. im Rahmen der Projekte „Gestalte deine Stadt“ und „Dein Quartier und du“ in die Diskussion um die zukünftige Entwicklung Osnabrücks eingebunden und bei der Übernahme von Verantwortung für die Gestaltung der Stadtgesellschaft unterstützt.
  • Die Integrationsarbeit in Osnabrück unterliegt einem Qualitätsmanagement. In Kooperation mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück finden mindestens zweimal jährlich Strategiegespräche statt, die eine stetige Reflexion und Evaluation der Arbeit der Kommunalverwaltung ermöglichen.
  • Auch Gender- und Diversity-Aspekte finden Berücksichtigung. Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Behinderung werden genau betrachtet. Ein Beispiel hierfür ist die Pflege von älteren Migrantinnen und Migranten, die sowohl interkulturell, geschlechtsspezifisch als auch im Sinne von Inklusion im Rahmen eines Projekts „Interkulturelle Pflegelotsen“ vom Seniorenbüro der Stadt angeboten wird.
  • Der Beitrag weist einen hohen Transfergehalt auf: Verschiedene Projekte und Maßnahmen der Stadt Osnabrück – u.a. „Starterpaket" Osnabrück und „Du – Vielfalt ist unsere Stärke", Integrationslotsen – haben andere Kommunen übernommen. Das erste Flüchtlingskonzept der Stadt wird bei PRO Asyl und dem Niedersächsischen Flüchtlingsrat als „Best Practice“ aufgeführt. Zudem ist die Stadt Osnabrück Mitglied des bundesweiten Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik und bringt hier ihr Know-how ein.
  • Schließlich ist das innovative Migrationsverständnis der Stadt hervorzuheben: Osnabrück versteht Migration und den dadurch bedingten gesellschaftlichen Wandel nicht als Krisenphänomene, sondern als Normalzustand.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Stadt Osnabrück.