Delmenhorst

Name der Stadt/der Gemeinde/des Landkreises: 
Delmenhorst
Typ: 
kreisfrei
Bundesland: 
Niedersachsen
Einreichende Dienststelle: 
Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales – Fachbereichsleiter Rudolf Mattern
Ansprechpartner/in: 
Herr Lauts - Fachdienstleiter Beistandschaften und Unterhaltsvorschuss Jugend, Familie, Senioren und Soziales
Straße/Postfach: 
Lange Str. 1a
PLZ: 
27749
Telefon: 
+49 4221 99-1122
Ort: 
Delmenhorst
Fax: 
+49 4221 99 141122

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Niedrigschwellige Flüchtlings- und Integrationsarbeit in Delmenhorst

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Die Geschichte Delmenhorsts ist von Zuwanderung geprägt. Enorm ist dabei Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich freiwillig für die Stadt und ihre Bewohner einzusetzen. Über die Notwendigkeit, frühzeitig und präventiv zu agieren, besteht in Delmenhorst allgemeiner Konsens. im Hinblick auf die Integration spielten und spielen die Delmenhorster Wohlfahrtsverbände, das Integrationslotsenteam Delmenhorst und Umgebung e.V. und ihre enge Zusammenarbeit mit der Stadt Delmenhorst als Steuerungsinstanz eine wesentliche Rolle.

Bereits vor dem Zuzug zahlreicher Geflüchteter im Sommer 2015 hat der Rat der Stadt Delmenhorst am 25.2.2014 das im Dezember 2013 vorgestellte „Handlungskonzept zum Migrations- und Teilhabemanagement“ mehrheitlich beschlossen. Das gemeinsame Konzept „Niedrigschwellige Flüchtlings- und Integrationsarbeit in Delmenhorst“ der Stadt Delmenhorst, der AWO (Einzelprojekt „Ambulante Betreuung der „besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge“) sowie des Diakonischen Werks Delmenhorst („Niedrigschwellige Willkommens- und Begegnungsorte in Düsternort - Schwerpunkt Ehrenamt“) ist eine konsequente Fortführung und Weiterentwicklung bereits bestehender, funktionierender Strukturen und Vernetzungen Delmenhorster Akteure.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Stadt Delmenhorst – Diakonisches Werk Delmenhorst/Oldenburg-Land – AWO Kreisverband Delmenhorst e.V.

Delmenhorst als Mittelzentrum mit ca. 80.000 Einwohnern hat seit jeher eine Zuwanderungs-geschichte. Arbeitsmigration, aber auch Zwangsarbeit in den Fabriken der Kammgarnspinnerei, Wollkämmerei, Jute- und Linoleumverarbeitung haben die Stadt zwischen Bremen und Oldenburg seit dem Beginn der Industrialisierung geprägt. In den 1960er Jahren warb Delmenhorst Gastarbeiter als ungelernte Arbeitskräfte an, zunächst aus Griechenland und Spanien, später bis zum Anwerbestopp hauptsächlich aus der Türkei. Viele Stadtteile sind durch Geschossbauweise gekennzeichnet. Delmenhorst ist in seiner historischen Entwicklung vergleichbar mit Städten des Ruhrgebietes. Rund die Hälfte der Eingewanderten haben eine türkische Migrationsvorgeschichte; andere sind als Spätaussiedler in den 90er Jahren gekommen.

25,2% der Bürgerinnen und Bürger hatten laut Zensus 2011 einen Migrationshintergrund, also ca. 18.500. Bei den Jugendlichen und Kindern ist es bereits jede/r Dritte.

Über 100 Nationalitäten sind in der Stadt vertreten. Die Erwerbslosenquote liegt über dem Landesdurchschnitt (> 10%). Insbesondere Zugewanderte sind überproportional davon betroffen. Die Zahl der von Kindesarmut betroffen Familien ist die höchste in Niedersachsen. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in den Kindertagesstätten und Schulen ist seit Jahren hoch und steigend (annähernd bei 40%). Hoch ist leider auch weiterhin der Prozentanteil der ausländischen Schulabgänger/innen ohne Abschluss mit fast 25%. Auf dem Arbeitsmarkt sind in Delmenhorst mehr als 30% aller Erwerbsfähigen aus dem Ausland erwerbslos; fast jeder zweite (49,5% = höchster Wert in Niedersachsen) wird durch soziale Leistungen unterstützt. Dies ist bedingt durch den wirtschaftlichen Strukturwandel und den Abbau industrieller Arbeitsplätze. Auch hier trifft es besonders die Kinder: 85,3 % der unter 18-jährigen ausländischen Kinder und Jugendlichen empfangen Leistungen zur Mindestsicherung.

In den Jahren vor der sogenannten Flüchtlingswelle im Sommer 2015 ist der Strom von Flüchtlingen und Zuzügen aus dem osteuropäischen Raum (Polen, Bulgarien, Lettland, Rumänien) stark angestiegen. In 2012 kamen 102 Flüchtlinge nach Delmenhorst. In 2013 stieg die Zahl nochmals deutlich an – in dem Jahr kamen allein 320 Menschen aus Polen nach Delmenhorst, darunter 67 Kinder und Jugendliche. Aus Bulgarien waren es 99 (darunter 15 Menschen unter 18 Jahren) und aus Lettland 47 (8).

Delmenhorster mit Migrationshintergrund engagieren sich in unterschiedlichen Vereinen und Organisationen – sie alle sind in dem im Jahr 2009 gegründeten kommunalen Integrationsbeirat der Stadt Delmenhorst vertreten: türkische Organisationen (davon drei Moscheen und ein langjähriger Arbeiterverein), die größte aramäische Gemeinde in Niedersachsen (syrisch-orthodoxe Kirche), ein Alevitenverband, eine jüdische Gemeinde, ein griechischer Verein und die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.

Hinzu kommen vier von Migranten gegründete Fußballvereine in einer sportlich aktiven Stadt. In 2010 hat sich zudem ein interkulturell besetzter Verein, bestehend aus ehrenamtlichen Integrationslotsen aus zurzeit 18 verschiedenen Kulturen, gegründet. Das "Integrationslotsenteam Delmenhorst und Umgebung e.V." hat sich die Förderung der internationalen Gesinnung, Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens durch die Förderung von Maßnahmen und Initiativen in den Bereichen Ausbildung, Bildung und Erziehung zum Ziel gesetzt.

Sozialarbeiterische Beratung und Begleitung erfahren Migranten bei den Wohlfahrtsverbänden. Die Migrationsberatung für Erwachsene wird im Umfang einer halben Stelle bei Caritasverband Delmenhorst geleistet. Das Diakonische Werk bietet im Rahmen der durch das Land Niedersachen geförderten Richtlinie Migrationsberatung Unterstützung im Umfang von 2,25 Stellenanteilen. Seit 2015 gibt es zusätzlich einen Jugendmigrationsdienst in Delmenhorst. Im südlichen Stadtteil Düsternort ist das Nachbarschaftsbüro aktiv (seit 1999), im Programmgebiet Soziale Stadt "Wollepark" das Nachbarschaftszentrum (nördlicher Stadtteil). In der Volkshochschule Delmenhorst finden die Integrationssprachkurse statt – so schloss im September 2013 der 100. Integrationssprachkurs ab.

Vor ihrem historischen Hintergrund misst die Stadt Delmenhorst der Aufgabe Migration und Teilhabe eine hohe Bedeutung bei und verankert die ressortübergreifende Aufgabe in der Kommunalverwaltung durch einen Integrationsbeauftragten, eine Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe (in Fortführung der ehemaligen Leitstelle für Integration, seit 2006) und einen kommunalen Integrationsbeirat (seit 2009).

Mit der Entwicklung eines Handlungskonzeptes Migration und Teilhabe wurde eine kommunale Gesamtstrategie aufgestellt, die den Bedürfnissen vor Ort angepasst ist, klare Ziele und Handlungs-prioritäten beschreibt und im Rat der Stadt Delmenhorst am 25. Februar 2014 mehrheitlich beschlossen wurde.

Dazu gehört, die Vernetzung der Akteure aus der Integrationsarbeit – einschließlich der Migrantenorganisationen – weiter fortzuführen und im Rahmen der Möglichkeiten die verschiedenen Teilhabe- und Integrationsbemühungen zu koordinieren und abzustimmen. Mit der steigenden Zahl an Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen im Sommer 2015 hat die Stadt Delmenhorst die bereits vorhandenen Angebote und Vernetzungen angepasst. Es wurde notwendig, die Flüchtlingssozialarbeit innerhalb der Stadtverwaltung zeitnah und offensiv anzugehen. Zum 1. Juni 2015 ist deshalb die „Kontaktstelle Flüchtlinge und Interkulturelle Angelegenheiten“ gebildet worden, die als erste Anlaufstelle sowohl für Asylbewerber und Flüchtlinge, als auch für die vielfältigen Fragestellungen aus der Bevölkerung in Zusammenhang mit der Unterstützung von Flüchtlingen dient. Die Kontaktstelle bindet zudem den bereits bestehenden Arbeitsschwerpunkt „Migration und Teilhabe“ mit ein.

Migrantinnen und Migranten werden dabei unterstützt, an den Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen in den unterschiedlichsten Bereichen des sozialen und politischen Lebens zu partizipieren. Zugewanderte Menschen und Migrantenorganisationen werden insbesondere in die Entwicklung und Umsetzung kommunaler integrationspolitischer Konzepte eingebunden, z. B. durch die Mitwirkung des Integrationsbeirates, an Steuerungsrunden oder Beteiligungsmaßnahmen vor Ort. Unter anderem steht hier die Entwicklung von geeigneten Maßnahmen zur Schaffung einer Willkommens-und Anerkennungskultur im Blickpunkt.

Migrantinnen und Migranten verfügen über vielfältige Kompetenzen und können als Multiplikatoren in Sozialräumen mit Integrationsdefiziten durch Netzwerkbildung und ehrenamtliches Engagement das Zusammenleben zwischen den Bevölkerungsgruppen fördern. Niederschwellige Beteiligungsmaß-nahmen sowie soziale und kulturelle Angebote unterstützen die Partizipation und den Gestaltungsspielraum, z.B. über die vor Ort verfügbaren Integrationsangebote.

Hier setzt das Konzept „Niedrigschwellige Flüchtlings- und Integrationsarbeit in Delmenhorst“ an, das von der Stadt Delmenhorst gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Delmenhorst/Oldenburg- Land und der AWO Delmenhorst erarbeitet wurde. Das auf mehrere Akteure aufgeteilte Konzept, das neben der hauptamtlichen Hilfestellung auch die ehrenamtliche Unterstützung sowie die Gestaltung von Anpassungsprozessen auf kommunaler Ebene unterstützt, wurde am 22. November 2016 im Rat der Stadt Delmenhorst mehrheitlich beschlossen. Die schwerpunktmäßig dezentrale Unterbringung der besonders ab Sommer 2015 zugewanderten Menschen kann somit besser unterstützt und in bestehende Hilfsangebote zugeführt werden.

Integration ist nicht statisch, der Prozess der Integration bedarf einer fortschreitenden Anpassung und Weiterentwicklung der Angebote. Es bedarf einer Struktur, die Dopplungen aufdeckt und abbaut und die zeitnahe Lösungen und Klärungen bei strittigen Fragestellungen oder neuen Bedarfen bietet. Diese Struktur wird in dem vorliegenden Konzept über eine dreistufige Vernetzungs- und Abstimmungsstruktur sichergestellt.

Das Kuratorium als übergeordnetes Gremium besteht aus dem Oberbürgermeister als Vertreter der Stadtverwaltung, dem Ratsvorsitzenden als Vertreter der Politik, dem Vorsitzenden des Integrationsbeirates, dem Vorsitzenden Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege (AGFW) sowie einem Vertreter der Delmenhorster Bildungsträger. Das Gremium dient der kollegialen Aufsicht, der Beratung und Begleitung sowie der Erörterung konzeptioneller Weiterentwicklungen der niedrigschwelligen Flüchtlings- und Integrationsarbeit in Delmenhorst. Das Kuratorium trifft sich mindestens einmal pro Jahr. Vertreter der Clearinggruppe (siehe unten) nehmen mit beratender Stimme teil und erstatten Bericht. Auftretende Fragestellungen werden verbindlich im Einvernehmen mit der Stadt Delmenhorst beantwortet.

In der gemeinsamen Clearinggruppe findet die kommunale Abstimmung und die Klärung von Verfahrensfragen sowie die Erörterung von strukturellen Problemen und Fragestellungen statt. Hier werden die Schnittstellen und die Zusammenarbeit abgestimmt, um Doppelstrukturen bei der Arbeit mit den betreffenden Personengruppen zu vermeiden. Angebote für die verschiedenen Hilfesuchenden werden auf den Bedarf ausgerichtet, die Akteure besprechen ihre Zusammenarbeit und verkürzen so die Wartezeit auf Unterstützungsmaßnahmen, die benötigt werden. Beispielhaft seien hier die Abstimmungen zu Sprachkursen mit Kinderbetreuung erwähnt. Darüber hinaus ist eine gute Vernetzung unabdingbare Voraussetzung, um die Zugangswege zu öffnen für die Menschen, die das Angebot nutzen möchten.

Folgende Institutionen sind mit benannten Vertretern ständig in der Clearinggruppe vertreten:

  • Ordnungsamt (Ausländerbehörde, Unterbringung)
  • Gesundheitsamt
  • Jugendamt
  • Fachdienst Schule und Sport
  • Agentur für Arbeit
  • Jobcenter
  • Kontaktstelle für Flüchtlinge und interkulturelle Angelegenheiten
  • Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe
  • Integrationslotsenteam für Delmenhorst und Umgebung e.V.
  • Vertreter der Steuerungsgruppe

Je nach Thematik können bedarfsbezogen weitere Personen hinzugezogen werden.

Insbesondere durch die „Kontaktstelle für Flüchtlinge und interkulturelle Angelegenheiten“ können so Erfahrungen der übrigen am Integrationsprozess beteiligten Personen und Institutionen wertvolle Beiträge für eine erfolgreiche Gestaltung der Integrationsprozesse in Delmenhorst einbringen.

Die Clearinggruppe tagt einmal pro Quartal.

Die Steuerungsgruppe als die dritte Stufe der Vernetzungs- und Abstimmungsstruktur bewegt sich auf der Arbeitsebene. In ihr arbeiten die Projektverantwortlichen von AWO und Diakonie mit den Mitarbeitenden in der Flüchtlingssozialarbeit, der Integrations- und Migrationsberatung zusammen.

Durch diese Treffen ist ein permanenter Austausch auf der direkten Arbeitsebene sichergestellt, der frühzeitig notwendige Anpassungen zwischen Diakonie und AWO aber auch in Bezug auf die Unterstützung durch die Stadt Delmenhorst und Beratung und Unterstützung durch Sozialarbeiter ermöglicht.

Problemlagen, die nicht durch eine Anpassung der Arbeitsstruktur gelöst werden können, werden zur Klärung regelmäßig an die Clearinggruppe weitergegeben.

Sowohl die Stadt Delmenhorst als auch AWO und Diakonie sind Mitglied im Netzwerk der Kooperativen Migrationsarbeit in Niedersachsen (KMN). So werden eigene Erfahrungen mit anderen Kommunen ausgetauscht und ggf. neue Ideen zeitnah implementiert.

Um den sozialen Zusammenhalt und die gegenseitige Akzeptanz von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte durch das gemeinsame bürgerschaftliche Engagement zu fördern, braucht es die Beziehungsebene. Zwischen Teilhabe, dem bürgerschaftlichen Engagement und gesellschaftlicher Integration besteht ein unmittelbarer positiver Zusammenhang, der ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft ist.

Die Stadt Delmenhorst fördert weiterhin das bürgerschaftliches Engagement von, für und mit Migrantinnen und Migranten und bezieht dabei die Kompetenzen der Zugewanderten als Multiplikatoren und Konfliktmoderatoren mit ein. Das funktioniert unter anderem über das Ehrenamt – und dabei ist ein ehrenamtliches Engagement keine Einbahnstraße. Migrantenorganisationen werden gezielt angesprochen und in ihren Bemühungen um Stärkung ihrer Selbsthilfepotentiale und ihrem bürgerschaftlichen Engagement unterstützt.

Ziel ist es, die Strukturen für bürgerschaftliches Engagement zu verbessern, damit Migrantinnen und Migranten vermehrt ihre gesellschaftlichen Teilhabechancen nutzen können. Um den Zugang zu bürgerschaftlichem Engagement zu erleichtern, müssen sich die Vereine, Verbände, Elternbeiräte und sonstige Institutionen interkulturell öffnen. Das Einzelprojekt „Niedrigschwellige Willkommens- und Begegnungsorte in Düsternort - Schwerpunkt Ehrenamt“ des Diakonischen Werks Delmenhorst/Oldenburg-Land fördert und unterstützt das ehrenamtliche Engagement sowohl von Migrantinnen und Migranten und als auch „alteingesessenen“ Delmenhorstern. Insgesamt 185 Ehrenamtliche waren in 2017 aktiv: von Abiturienten und Studierenden über Berufstätige bis hin zu Rentnerinnen und Rentnern. Angebunden an 17 Einrichtungen der Delmenhorster Wohlfahrtsverbände waren Ehrenamtliche in 27 verschiedenen Projekten aktiv: bei Sprachtreffs, bei der Warenausgabe im Geben & Nehmen-Laden der Diakonie und in der Kleiderkammer, in der AWO Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete, der Kaserne West. Sie unterstützen im WinD-Café (Willkommen in Düsternort). Es gibt ein "Team Freizeit", welches mit Neu-Bürgern Freizeitaktivitäten unternimmt und Möglichkeiten aufzeigt und erfahrbar macht. Ehrenamtliche übernehmen Einzel- und Familienpatenschaften, organisieren Fahrdienste, begleiten zu Behörden und zu Ärzten. Ehrenamtliche Lernpaten unterstützen Jugendliche bei den Hausaufgaben oder bei Bewerbungen. Damit diese Unterstützung aber sowohl sinnvoll mit den übrigen (hauptamtlichen) Tätigkeiten kombiniert als auch dauerhaft organisiert und sichergestellt werden kann, benötigt sie ein hauptamtliches Grundgerüst als Koordinierungs-, Unterstützungs- und Vermittlungsangebot. Das beinhaltet das Matching – in persönlichen Gesprächen besprechen die hauptamtlichen mit den an einer ehrenamtlichen Tätigkeit interessierten Menschen Motivation und Interessen, um das passende Tätigkeitsfeld für jeden Ehrenamtlichen zu finden – ebenso wie Schulung, Fortbildung und Qualifizierung sowie den Austausch und die angeleitete Fallbesprechung mit Selbstreflexion.

Die hauptamtlichen Mitarbeitenden stehen als Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen, die betreffenden Flüchtlinge und die involvierten Institutionen und Behörden zur Verfügung. Grundlage, Leitgedanke und Zielsetzung ist ein empathischer und wertschätzender Umgang miteinander der Potentiale fördert und Grenzen respektiert.

Das Ehrenamt spielt im weiteren Sinne auch in dem Einzelprojekt der AWO Delmenhorst „Ambulante Betreuung der besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge“ eine Rolle. Als besonders schutzbedürftig werden alleinerziehende Frauen, Schwangere, Behinderte oder von Behinderung bedrohte sowie Senioren betreut.

Die Mitarbeiter*innen des AWO Kreisverbandes Delmenhorst sowie der Diakonie unterstützen die Hilfesuchenden bei der Alltagsbewältigung, aber auch bei der Entwicklung eigener Zukunftsperspektiven, bei der Integration in die örtlichen Zusammenhänge. Hierbei werden auch die unterschiedlichen Hilfestrukturen in den Stadtteilen aktiviert. Die Mitarbeiter*innen mit teilweise muttersprachlichem Hintergrund bilden eine Hilfestellung zwischen den bestehenden Angeboten in der Stadt Delmenhorst, den Hilfesuchenden und den Möglichkeiten der Unterstützung und Begleitung durch Ehrenamtliche. Bestehende Unterstützungsangebote sind häufig auf die unterschiedlichen Problemlagen von Migranten nicht ausgerichtet. Entweder fehlen Dolmetscher oder es werden grundsätzlich umfangreiche Deutschkenntnisse für Hilfen vorausgesetzt (Bsp. Psychosoziale Beratung nur, wenn genug Deutschkenntnisse vorliegen).

Hier zeigen sich die Möglichkeiten des Konzeptes am Deutlichsten: die strukturelle Anpassung der Unterstützungssysteme an die Bedarfe der einzelnen Migranten und die kreative Lösung von Schwierigkeiten.

Die gemachten Erfahrungen zwischen AWO und Diakonie werden in enger Abstimmung nachjustiert und an die Steuerungsstelle weitergegeben.

Darüber hinaus erhalten die Mitarbeitenden in den wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen fachliche Beratung. Hier finden auch Absprachen zur Beendigung der Betreuung oder der Überleitung in andere Betreuungsstrukturen, z.B. an Ehrenamtliche, Migrationsberatung oder in bestehende Gruppen oder sonstige Vereinigungen statt. Damit das Engagement zu den Bedürfnissen und Bedarfen der Migranten passt, steuern AWO und Diakonie gemeinsam und gegenseitig die im vorgelegten Konzept beschriebenen Hilfsangebote.

Neben der Betreuung durch die Ehrenamtlichen werden auch die intensiveren Betreuungsmöglichkeiten durch hauptamtliche Kräfte des AWO Kreisverbandes Delmenhorst bei den besonders Schutzbedürftigen überprüft und bedarfsgerecht weiterentwickelt.

Die Angebote mit ihren jeweiligen Zugangswegen müssen insbesondere den übrigen in der Integrationsarbeit tätigen Kooperationspartner kontinuierlich vorgestellt und bekannt gemacht werden. Eine Vernetzung in die umfangreichen Arbeitsgruppen und Zusammenschlüsse zur kontinuierlichen Verbreitung der Angebote ist dabei fester Bestandteil der Arbeit der Hauptamtlichen (vgl. Akteurslandkarte „Delmenhorst gut vernetzt“ im Anhang).

Integration gelingt, wenn alle Beteiligten ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit erfahren. Gemeinsam Neues entwickeln, sich selbst nicht aufgeben müssen aber auch das andere anerkennen, fördert auch Resilienz. Und dies ist ein wichtiger Stabilisierungsschritt auf dem Weg zum Loslassen der alten Gesellschaft, aus der die Menschen geflohen oder aufgebrochen sind hin zu einer offenen Annahme der neuen Lebensbedingungen.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es in Ihrer Kommune ein Integrationskonzept?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in dieses Integrationskonzept eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Unterstützt der/die (Ober-)Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin Ihren Wettbewerbsbeitrag öffentlich?: 
ja
nein

C2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Ziele des Wettbewerbsbeitrags im Hinblick auf Integration und Zusammenleben detailliert beschrieben & festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Festlegung der Ziele eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Kinder (Einrichtungen der Kindertagesbetreuung)
Kinder (Schule)
Jugendliche
junge Erwachsene
Erwachsene
Mädchen/Frauen
Jungen/Männer
aktuelle Zuwanderer (2015-2017)
jeweils differenziert nach Herkunftsgebieten
bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebende Zuwanderer
Bevölkerung vor Ort
Multiplikatoren
Weitere
C 23a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Institutionen Behörden Ehrenamtliche
C 24 Bezieht sich Ihr Wettbewerbsbeitrag auf: 
die Gesamtstadt?
einen Teilraum/Quartier?
ein Projekt?
C 25 An welche Orte und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Quartier als Ganzes
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Jugendeinrichtungen
Sportvereine
Flüchtlingsunterkünfte
Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
Schulen
Ausbildungsstätten
Bildungseinrichtungen (VHS u.a.)
Soziale Treffpunkte für Zuwanderer
Migrantenselbstorganisationen
Weitere
C 25a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Religionsgemeinschaften
C 26: 

Welche Handlungsfelder zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort stehen in Ihrem Wettbewerbsbeitrag im Mittelpunkt? Bitte geben Sie an, ob sich das Handlungsfeld auf die Gesamtstadt oder das Quartier bezieht bzw., ob es sich um ein Projekt handelt.

C 26a Handlungsfeld Wohnen und Wohnumfeld: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26b Handlungsfeld Soziale Infrastrukturen, z.B. Kindergarten, Schulen, Jugendeinrichtungen: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26c Handlungsfeld Bildung/Qualifizierung/Ausbildung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26d Handlungsfeld Beschäftigung/lokale Wirtschaftsförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26e Handlungsfeld Kultur: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26f Handlungsfeld Sport: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26g Handlungsfeld Gesundheit: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26h Handlungsfeld Umwelt/Grün: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26i Handlungsfeld Beteiligung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26j Handlungsfeld Engagementförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26k Weitere Handlungsfelder: 
Empowerment
C 27a Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Zuwander" ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27b Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Bevölkerung vor Ort" ausgerichtet?: 
ja
nein

C3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbei: 
Stadt-, Gemeinde-, bzw. Kreisrat
Amt/Bereich Soziales
Amt/Bereich Jugend
Amt/Bereich Wohnen
Amt/Bereich Grün(-planung)
Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin
Amt/Bereich Stadtplanung/ Stadtentwicklung
Integrationsbeauftragte/r
Amt/Bereich Sport
Amt/Bereich Gesundheit
Weitere
C 31 Welche verwaltungsexternen lokal relevanten Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Quartiersmanagement
Stadtteilzentren/ Nachbarschaftshäuser
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenselbstorganisationen
Sponsoren
Lokale Medien
Stiftungen
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftsvereine
Kleingartenvereine
Unternehmen, Betriebe
Weitere
C 31a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Integrationslotsenteam Delmenhorst und Umgebung e.V.
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie finanzieren Sie Ihren Wettbewerbsbeitrag?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
C 35 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 36 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 36a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
C 37 Werden im Rahmen der Umsetzung von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja ... Welche? : 
Integrationslotsenteam Delmenhorst und Umgebung e.V.
C 38 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Wettbewerbsbeitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen bereits andernorts übernommen worden?: 
ja
nein

Einzelprojekte

Einzelprojekt 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
Niedrigschwellige Willkommens- und Begegnungsorte in Düsternort - Schwerpunkt Ehrenamt – Projektanteil Diakonisches Werk
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 14a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 15 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Das Diakonische Werk hat neben Jugendmigrationsdienst, Migrationsberatung, der Beratung von aus EU-Ländern zugewanderten Menschen sowie einer Flüchtlingssozialarbeitsstelle einen zusätzlichen Arbeitsschwerpunkt entwickelt: die Gewinnung, Koordinierung und Begleitung der zahlreichen Delmenhorster Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren durch eine Ehrenamtskoordination. Integration gelingt über persönliche Begegnung. Sie vollzieht sich als Hilfe im nachbarschaftlichen Kontext, beim Einkaufen, in Arztpraxen, in Vereinen und in anderen gesellschaftlichen Kontexten, in denen Teilhabe ermöglicht und Zugehörigkeit gefördert wird. Durch die Einbindung der Institutionen und die ehrenamtliche Unterstützung von Helferinnen und Helfern können diese Kontakte und Beziehungen entstehen und gepflegt werden. Die Erfahrungen im Delmenhorster Stadtteil Düsternort machen deutlich, wie wichtig eine aufsuchende und niedrigschwellige Ansprache der in den Stadtteil zugezogenen bzw. zugewiesenen Ausländern/Flüchtlingen ist.

In Düsternort gibt es bis auf weiteres einen stetigen Wechsel der Einwohnerinnen und Einwohner. Die Bewohner der kommunalen Unterkünfte sind nach erfolgreichem Abschluss ihres Asylverfahrens aufgefordert, sich eine eigene Unterkunft zu suchen; die frei werdenden Wohnungen werden dann wieder von neuen Flüchtlingen belegt: neue Mitbürger und Nachbarn, die Fragen zu unseren gesellschaftlichen Strukturen, Regeln und Abläufen: unter anderem zur Schule, Zugang zu Kindergärten, dem Gesundheitssystem, der finanziellen Hilfen, der Arbeitsmarktsituation, um nur einige zu nennen. In all diesen Bereichen gibt es Menschen, die ehrenamtlich ihre Unterstützung anbieten. Hier findet besondere Beachtung, dass neben den positiven Effekten von Beziehung, Unterstützung und Wertschätzung für die begleiteten oder betreuten Menschen durchaus auch negative Folgen wie Überforderung, Missverständnisse, Ärger, Enttäuschung oder Unverständnis auftreten können. Dies geschieht sowohl auf Seiten der Ehrenamtlichen, der hauptamtlichen Mitarbeiter in den beteiligten Einrichtungen und Institutionen als auch bei den zugewanderten Personen.

Das gemeinsam von AWO und Diakonie vorgelegte Konzept begegnet diesen Herausforderungen und Bedarfen durch eine strukturierte und verlässliche Vernetzung der haupt- und ehrenamtlichen Unterstützungsmöglichkeiten. Die Integrationsarbeit ist hierbei eine gemeinsame Aufgabe zusammen mit der Stadt im Sinne von SGB XII § 5 Abs. 5: Die Stadt zieht die Verbände zur Erledigung der Aufgabe heran. Alle Aktivitäten richten sich jeweils an den individuellen Erfordernissen der einzelnen zugezogenen Personen aus.
Überforderungssituationen auf Seiten der Ehrenamtlichen wird durch Bereitstellung von Informationen, vorbereitenden und begleitenden Schulungen und Reflexionsmöglichkeiten und durch das Wissen um unterstützende hauptamtliche Hilfsangebote vorgebeugt.
Andererseits werden die hauptamtlichen Strukturen durch ehrenamtliches Engagement entlastet und ergänzt. Von hauptamtlicher Seite soll die ehrenamtliche Tätigkeit im Hinblick auf die Zukunft noch mehr strategisch zu geplant, innovativ ausgerichtet sinnvoll gefördert werden. Hierbei gilt es, die komplexe Struktur ehrenamtlichen Engagements in etablierte, gewachsene Strukturen und Netzwerke zu integrieren.

Ziel aller Bemühungen ist dabei ein wertschätzender und achtsamer Umgang miteinander und die Stärkung des selbstständigen und eigenverantwortlichen Handelns der zugewanderten Menschen, damit sie die Rolle der Hilfebedürftigen verlassen und engagierte Nachbarn und Delmenhorster Bürgerinnen und Bürger werden – und möglicherweise auch Ehrenämter bekleiden.

Einzelprojekt 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 
Ambulante Betreuung der „besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen“ – Projektanteil AWO Kreisverband Delmenhorst e.V.
D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 24a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 25 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Die Versorgung und Unterbringung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge – Minderjährige, unbegleitete Minderjährige, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, Schwangere, Menschen mit seelischer, körperlicher oder geistiger Behinderung, ältere Menschen (d.h. Personen über 65 Jahren), Menschen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben – erfährt im Land Niedersachsen, demnach auch in Delmenhorst, keine gesonderte Regelung. Für die Stadt Delmenhorst ist die Unterbringung dieser Personengruppen in spezielle Einrichtungen auch nicht notwendig. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Unterbringungsformen in Delmenhorst – in Patenfamilien für unbegleitete Minderjährige, in Gemeinschaftsunterkünften bis hin zur dezentralen Unterbringung in den Stadtteilen - wäre das Vorhalten einer gesonderten Unterbringungsform eher kontraproduktiv; es würde der Flexibilität eher entgegenstehen. Die zusätzliche Unterstützung durch ein ambulantes Angebot trägt daher dieser Flexibilität Rechnung und macht, unabhängig vom Unterbringungsort, die notwendige Unterstützung möglich. So sind etwa für unbegleitete minderjährige Geflüchtete sowie Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern familiäre Ersatzstrukturen zu initiieren. Geflüchtete Kinder kommen in Identitätskonflikte durch das Herauslösen aus ihrer Familie und der daraus resultierenden Orientierungslosigkeit. Hierbei niedrigschwellig einen Ansprechpartner zu finden, der unterstützt, ohne gleich das Jugendamt zu involvieren, kann eine hilfreiche Unterstützung zur Bewältigung einer möglichen Krise bedeuten.

Auch für die Alleinerziehenden ist eine intensivere Unterstützung notwendig.
Die Rolle als Hauptverantwortliche für die Familie überfordert viele Frauen – sie kommen häufig aus kollektivistischen Gesellschaftsstrukturen mit einer oft sehr starken familiären Einbindung und müssen zudem die Situation des Alleinlebens wie auch der Flucht selbst aufarbeiten.
Schwangere und Wöchnerinnen müssen vor allem in bestehende Angebote in Delmenhorst vermittelt werden: grundlegende Informationen über Vorsorge, Geburtsvorbereitung, Anmeldung zur Geburt, Anspruch auf Unterstützungsleistungen sind dabei ebenso wichtig wie die Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu Gynäkologen, Hebammen und anderen Beteiligten. Hierbei ist es auch notwendig, für gegenseitiges Verständnis zu werben – etwa im Hinblick auf das verlässliche Einhalten von Vorsorgeterminen – und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Eine überschaubare Gruppe der besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge, die aber eine besonders intensive Betreuung benötigt, ist die der Menschen mit Behinderung. Eine ambulante Hilfe unterstützt auch hier die Begleitung der Flüchtlinge zur bestehenden Hilfsangeboten. Pflegestützpunkte alleine sind aufgrund der unklaren Diagnostik und häufig auch der Sprachbarriere nur als flankierendes Angebot hilfreich. Auch die Betreuung von älteren Menschen ist in der Hilfestruktur nur flankierend zu bestehenden Angeboten zu sehen. Hier ambulante Unterstützung zu erhalten, ist auch im ehrenamtlichen Bereich denkbar - die AWO verfügt über ausgebildete ehrenamtliche Seniorenbegleiter, die dort eine flankierende Unterstützung leisten könnten, wenn sie zusätzlich geschult und gut begleitet werden.

Menschen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben, bedürfen besonderer Unterstützung. Neben der engen Zusammenarbeit der betreuenden Institutionen, Schulungen involvierter Mitarbeiter zu etwa Kultursensibilisierung und Umgang mit Traumata wird eine enge Vernetzung mit bestehenden Fachstellen angestrebt.

Anlagen