Stadt Augsburg

Name der Stadt/der Gemeinde/des Landkreises: 
Stadt Augsburg
Typ: 
kreisfrei
Bundesland: 
Bayern
Einreichende Dienststelle: 
Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt/Kulturhaus Kresslesmühle
Ansprechpartner/in: 
Dr. Margret Spohn
Straße/Postfach: 
Maximilianstr. 3
PLZ: 
86150
Telefon: 
+49 821 324-3014
Ort: 
Augsburg
Fax: 
+49 821 324-2818

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Vier Mal Eins der Teilhabe – praktische Wege der Integration

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Im Rahmen der Erstellung des Integrationsentwicklungskonzeptes für die Stadt Augsburg, hat sich das federführende Büro, das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt, mit gängigen Integrationsbegriffen und deren konkreter Anwendbarkeit auf kommunaler Ebene intensiv auseinandergesetzt. Aus diesen Überlegungen heraus entstand das Integrationsmodell „Vier Mal Eins der Teilhabe“. Das Modell geht von vier Phasen der Teilhabe aus: Phase eins: einfinden; Phase zwei: zurechtkommen; Phase drei: teilnehmen; Phase vier: mitbestimmen. In allen vier Phasen müssen Angebote vorgehalten und entwickelt werden. Dabei ist es wichtig, dass in fast allen Phasen (außer in Phase eins: einfinden) Neuankommende auch selbst Angebote für die Menschen in der Stadtgesellschaft machen können. Dieser Zugang ermöglicht es, Integration als gesamtgesellschaftliche kommunale Aufgabe zu definieren und alle gesellschaftlichen Gruppen mit und ohne Migrationshintergrund bei der Entwicklung und Durchführung von Integrationsmaßnahmen zu bestimmten Phasen der Integration mit einzubeziehen und in die Verantwortung zu nehmen. Zudem kann mit einer grafischen Aufbereitung auch der Beitrag der Menschen mit Migrationshintergrund an gesamtgesellschaftlichen Integrationsfragen deutlich gemacht werden. Durch die Zuordnung der konkreten Maßnahmen zu den vier Phasen kann sichtbar gemacht werden, in welchen Bereichen noch evtl. Handlungsbedarf besteht, damit die Steuerung und Entwicklung neuer Projekte, an die Situation der Kommune angepasst werden kann.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

1. Ausgangssituation in Ihrer Kommune

Augsburg wird in Kürze eine der Städte in Deutschland sein, in der sich Mehrheits- und Minderheitsverhältnisse umdrehen werden. Derzeit haben 46.6 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Dieser Wert ist seit Jahren gestiegen. Mit dem Narrativ „Friedensstadt“ verfügt Augsburg über eine starke Identifikationsmöglichkeit auch für Menschen, die neu in die Stadt kommen. In Augsburg wurde 1555 der Augsburger Religionsfrieden geschlossen, der den Frieden zwischen Katholiken und Protestanten besiegelte. Mit dem 8. August hat Augsburg als einzige Stadt in der Welt einen nur auf die Stadt bezogenen Feiertag, der jedes Jahr, eingebettet in das Augsburger Friedensfest, an diesen Frieden, aber auch an die im Vorfeld stattgefundenen Kämpfe zwischen den Angehörigen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften erinnert. Seit einigen Jahren sind auch die Vertreter*innen weiterer Religionen in die vielfältigen Angebote im Rahmen des Friedensfestes eingebunden. Dieses Erbe als Friedensstadt ist in der Stadt überall präsent und ein Narrativ, an das alle Zugewanderten anknüpfen können.

Seit Jahrhunderten sind Menschen auf der Suche nach Arbeit und religiösem Frieden in die Stadt eingewandert. Als Textilstadt hatte Augsburg von den 1950er bis in die 1970er Jahre großen Bedarf an Arbeiter*innen. Vor allem aus der Türkei kamen Arbeitsmigranten*innen, die bis heute die größte Gruppe bilden. Augsburg war nach dem Krieg aber auch Zentrum von Vertriebenen und auch in den 90er und 2000er Jahren kamen Deutsche aus Russland und jüdische Kontingentflüchtlinge in die Stadt, die bis heute die zweitstärkste Gruppe der Zuwanderer*innen ausmachen. Mit der EU-Osterweiterung kamen zudem Menschen vor allem aus Polen und Rumänien. Derzeit leben ca 2.000 Geflüchtete aus allen Teilen der Welt in der Stadt. Insgesamt leben Menschen aus über 170 Ländern in Augsburg.

Das Narrativ einer Friedensstadt ist - besonders in Zeiten, die durch Konflikte, Kriege und Terror geprägt sind - eine gute Basis für das Zusammenleben, allerdings braucht es mehr als dies. Um eine so vielfältige Stadtgesellschaft fit für die Zukunft zu machen, bedarf es Maßnahmen und Strategien wie mit dieser Vielfalt, ihren Konflikten und Potenzialen umgegangen wird. Augsburg ist eine Stadt mit einer starken Zivilgesellschaft, einem hohen gesellschaftlichen Engagement seiner Bürger*innen und einer Vielzahl zentraler Akteure*innen im Migrations- und Integrationsbereich. Hinzu kommt die städtische Verwaltung mit ihren zentralen Aufgaben in diesem Bereich. Alle zusammen sind verantwortlich für eine Willkommens- und Anerkennungskultur in der Stadt. Integration kann nur gelingen, wenn all diese Kräfte – im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten – an einer integrativen Stadt arbeiten.

Aus diesen Überlegungen heraus ist das Integrationsmodell „Vier Mal Eins der Teilhabe“ entstanden, das Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe definiert und alle Bevölkerungsteile in einer abgestimmten und ineinander übergreifenden Art und Weise mit einschließt.

2. Anlass (konkrete Auslöser/Gründe für Konzept/Projekt/Maßnahme)

Der konkrete Anlass ist das in einem partizipativen Prozess zu erstellende Integrationsentwicklungskonzept für die Stadt Augsburg. Anlässlich dieses Konzeptes hat sich das federführende Büro, das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt, mit gängigen Integrationsbegriffen und deren konkreter Anwendbarkeit auf kommunaler Ebene intensiv auseinandergesetzt. Aus diesen Überlegungen heraus entstand das Integrationsmodell „Vier Mal Eins der Teilhabe“. Dieser Zugang ermöglicht es, Integration als gesamtgesellschaftliche kommunale Aufgabe zu definieren und alle gesellschaftlichen Gruppen mit und ohne Migrationshintergrund bei der Entwicklung und Durchführung von Integrationsmaßnahmen zu bestimmten Phasen der Integration mit einzubeziehen und in die Verantwortung zu nehmen.

3. Konzeption, Ziele und Zielgruppen

Das Vier Mal Eins der Teilhabe beruht auf der Idee, dass eine gelungene Integration unter den folgenden vier Aspekten betrachtet werden muss.

Einfinden

Um sich integrieren zu können, braucht ein Mensch, der neu nach Augsburg kommt zunächst einmal Informationen, die es ihm/ihr erlauben, sich in der neuen Umgebung und in dem neuen Land mit seinen Werten, Normen und Gesetzen einzufinden. Hier geht es darum, erste Eindrücke zu gewinnen und Materialien, auch mehrsprachige, bereit zu halten, die einen ersten Überblick über die nun zu gehenden Schritte beinhalten. Es müssen auch Materialen vorhanden sein, die gesellschaftliche Normen, Verhaltensregeln und Gesetzteslagen erklären.

Dies ist der erste und einzige Punkt der allein von der aufnehmenden Gesellschaft vorbereitet werden muss. In allen weiteren Punkten der Integrationskette sind sowohl die Zugewanderten als auch die aufnehmende Gesellschaft - wenn auch in unterschiedlichen Zuordnungen – gefragt. In Augsburg stehen für diesen Punkt zahlreiche Angebote zur Verfügung. Als Beispiele seien hier genannt:

  • Die App Integreat in mehreren Sprachen gibt Neuzugewanderten eine erste Orientierung (siehe auch ausgewähltes Projekt D15)
  • Das Arrival Kit ist eine erweiterbare Mappe, die Geflüchteten Tipps für den Alltag, Fragen zum Asyl, einen Stadtplan, sowie einen Basiswortschatz für Geflüchtete enthält und sie mit hiesigen Gepflogenheiten des sozialen Miteinanders vertraut macht. (siehe Anlage: Arrival Kit)

Zurechtkommen

Sind die ersten Schritte in der neuen Stadt gemacht, geht es darum, ein Angebot vorzuhalten, das Orientierung in Lebens-, Arbeits- und Alltagsfragen erlaubt. Hier müssen Schwerpunkte auf die schulische und berufliche Integration gelegt werden. Zurechtkommen bezieht sich jedoch nicht nur ausschließlich auf Neuzugewanderte. Auch Augsburger*innen, die seit Generationen in der Stadt leben, müssen sich mit einer immer diverser werdenden Stadtgesellschaft identifizieren können, so dass auch für diese Gruppe Formate angeboten werden, die über Aspekte in einer multikulturellen Gesellschaft informieren.

Hierzu stehen folgende Formate zur Verfügung, wie z.B.

  • Die „Interkulturelle Akademie“, ein Veranstalterzusammeschluss zwischen dem Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt, der Augsburger Volkshochschule und dem Mesopotamienverein (ein Zusammenschluss christlicher Menschen aus der Türkei). In diesem Rahmen werden aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen aufgegriffen und in einem kurzen Zeitraum von möglichst vielen Seiten beleuchtet. 2017 stand das Thema „Syrien“ im Mittelpunkt, 2018 werden die Einwanderungsländer Kanada, Australien, Neuseeland, USA vorgestellt und über ein mögliches Einwanderungsgesetz in Deutschland nachgedacht.
  • Redereihe Vielfalt (gemeinsam mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg). In diesem Format nehmen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Stellung zu migrationspolitischen Fragen, z.B. der ehemalige Bundespräsident Gauck; der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages Norbert Lammert, die Integrationsbeauftragte Aydan Özogus u.v.m.)
  • Das Zentrum für interkulturelle Beratung (zib), ein Teil des bundesweiten IQ Netzwerks berät z.B. über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikatione.
  • Die verschiedenen Migrationsberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände, die ein erstes Clearing für grundsätzliche Fragen anbieten.
  • Die Ausbilden.Arbeiten.Unternehmen. e.V. (AAU), berät und unterstützt Neuzugewanderte bei der beruflichen Orientierung.
  • Interkulturelle Trainings helfen städtischen Mitarbeitern*innen und Engagierten des Bürgerschaftlichen Engagements in gemeinsamen Seminaren beim Einstieg in eine noch in Teilen unbekannte (interkulturelle) Gesellschaft.

Teilnehmen

Sind die ersten Schritte im neuen Land gemacht (einfinden und zurechtkommen), geht es darum, Neuzugewanderten Stück für Stück die Teilhabe am städtischen Leben in all seinen Facetten zu ermöglichen und sich in das Gemeinwohl einzubringen. Hier ist die gesamte Bevölkerung – mit und ohne Migrationshintergrund gefragt.

  • So bieten in Augsburg derzeit Geflüchtete anderen Geflüchteten mit der Welcome Tour einen ersten Einblick in die historische Entwicklung der Stadt und zeigen interkulturelle Treffpunkte
  • Augsburger*innen muslimischen Glaubens (und mit Wurzeln in unterschiedlichen Ländern) unterstützen mit der Muslimischen Seelsorge in Augsburg (MUSA) traumatisierte, kranke Menschen dabei, sich wieder zu stabilisieren.
  • Das Frühlingsfest des Integrationsbeirates zeigt im öffentlichen Raum mit zahlreichen Ständen die Vielfalt der Stadt Augsburg.
  • Das Interkulturelle Drachenfest (Gudiparan Bazi) ist ein Angebot von Menschen aus Afghanistan, die sich mit ihrem Können und Wissen in die Gesellschaft einbringen und mit einem Drachenbauworkshop und anschließendem steigen lassen der gebauten Drachen ein Angebot für die Bürger*innen der Stadt Augsburg entwickelt haben.
  • Mit dem Projekt: Kennenlernen Erlernen (KERLE) lernen Geflüchtete in einem Peer-Group Ansatz, wie Mädchen und Frauen ansprechen können, wie sie die „Signale“ des anderes Geschlechts deuten können. Dies ist ein Angebot von jungen Männern mit Migrationshintergrund (HEROES) an geflüchtete junge Männer.

Mitbestimmen

Die Integration ist dann gelungen, wenn Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichberechtigt entscheiden können und es keinen messbaren Unterschied bei der

Bildungsbeteiligung, im Arbeitsmarkt, auf dem Gesundheitssektor, auf dem Wohnungsmarkt oder im kulturellen Bereich mehr gibt. In diesem Bereich gibt es noch am meisten zu tun.

  • Die gleichberechtigte Teilnahme an kommunalen Wahlen trifft auf EU-Bürger*innen nach einem achtjährigen Aufenthalt zu.
  • Für Ausländer*innen außerhalb der EU gibt der Integrationsbeirat der Stadt Augsburg zumindest die Möglichkeit, die eigene Stimme auch in die Politik einzubringen.
  • Augsburger*innen muslimischen Glaubens können im Islamforum kommunale Angelegenheiten muslimischer Gemeinden einbringen und mitbestimmen (z.B. bei der Einrichtung muslimischer Gräberfelder und entsprechender Waschräume)

Damit richtet sich das Vier Mal Eins der Teilhabe an die gesamte Stadtgesellschaft und verlangt von allen – im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten, die gleichberechtigte Teilhabe aller – der neu Kommenden und der bereits hier Lebenden zu ermöglichen.

4. (geplantes) Vorgehen und Umsetzung

Wird Integration unter dem Aspekt des Vier Mal Eins der Teilhabe betrachtet, ist es nötig, für alle Phasen Maßnahmen vorzuhalten, zu entwickeln und/oder entsprechend zuzuordnen. Es bedeutet auch, Menschen mit Migrationshintergrund gezielter zu ermuntern, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bei der Entwicklung von Angeboten mit einzubringen. Im Rahmen des Integrationsentwicklungskonzeptes wird derzeit erhoben, welche Maßnahmen es in welchen Schritten gibt. Zudem sollen Übersichten helfen, Angebote für jede Phase leichter zu erkennen. Das Vier Mal Eins der Teilhabe soll in den nächsten Jahren auch in den städtischen Angeboten und denen des bürgerschaftlichen Engagements bzw. auch der Migrantenorganisationen beworben werden.

5. ggf.: Ergebnisse und (bislang) Erreichtes

Das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt hat bereits gezielte Maßnahmen für die jeweiligen Bereiche des Vier Mal Eins der Teilhabe entwickelt und sonstige Maßnahmen dem Angebotsschema zugeordnet. Durch diese Übersicht wird auch der große Beitrag von Augsburgern*innen mit Migrationshintergrund für die Stadtgesellschaft deutlich. Auch Geflüchtete können mit eigenen Angeboten einen Beitrag für Augsburg leisten. Dieser Zugang zum Verständnis von Integration ist in der Beschlussvorlage zum Start des Integrationsentwicklungskonzeptes hinterlegt und wird Anfang des Jahres 2018 dem beschließenden Ausschuss vorgelegt. Durch diese Herangehensweise wird Integration zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, mit dem Ziel vom ersten Tag der Einreise bis hin zur vollständigen politischen und gesellschaftlichen Teilhabe Angebote vorzuhalten, die dabei sowohl das Wissen der Neuzugewanderten, der Menschen, die bereits vor vielen Jahren zugewanderte sind und das Wissen der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund gleichberechtigt anzuwenden. Bei dieser Sichtweise wird auch der Beitrag von Menschen mit Migrationshintergrund für die Gesamtgesellschaft sichtbar.

Beispielhaft sind in der folgenden Auflistung die in der Bewerbung erwähnten Projekte dem jeweiligen Platz im Vier Mal Eins der Teilhabe zugeordnet.

 

 

Projekt/ Vorhaben

Ausführende

Zielgruppe

Einfinden

Teil-
nehmen

Mitbe-
stimmen

APP Integreat

Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt (mit Rückmeldefunktion für Nutzer*innen)

Neuzugewanderte

X

 

 

Arrival Kit

Wohlfahrtsverbände/
städtische Verwaltung

Neuzugewanderte

X

 

 

Interkulturelle Akademie

Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt; VHS Augsburg, Mesopotamienverein

Stadtgesellschaft

 

X

 

Redereihe Vielfalt

Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt, Friedensbüro

Stadtgesellschaft

 

X

Zentrum für interkulturelle Begegnung /zib)

Migranet

Neuzugewanderte mit
Migrationshintergrund

 

 

 

AAU

AAU

Neuzugewanderte
Migrationshintergrund

 

 

 

Interkulturelle Trainings

Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt

Städtische Verwaltung, bürgerschaftliches Engagement

 

 

 

Welcome Tour

Geflüchtete

Geflüchtete

X

X

 

Muslimische Seelsorger in Augsburg (MUSA)

Augburger*innen muslimischen Glaubens/städtische Verwaltung

Muslime in Augsburg und Bayern in Krisensituationen (Gefängnis, Flucht, Krankenhaus)

 

X

X

Interkulturelles Drachenfest (Gudiparan Bazi)

Geflüchtete aus Afghanistan, Zivilgesellschaftliche Organisationen, städtische Verwaltung

Stadtgesellschaft

 

X

 

KERLE

(Kennenlernen erlernen)

Die Brücke e.V. mit den HEROES und städt. Verwaltung

Junge geflüchtete Männer

 

X

 

Integrationsbeirat

30  Augsburger*innen mit Migrationshintergrund

Stadtgesellschaft

 

X

X

Islamforum

Muslimische Vereine in Augsburg/
städt. Verwaltung

Muslime in Augsburg

 

X

X

 

6. Bitte erläutern Sie, inwieweit die Bewertungskriterien des Wettbewerbs erfüllt sind

Das Konzept Vier mal Eins der Teilhabe steht in Zusammenhang mit der Erarbeitung des Integrationsentwicklungskonzeptes für die Stadt Augsburg und ist in dieses Konzept eingebunden. Bei der Entwicklung des Integrationsentwicklungskonzepts setzte sich das federführende Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt mit der Analyse der Ausgangsituation und der Bedarfe in Augsburg auseinander. So wurde ein stimmiger Integrationsbegriff entwickelt und auf die besondere Situation in Augsburg angepasst. Die statistischen Jahrbücher und die Datenbank des Amtes für Statistik gaben Auskunft über die strukturelle und demografische Ausgangslage und aktuelle Veränderungen in der Stadtgesellschaft. Daneben wurden intensive Gespräche mit den Akteur*innen (u.a. in Rahmen einer Regionalkonferenz) und mit der Zielgruppe selbst (z.B. Workshop mit Geflüchteten) geführt, die wertvolle Impulse zu den bestehen Angeboten und Bedarfen lieferten.

Die vier Aspekte des Vier mal Eins der Teilhabe stellen per se die Integrationsziele dar. So soll allen, die neu nach Augsburg kommen, in den vier Schritten Einfinden, Zurechtkommen, Teilnehmen und Mitbestimmen die Integration in die Stadtgesellschaft erleichtert werden. Zwar geht jede/jeder Neuzugewanderte diese Schritte im eigenen Tempo und die Übergänge stellen sich oft fließend dar. Was das Konzept aber ausmacht, ist dass das nächste Ziel in jeder Phase erreichbar ist und für jeden Schritt konkrete Maßnahmen in der Kommune angeboten werden.

Vier mal Eins der Teilhabe kann nur in Kooperation von in der Kommune tätigen Akteur*innen gelingen und zielführend durchgeführt werden. In jedem der vier Aspekte sind kommunale Institutionen, Wohlfahrtverbände, Bildungsträger, Kammern, Helferkreise, Beiräte, Vereine, NGO`s und sonstige Institutionen verortet. In Netzwerktreffen (z.B. Runder Tisch MigraNet, Fachforum Migration, Arbeitskreis Wirtschaft – Migration…) kommen diese Akteur*innen zusammen, tauschen Informationen aus und diskutieren neue Bedarfe sowie Lösungswege. Vier mal Eins der Teilhabe kann daher auf bestehende Netzwerke zurückgreifen und ggf. neue verbindliche Kooperationen initiieren, mit denen auf konkrete Bedarfe reagiert werden kann (z.B. Vereinbarung zwischen Stadt Augsburg und Tür an Tür – zib, oder Bildungshaus)

Durch das Vorhaben wird ein lokalpolitisches Handlungsfeld vertieft, in welchem verschiedene Akteur*innen in der Integrationsarbeit ihren Platz finden. Die gemeinsame Erarbeitung der Handlungsbedarfe sowie -empfehlungen in den vier Aspekten sichert die Identifikation der Akteur*innen mit den gestellten Zielen und somit auch die Nachhaltigkeit der Maßnahmen. Das Vier mal Eins der Teilhabe richtet sich an Menschen aus der gesamten Stadtgesellschaft, unabhängig ihrer Herkunft, Alters oder ihres Geschlechts. Der Grundgedanke ist, dass jede*r – im Rahmen ihrer / seiner Möglichkeiten an dem gesellschaftlichen Leben teilhaben und dieses Mitbestimmen kann.

Das Vier mal Eins der Teilhabe ist ein offenes Konzept, das auch in andere Kommunen transferiert werden kann. Jede Kommune kann die Schritte mit eigenen Inhalten und auf eigene Bedarfe zugeschnittenen Maßnahmen füllen, die in einem partizipativen Prozess erarbeitet werden können. Die bestehenden Angebote lassen sich in das Konzept gut integrieren, die Zuordnung zu den einzelnen Aspekt gibt zusätzliche Auskunft über Handlungsbedarfe.

Der Auftrag, das Integrationsentwicklungskonzept zu erarbeiten, kam aus der kommunalpolitischen Ebene. Die Unterstützung wird durch das Grußwort des Oberbürgermeisters und des federführenden Referenten sichtbar werden. Das Modell der Vier mal Eins der Teilhabe und seine Ausrichtung der kommunalen Integrationsangebote unter diesem Blickwinkel, ist ohne Probleme in andere Kommunen transferier bar.

7. Einzelprojekte

Im Abschnitt D des Bewerbungsbogens werden wir zwei Projekte vorstellen:

Es handelt sich dabei um die APP Integreat (Vier Mal Eins der Teilhabe - Aspekt: einfinden und zurechtkommen) und das Projekt KERLE (Kontaktaufnahme Erlernen) (Vier Mal Eins der Teilhabe - Aspekt: einfinden und teilnehmen)

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es in Ihrer Kommune ein Integrationskonzept?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in dieses Integrationskonzept eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Unterstützt der/die (Ober-)Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin Ihren Wettbewerbsbeitrag öffentlich?: 
ja
nein

C2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Ziele des Wettbewerbsbeitrags im Hinblick auf Integration und Zusammenleben detailliert beschrieben & festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Festlegung der Ziele eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Kinder (Einrichtungen der Kindertagesbetreuung)
Kinder (Schule)
Jugendliche
junge Erwachsene
Erwachsene
Mädchen/Frauen
Jungen/Männer
aktuelle Zuwanderer (2015-2017)
jeweils differenziert nach Herkunftsgebieten
bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebende Zuwanderer
Bevölkerung vor Ort
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Bezieht sich Ihr Wettbewerbsbeitrag auf: 
die Gesamtstadt?
einen Teilraum/Quartier?
ein Projekt?
C 25 An welche Orte und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Quartier als Ganzes
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Jugendeinrichtungen
Sportvereine
Flüchtlingsunterkünfte
Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
Schulen
Ausbildungsstätten
Bildungseinrichtungen (VHS u.a.)
Soziale Treffpunkte für Zuwanderer
Migrantenselbstorganisationen
Weitere
C 25a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Der Beitrag bezieht sich weniger auf konkrete Orte und Einrichtungen. Vielmehr nimmt er die Situation des Ankommens, sich zurecht Findens, Teilhabens und Mitbestimmens sowohl für die Neukommenden als auch für die Gesamtgesellschaft in den Blick. An all den angekreuzten Orten durchgeführte Angebote und Maßnahmen werden auf das Vier Mal Eins der Teilhabe hin analysiert.
C 26: 

Welche Handlungsfelder zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort stehen in Ihrem Wettbewerbsbeitrag im Mittelpunkt? Bitte geben Sie an, ob sich das Handlungsfeld auf die Gesamtstadt oder das Quartier bezieht bzw., ob es sich um ein Projekt handelt.

C 26a Handlungsfeld Wohnen und Wohnumfeld: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26b Handlungsfeld Soziale Infrastrukturen, z.B. Kindergarten, Schulen, Jugendeinrichtungen: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26c Handlungsfeld Bildung/Qualifizierung/Ausbildung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26d Handlungsfeld Beschäftigung/lokale Wirtschaftsförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26e Handlungsfeld Kultur: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26f Handlungsfeld Sport: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26g Handlungsfeld Gesundheit: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26h Handlungsfeld Umwelt/Grün: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26i Handlungsfeld Beteiligung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26j Handlungsfeld Engagementförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26k Weitere Handlungsfelder: 
Das Vier Mal Eins der Teilhabe fußt auf dem Integrationsentwicklungskonzept der Stadt Augsburg, das alle Handlungsfelder umfasst.
C 27a Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Zuwander" ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27b Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Bevölkerung vor Ort" ausgerichtet?: 
ja
nein

C3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbei: 
Stadt-, Gemeinde-, bzw. Kreisrat
Amt/Bereich Soziales
Amt/Bereich Jugend
Amt/Bereich Wohnen
Amt/Bereich Grün(-planung)
Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin
Amt/Bereich Stadtplanung/ Stadtentwicklung
Integrationsbeauftragte/r
Amt/Bereich Sport
Amt/Bereich Gesundheit
Weitere
C 30a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Bildungskoordination für Neuzugewanderte
C 31 Welche verwaltungsexternen lokal relevanten Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Quartiersmanagement
Stadtteilzentren/ Nachbarschaftshäuser
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenselbstorganisationen
Sponsoren
Lokale Medien
Stiftungen
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftsvereine
Kleingartenvereine
Unternehmen, Betriebe
Weitere
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie finanzieren Sie Ihren Wettbewerbsbeitrag?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
C 35 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 36 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 36a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
C 37 Werden im Rahmen der Umsetzung von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 38 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Wettbewerbsbeitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen bereits andernorts übernommen worden?: 
ja
nein
C 38a Wenn ja ... Welche?: 
MUSA (Muslimische Seelsorge Augsburg) (Phase zurechtkommen; Phase teilnehmen) wurde auf mehrere bayerische Kommunen ausgeweitet; die APP Integreat (Phase: einfinden) wird nun in 30 Kommunen verwendet

Einzelprojekte

Einzelprojekt 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
APP Integreat (Phase eins: einfinden)
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 14a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 15 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Die App Integreat (Phase eins: einfinden) ist ein Leitfaden, der Neuzugewanderte in ihrem Alltag in Augsburg unterstützt. Hier stehen wichtige Adressen, Ansprechpartner*innen und Tipps und Tricks, die bei der Orientierung in Augsburg hilfreich sind, in mehreren Sprachen zur Verfügung. Die App ist kostenlos und kann auch Offline genutzt werden.

Ursprünglich konzentrierten sich die Inhalte der App auf die Bedürfnisse der Geflüchteten, so gab die App eine Unterstützung bei den ersten Schritten in Deutschland und in der Stadt. Mittlerweile wurde die Zielgruppe um alle, die neu in Augsburg sind erweitert, somit steht mittlerweile der Alltagshelfer den Neuzugewanderten in allen Lebenslagen zur Seite. Es werden hier z.B. relevante Informationen zum Thema Wohnen, Gesundheit, Bildung, Deutsche Sprache, Kinderbetreuung sowie die Institutionen und Beratungsstellen vorgestellt und der Ablauf gewisser Prozesse vor Ort erklärt. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird erläutert. Zudem können Lehrstellen und Praktika in unserer Region mit der App dank der Verlinkung zu Lehrstellenbörsen gesucht werden. Durch die Kooperationen mit „sprungbrett“, der größten bayerischen Praktikumsbörse, und dem Lehrstellenradar der Handwerkskammer werden die Nutzer*innen in der bekannten Integreat-Umgebung an das Thema Arbeitsmarkt herangeführt und können Ausbildungs- und Praktikumsplätze direkt in der App abrufen. Auch Freizeittipps, Aktionen und Veranstaltungen werden regelmäßig eingepflegt.

Integreat ist durch Tür an Tür - Digital Factory gGmbH entwickelt worden und wird zurzeit in über 40 Kommunen eingesetzt. Die Entwicklung der App hat das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt mit einer Förderung aus den Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ mitermöglicht. Rechtlich steht hinter Integreat die Mitte 2016 gegründete gemeinnützige GbmH „Tür an Tür – Digitalfabrik“; sie deckt bereits fast 40% der Kosten aus eigenen Umsätzen. Die anderen 60% werden von öffentlichen Fördermitteln und Spendeneinnahmen getragen. Langfristig ist eine Finanzierung in gleichen Teilen angestrebt. Inhaltlich für die Stadt Augsburg wird die App durch das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt und der Bildungskoordination für Neuzugewanderte unter betreut.

Die Einbettung in das Konzept Vier Mal Eins der Teilhabe findet in den Aspekten Einfinden und Zurechtkommen statt. Angedacht ist die Einarbeitung einer Feedbackfunktion für die Nutzer, damit die Inhalte noch besser an die Bedarfe der Zielgruppe angepasst werden können. So wird den Neuzugewanderten die Möglichkeit gegeben an der Weiterentwicklung der App teilzunehmen.

Einzelprojekt 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 
„KERLE – Kennenlernen erlernen“ (Phase einfinden/ mitbestimmen)
D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 24a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 25 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Unsicherheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht prägt die Entwicklung eines jeden Jugendlichen. Junge Geflüchtete haben meist wenig Gelegenheit, über diese Fragen offen zu sprechen. Hinzu kommt, dass sie mit einem für sie neuen Kulturkreis konfrontiert sind und lernen müssen, typische Verhaltensmuster zu dechiffrieren. Für einen Teil der jungen Männer scheint es schwierig zu sein, Frauen auf angemessene Weise anzusprechen und kennenzulernen. Sie kommen oft aus patriarchal geprägten Kulturkreisen und können das Verhalten mitteleuropäischer Mädchen und Frauen nur schwer interpretieren. Häufig missverstehen sie Kleidungsstil, Körpersprache und Kommunikationsverhalten. Wenn dann eine, aus deren Perspektive, unverständliche „Abfuhr“ folgt, können die jungen Männer damit nicht immer gut umgehen, wodurch auch Konflikte entstehen können.
Zielgruppe bei dem Projekt Kerle sind junge, geflüchtete Männer im Alter von 16 bis 21 Jahren.

Das Schulungsteam besteht aus je zwei Personen und ist gemischtgeschlechtlich, mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und verschiedenem Lebensalter. Bei dem Projekt Kerle wird der „Peer to Peer“ Ansatz angewendet. Die jungen Trainer sind aus dem Projekt Heroes. Der andere Teil des Teams ist eine ausgebildete Sozialpädagogin.

Die Workshops finden in Schulklassen oder Wohngruppen statt. Es wird in einfacher Sprache und mit szenischen Darstellungen gearbeitet, um den möglicherweise begrenzten Deutschkenntnissen der Teilnehmer Rechnung zu tragen. Die Teilnehmer tauschen sich in einem moderierten Prozess über ihre Erfahrungen, Unsicherheiten und Ängste im Zusammenhang mit dem Thema aus. Eine größtmögliche Offenheit wird hergestellt. Die Teilnehmer sollen sich dabei ernst genommen fühlen und eigene Kompetenzen erkennen. Dadurch wird ein Austausch zu einem Thema ermöglicht, über das normalerweise eher geschwiegen wird. Durch die Beleuchtung des Themas aus verschiedenen Blickwinkeln und die Reflexion unterschiedlicher kultureller Erfahrungen, werden interkulturelle Kompetenzen gefördert. Ein respektvoller Umgang zwischen den Geschlechtern ist grundlegendes Ziel. Die strafrechtliche Seite wird klar benannt und nachhaltig sowie verständlich vermittelt. Das Projekt ist der Phase zwei im Vier Mal Eins der Teilhabe (zurechtkommen) zugeordnet, da es Neuzugewanderten die Möglichkeit gibt, sich mit hiesigen Codes zum Thema „Kennenlernen“ auseinanderzusetzen. Es ist gleichzeitig der Phase drei im Vier Mal Eins der Teilhabe (teilnehmen) zugeordnet, da die durchführenden Coaches junge Männer mit Migrationshintergrund sind, die bereits eine Ausbildung zum HEROES (HEROES richtet sich an männliche Jugendliche aus Ehrenkulturen und hat sich zum Ziel gesetzt Unterdrückung im Namen der Ehre zu vermeiden um Frauen wie Männern ein gewaltfreies und gleichberechtigtes Zusammenleben zu ermöglichen) haben.

Anlagen