Landeshauptstadt München

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

1.464.301

Bundesland

Bayern

Titel des Beitrags

Das Bildungserstclearing der Landeshauptstadt München

Schwerpunkt des Beitrags

Das Bildungserstclearing ist Erstanlaufstelle für alle Neuzu­gewanderten, die Informationen und Orientierung für ihre beruflichen Perspektiven benötigen. Die Beratenden im Bildungs­erstclearing bieten bildungs- und beschäftigungsorientierte Beratung an und versorgen die Menschen mit individuell passenden Maßnahmen. Bei Bedarf leiten sie die Personen an andere Behörden und Institutionen weiter.

Kontakt

Susanna Sieghardt
Landeshauptstadt München
Sozialreferat, Amt für Wohnen und Migration
Streitfeldstraße 23
81673 München
Telefon: +49 89 233-33355
E-Mail: susanna.sieghardt@muenchen.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Das integrationspolitische Ziel der Landeshauptstadt München lautet „Integration von Anfang an“. Der nachhaltigen Integration in Bildungssystem und Arbeitsmarkt wird dabei ein hoher Stellenwert beigemessen. Integration soll in aufeinander aufbauenden Schritten, mit ausreichend Zeit für den Erwerb der deutschen Sprache sowie durch individuell passende Fördermaßnahmen erfolgen. Dieser Grundsatz gilt für alle Geflüchteten in München – unabhängig von ihrem Herkunftsland oder Aufenthaltsstatus – und ist für jeden Geflüchteten möglichst zeitnah im Anschluss an die Zuweisung nach München umzusetzen.

Bis zum Jahr 2016 wurde diese Aufgabe durch die Beratungsstrukturen des Integrationsberatungszentrums Sprache und Beruf (IBZ Sprache und Beruf) und durch die kommunale Koordinierungsstelle Bildung und Beschäftigung für Geflüchtete im Sozialreferat des Amts für Wohnen und Migration wahrgenommen. Durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen ab 2014 konnte mit dem Beratungsangebot im IBZ Sprache und Beruf nicht mehr sichergestellt werden, dass alle Geflüchteten erreicht und individuell beraten sowie zeitnah in Bildungs-, Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt werden. Die Anzahl der zuständigen Behörden und Träger wie auch der Angebotsformate hatte sich mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen und im Zuge gesetzlicher Änderungen in München vervielfacht. Es entstand eine Unübersichtlichkeit, die erhebliche Unsicherheiten und Informationsdefizite bei Fachkräften wie auch bei den Geflüchteten selbst zur Folge hatte.

Die Ausgangssituation war somit geprägt durch Wartezeiten, Doppelzuleitungen sowie Unübersichtlichkeit der Träger und Angebote. Auf der Basis der ausgewerteten Daten des IBZ Sprache und Beruf und der Daten zu den in München untergebrachten Geflüchteten wurde eine quantitative Bedarfsanalyse erstellt. Aus dieser Analyse sowie aus den Ergebnissen mehrerer Workshops im Zusammenhang mit dem „Gesamtplan zur Integration von Flüchtlingen“ ergab sich der Bedarf einer zentralen Stelle, die über umfassende Kenntnisse verfügt und darüber hinaus gut in ein bestehendes Netzwerk und Kooperationsstrukturen eingebunden ist. Im Juli 2016 beschloss der Stadtrat daher einstimmig die Einrichtung einer zentralen Erstanlaufstelle zum Bildungserstclearing für alle Geflüchteten ab 16 Jahren beim IBZ Sprache und Beruf.

Der Zugang zum Bildungssystem und Arbeitsmarkt soll über das Bildungserstclearing frühzeitig und individuell passend ermöglicht werden. Durch die zentrale Anlaufstelle werden Übergänge im Bildungsverlauf begleitet und damit Abbrüche vermieden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bildungserstclearings informieren in mehreren Sprachen zu den Themenfeldern Bildung und Beschäftigung. Sie zeigen Bildungsmöglichkeiten auf und vermitteln Ratsuchende an die spezifischen Beratungsangebote anderer Behörden und Institutionen. Im Bildungserstclearing werden die wichtigsten Bildungsdaten wie der Bildungshintergrund, Lernbiographien, berufliche Vorerfahrungen sowie individuelle Fähigkeiten und Ressourcen erfasst. Der Sprachstand wird eingeschätzt, und die individuellen rechtlichen Zugänge zu Bildungs- und Qualifizierungsangeboten werden überprüft. Im Anschluss an die Beratung erfolgt je nach individuellem Bedarf eine zeitnahe Zuweisung in Integrationskurse des BAMF oder in städtisch finanzierte Deutschkurse, zur Agentur für Arbeit oder zu Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Die Geflüchteten werden dabei unterstützt, sich im Bildungssystem besser zurechtzufinden und selbstbestimmt über den Verlauf ihres Bildungsweges mitzuentscheiden.

Foto: Ein Mann und eine Frau im Beratunsgespräch
Einzelberatung bei einem externen Partner, Foto: Michael-Nagy
Für eine nachhaltige Integration wird es als wichtig erachtet, dass sich individuelle Entwicklungsprozesse verfolgen lassen und entsprechend gefördert und begleitet werden. Daher wird daran gearbeitet, das Konzept des Bildungserstclearings im Sinne eines fortlaufenden Bildungsclearings entlang der Bildungskette zu etablieren. Um einen Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Institutionen zu ermöglichen, wird derzeit ein Bildungs- und Berufsportfolio entwickelt. Dieses verbleibt bei der ratsuchenden Person, um es zu jeder weiteren Stelle mitnehmen und dort vorlegen zu können. Gleichzeitig dient die zentrale Beratungs- und Clearingstelle der operativen Fachbasis als Anlaufstation, um Informationen zu Bildungsangeboten für Geflüchtete zu erhalten. Angesichts der großen Unübersichtlichkeit der Zuständigkeiten und Angebote bedeutet die Existenz einer zentralen Anlauf- und Informationsstelle eine große Entlastung der operativen Fachkräfte bei der Suche nach den jeweiligen Ansprechpersonen und Angeboten.

Es besteht eine Vielzahl von Kooperationen und Netzwerken mit verschiedenen kommunalen Akteuren, z.B. Referat für Arbeit und Wirtschaft, Referat für Bildung und Sport, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Asylsozialberatung, Jugendhilfeeinrichtungen, Sprachkursträger, Berufsintegrationsklassen. Diese Kooperationen sind fest verankert und über Gremien, Arbeitskreise und Kooperationsvereinbarungen institutionalisiert. Die Projektgruppe des „Gesamtplans zur Integration von Flüchtlingen“ ist derzeit das zentrale Gremium für die Abstimmung mit den verschiedenen Kooperationspartnern. Die stetige Optimierung und die Intensivierung der Zusammenarbeit werden kontinuierlich angestrebt.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag zielt mit dem Thema „Bildung“ auf ein wichtiges Handlungsfeld von Integration und ist konzeptionell fundiert aufgestellt und eingebunden: Die Einrichtung des Bildungserstclearings basiert auf den Ergebnissen einer detaillierten Ausgangs- und Bedarfsanalyse und folgt den Grundsätzen des Münchner Integrationskonzepts. Zudem ist das Bildungserstclearing in den 2016 initiierten „Gesamtplan zur Integration von Geflüchteten“ eingebettet.

  • Als innovativ ist die Erstellung von Bildungs-und Berufsportfolios hervorzuheben, die bei den ratsuchenden Personen verbleiben und bei weiteren Stellen vorgelegt werden können.
  • Das Bildungserstclearing weist Erfolge auf: Von November 2016 bis November 2017 nahmen etwa 1.500 Personen die Beratung in Anspruch; die Warte- und Vermittlungszeiten konnten drastisch verkürzt werden.
  • Auf der Grundlage quantitativer Auswertungen (z.B. Teilnehmerzahlen der Sprachkurse, Beratungsgespräche des Bildungserstclearings, Abschluss von Berufsintegrationsklassen) wird die Arbeit kontinuierlich evaluiert. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des Konzepts, aber auch in die Planung kommunaler Integrationsangebote ein.
  • Das Bildungserstclearing ist in ein breites Akteursnetzwerk eingebunden und kooperiert über Gremien, Arbeitskreise und direkte Absprachen intensiv mit relevanten Stellen und Institutionen. Davon profitieren die Geflüchteten wie auch die beteiligten Fachstellen. Statt Mehrfachmeldungen bei verschiedenen Trägern kann nun die Bildungskette systematischer durchlaufen werden.
  • Zunehmend wird das Bildungserstclearing nicht mehr nur von der zu Beginn definierten Zielgruppe der Geflüchteten in Anspruch genommen, sondern deckt als zentrale Anlaufstelle einen wichtigen Bedarf für alle Neuzugewanderten ab.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Landeshauptstadt München.