Dortmund

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

586.181

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Titel des Beitrags

„lokal willkommen" – Das Dortmunder Integrationsnetzwerk

Schwerpunkt des Beitrags

Das Dortmunder Integrationsnetzwerk „lokal willkommen“ unterstützt die Integration von Geflüchteten in die Aufnahme-gesellschaft und zielt auf den Aufbau, die Ergänzung und die Nachhaltigkeit der dazu benötigten dezentralen Strukturen und Handlungsinstrumente. Im Mittelpunkt stehen die Optimierung der Strukturen der sozialen Arbeit in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren in den Quartieren sowie die Entwicklung einer tragfähigen Netzwerkstruktur. In Kooperation der Stadt Dortmund mit der Arbeitsgemeinschaft der Dortmunder Wohlfahrtsverbände sollen im Zeitraum von 2017 bis 2019 acht lokale Willkommensbüros eingerichtet werden, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. Im Jahr 2017 wurden bereits drei Anlaufstellen unbefristet realisiert.

Kontakt

 

Ulrich Piechota
Stadt Dortmund
Sozialamt
Luisenstraße 11–13
44135 Dortmund
Telefon: +49 231 5026150
E-Mail: upiechota@stadtdo.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Die Stadt Dortmund ist durch eine gesamtstädtisch vergleichsweise hohe Armuts- und Arbeitslosenquote geprägt, und es ist eine starke Segregation in Bezug auf die Verteilung von Einkommen, Erwerbslosigkeit und Ethnizität zu beobachten. Insbesondere in benachteiligten, innerstädtischen Quartieren hat sich zudem durch eine seit 2007 kontinuierlich angestiegene Zuwanderung aus Südosteuropa zusätzlicher kommunaler Handlungsbedarf ergeben, da ein großer Teil der zugewanderten Personen Unterstützung bei der Integration benötigt. Die daraus resultierenden Herausforderungen für die Stadt wurden durch die seit 2014 stark angestiegenen Zahlen an Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, verstärkt. Bis Ende 2017 wurden der Stadt Dortmund über 9.000 Flüchtlinge aus Syrien und anderen Drittstaaten zugewiesen, die versorgt und bei der Integration in die Stadtgesellschaft unterstützt werden.

Die Aufgaben, die sich durch den Zuzug in die Quartiere ergeben, stellen sich je nach deren räumlicher Lage unterschiedlich dar. In zentral gelegenen Stadtteilen, die bereits durch mehrfache Benachteiligung geprägt sind, werden die bestehenden Herausforderungen durch die Zuwanderung verstärkt. In Stadtrandlangen fehlen dagegen meist die notwendige soziale Infrastruktur sowie die Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund, die der Unterstützung bei der Integration bedürfen. Eine adäquate, dezentrale und ganzheitliche Betreuung existiert in diesem neuen Umfeld bislang nicht. Unabhängig von dieser Differenzierung nach räumlicher Lage kommt erschwerend hinzu, dass die verschiedenen Ämter der Stadt Dortmund (z.B. Sozialamt, Jugendamt, Ausländerbehörde) im Bereich Migration und Integration wenige Akteure neben vielen anderen sind – öffentliche Institutionen (z.B. Jobcenter, Bezirksregierung), freie Träger, Vereine, Einzelpersonen, ehrenamtliche Aktive – und diese Akteure in ihrer Gesamtheit nicht durchgängig miteinander vernetzt sind. Infolgedessen liegen der städtischen Sozialarbeit vielfach keine ausreichenden Informationen über die Bedarfssituation der geflüchteten Menschen im Quartier vor. Auf der Seite der geflüchteten Menschen erschweren Faktoren wie mangelnde Deutschkenntnisse, Unkenntnis der Verwaltungs- und Zuständigkeitsstrukturen oder Berührungsängste gegenüber Behörden die Integration.

Hierauf reagierte die Stadt Dortmund und entwickelte einen sozialraum- und netzwerkorientierten Ansatz zur Integrationsförderung. Mit dem Projekt „lokal willkommen“ werden Anlaufstellen vor Ort geschaffen und ein lokales Integrationsnetzwerk für Geflüchtete etabliert. Dieses Integrationsnetzwerk richtet sich an drei Zielgruppen:

  • lokal in den Stadtbezirken und stadtweit tätige Akteure und Kooperationspartner wie Vereine, Initiativen, Verbände, Kirchengemeinden,
  • Geflüchtete im Quartier und
  • die lokale Aufnahmegesellschaft, d.h. die länger in den Bezirken wohnenden Menschen wie Nachbarn, Vermieter, Interessierte und Freiwillige.

Ein lokales Integrationsteam aus mindestens zwei Sozialfachkräften übernimmt in einem definierten Einzugsbereich die Zuständigkeit und arbeitet von einem offenen Standort im Quartier aus („Willkommensbüro“). Die lokalen Integrationsteams setzen sich aus einem städtisch angestellten Mitarbeiter und einem Mitarbeiter eines Wohlfahrtsverbandes zusammen und verfolgen drei wesentliche Ziele: Integrationshindernisse durch Netzwerkarbeit beseitigen (Vermittlung der Flüchtlinge an passende Netzwerkpartner und Paten), Netzwerke ausbauen und pflegen sowie Aufnahmekultur fördern. Dabei wird die Nähe zu Ansätzen des Quartiersmanagements im Rahmen der Sozialen Stadt deutlich. Dem Integrationsnetzwerk liegt das Verständnis zugrunde, dass Integration gerade in den Quartieren stattfindet.

Foto: Außenansicht (Schaufenster) des Büro "Lokal willkommen"
Büro "lokal willkommen" in Brackel/Aplerbeck, Foto: Ella Mönch
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „lokal willkommen“ haben eine zentrale Funktion im Aufbau und Ausbau der für die Integrationsarbeit benötigten (lokalen) Strukturen. Durch diese Netzwerkarbeit wird Vertrauen in handelnde Personen und Institutionen im Stadtbezirk aufgebaut und damit eine intensive Zusammenarbeit unterstützt. Das Integrationsteam fungiert zudem als Schnittstelle zwischen Bewohnerschaft, Behörden – wie Sozialamt und Jobcenter – und den „neuen“ Nachbarn. Dabei können Fragen beantwortet werden, Konfliktsituationen gelöst oder vermieden sowie Berührungsängste abgebaut werden. Gegenüber Geflüchteten im Quartier nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „lokal willkommen“ neben den offenen Sprechstunden durch Hausbesuche auch direkten Kontakt zu Familien auf. Schwerpunkte dieser Gespräche sind die Erfassung des Integrationsbedarfs in den Bereichen Sprache, Schule, Kindergarten, soziale Kontakte, Wohnumfeld und Freizeitinteressen, aber auch die Unterstützung bei Anträgen, Wohnberatung, rechtliche Angelegenheiten und Gesundheitsfragen.

Das als einjähriges Modell in den Dortmunder Stadtbezirken Brackel und Aplerbeck gestartete Pilotprojekt, das zunächst Erkenntnisse einer quartiersbezogenen Vernetzungsarbeit sammeln sollte, wurde aufgrund der positiven Erfahrungen bereits nach der Hälfte der Pilotprojektlaufzeit in den Regelbetrieb überführt. Die erprobten Strukturen wurden Schritt für Schritt in der Fläche umgesetzt. Noch im Jahr 2017 wurde das Netzwerk um zwei weitere Standorte erweitert. Eine Ausweitung auf insgesamt acht über das gesamte Stadtgebiet verteilte Standorte ist bis 2019 vorgesehen.

Begründung der Prämierung

Das Projekt überzeugt durch einen tragfähigen konzeptionellen Ansatz. Dieser spiegelt sich sowohl in der Ausgangsanalyse und der Zieldefinition als auch in der Einbindung in die grundlegenden Integrationsziele der Stadt wider.

  • Die Ziele des Integrationsnetzwerks sind am „Masterplan Integration“ orientiert, der 2013 aufgestellt wurde.
  • Die neue Kooperation zwischen Wohlfahrtsverbänden und Kommune verbindet Kompetenzen und Zugangswege – die Zusammenarbeit der Partner erfolgt auf Augenhöhe.
  • Das Projekt verbessert wirkungsvoll die bisher als defizitär wahrgenommene Vernetzung im Handlungsfeld Integration tätiger Akteure auf Stadtebene.
  • Der lokalräumliche Bezug, der durch den Leitsatz „Integration findet in den Quartieren statt“ deutlich wird, ist besonders hervorzuheben. Er stellt zum einen für die Zielgruppen kurze Wege und direkte Ansprechpartner im Willkommensbüro sicher und ermöglicht zum anderen die Schaffung belastbarer lokaler Netzwerke, die als Hilfs- und Unterstützungsangebote fungieren können. Der Ansatz der quartiersbezogenen Vernetzungsarbeit ist sehr fundiert.
  • In den Pilotbezirken wurden vielfältige Kontakte zu den relevanten Akteuren und Anbietern geknüpft. Daraus resultierten zahlreiche Vermittlungen in Sprachkurse, an ehrenamtliche Helfer, diverse Beratungsstellen sowie Sport-, Freizeit- und Kulturvereine. Darüber hinaus erfolgten Vermittlungen in Praktika, an weiterführende Schulen oder spezielle Fachberatungsstellen mit den Schwerpunkten Ausbildung und Beruf.
  • Das Projekt ist – zunächst als Pilotprojekt – methodisch gut evaluiert. Der Erfolg des Ansatzes wird durch die vorzeitige Überführung des Pilotprojekts in den Regelbetrieb belegt. Die Evaluierung zum Abschluss der Pilotphase ergab einen starken Zuspruch und positive Bewertungen der beteiligten Gruppen.
  • Die langfristige Implementation ist durch die kommunale Positionierung gut vorbereitet. Das Pilotprojekt und seine Verstetigung wurden durch den Stadtrat beschlossen. Durch das Einbinden der Bezirksbürgermeister ist auch die kommunalpolitische Verankerung in den Stadtteilen sichergestellt.

Insgesamt überzeugt das Projekt durch seine konzeptionellen Stärken und die quartiersbezogene Netzwerk- und Integrationsarbeit. Es bietet sowohl den Zugewanderten als auch der lokalen Bevölkerung einen wohnortnahen und niedrigschwelligen Anlaufpunkt, vernetzt Akteure und Angebote und unterstützt dabei, Angebotslücken zu identifizieren und zu schließen. Die Partnerschaft von Kommune und Wohlfahrtsverband auf Augenhöhe ist beispielgebend. Die Perspektive, die die Stadt Dortmund mit diesem Projekt verbindet, ist aussichtsreich mit Blick auf eine langfristige Verstetigung.

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Stadt Dortmund.