Wissenschaftsstadt Darmstadt

Name der Stadt/der Gemeinde/des Landkreises: 
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Typ: 
kreisfrei
Bundesland: 
Hessen
Einreichende Dienststelle: 
Amt für Interkulturelles und Internationales
Ansprechpartner/in: 
Dr. Patricia Latorre
Straße/Postfach: 
Frankfurter Str. 71
PLZ: 
64293
Telefon: 
+49 6151 13-3582
Ort: 
Darmstadt
Fax: 
+49 6151 13-3584

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

„Weltoffenes Darmstadt leben und gestalten“ – Darmstadts gesamtstädtischer Ansatz zur kommunalen Integrationsarbeit in der Wissenschaftsstadt

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Schwerpunkt unseres Beitrags bildet der gesamtstädtische Ansatz zur kommunalen Integrationsarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Integration ist in Darmstadt Chefsache und kommunale Querschnittsaufgabe zugleich. Die Darmstädter Einwanderungsgesellschaft wird von zahlreichen Akteuren, ausgehend von ihrem Selbstverständnis als internationale und weltoffene Stadt, proaktiv gestaltet. Im Sinne ihrer interkulturellen Öffnung bezieht sie alle Bürgerinnen und Bürger, Aufnahmegesellschaft und Zugewanderte gleichermaßen ein. Integration geht in der Wissenschaftsstadt Darmstadt Hand in Hand mit Demokratieförderung und Erinnerungsarbeit und wird nicht losgelöst von seinen internationalen Beziehungen gesehen. Dieser Ansatz hat sich nicht nur in den letzten Jahren bewährt, sondern entfaltet sein Potenzial besonders im Hinblick auf steigende Zuzugszahlen und die Ausdifferenzierung von Migrationsprozessen nach Darmstadt, u.a. durch die Neuzuwanderung vieler Geflüchteter in den letzten Jahren.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

1. Ausgangssituation in der Kommune

Darmstadt ist eine attraktive und nachgefragte Stadt in einer dynamischen Metropolregion. Das belegt die deutliche Veränderung der Einwohnerzahl: Von rund 136.000 Personen im Jahr 1997 ist die Bevölkerung auf aktuell 160.000 Menschen angewachsen – Tendenz steigend. Noch nie zuvor in der Geschichte der Stadt haben so viele Menschen wie zurzeit in Darmstadt gewohnt (Statistische Mitteilungen 1/2017). Der größte Teil des Wanderungsgewinns geht in den letzten 20 Jahren auf das Konto der ausländischen Bevölkerung. Er hängt besonders mit den Faktoren „starker Anstieg der ausländischen Studierenden“, „mehr  Internationalität bei den Beschäftigten in Forschung und Wissenschaft“ und dem „Zuzug von zahlreichen Geflüchteten in den letzten Jahren“ zusammen (Demografie-Bericht 1/2017: 32)1. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt zeichnet sich besonders durch diese Internationalität und ihre Weltoffenheit aus: In Darmstadt arbeiten, forschen, lernen und leben Menschen aus über 150 Nationen und aus allen fünf Kontinenten. Von den derzeit rund 160.000 Menschen haben ca. 38% eigene Migrationserfahrung oder einen Elternteil, der im Ausland geboren ist, darunter sind rund die Hälfte Bürgerinnen und Bürger mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. Bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei über 50% und auch bei den Altersklassen der 25- bis 45-Jährigen beträgt der Anteil über 40%2. Diese Vielfalt3 der Stadtgesellschaft ist eine wichtige Ressource und Chance für die Zukunft.

2. Anlass für einen gesamtstädtischen Ansatz zur Integration

Darmstadt hat sich durch das Zusammenleben von „alteingesessenen“ Darmstädterinnen und Darmstädtern und Zugewanderten aus über 150 Nationen kulturell, wirtschaftlich und politisch stark verändert. Dennoch hat es lange gedauert, bis diese Entwicklung als das verstanden wurde, was sie ist: Eine Wirklichkeit, die viele Chancen eröffnet, aber auch die Gefahr gesellschaftlicher Spannungen birgt.

Viele der Tausende von Menschen mit Migrationshintergrund in Darmstadt haben längst ihren Platz in der Gesellschaft gefunden. Jedoch sind nach wie vor Tendenzen einer „relativen Unterschichtung“ der Gesellschaft durch strukturelle Benachteiligung und ungleiche Verteilung der Bildungserfolge, die sich im Zuge der Migrationsprozesse nach Darmstadt herausgebildet haben, zu beobachten. Nicht selten drücken sich diese in hoher Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Abschottung aus.

Steigende Zuzugszahlen und die Ausdifferenzierung der Migrationsbewegungen nach Darmstadt stellen die Stadtgesellschaft vor zusätzliche Herausforderungen. Dies verdeutlicht insbesondere die Neuzuwanderung durch zahlreiche Geflüchtete in den letzten Jahren. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat die Aufnahme und Integration dieser Menschen bislang sehr gut gemeistert, dies ist unter anderem dem hohen Engagement der Zivilgesellschaft, der engen Zusammenarbeit der in der Integrationsarbeit involvierten Akteure sowie dem weltoffenen und positiven Klima in der Stadtgesellschaft anzurechnen.

Nichtsdestotrotz können sich mit dem Migrationsprozess verbundene Risiken verfestigen. Hinzukommen auch in Darmstadt neue Probleme mit bislang unbekannter Dynamik: Radikalreligiöse Entwicklungen sind keine abstrakte Gefahr mehr, gleichzeitig erstarken nationalistische und antidemokratische Haltungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Integration in Darmstadt längst kein „Sonder“-Thema für bestimmte Zielgruppen mehr ist, sondern eine zentrale kommunale Querschnittsaufgabe, die einen gesamtstädtischen Ansatz erfordert, der alle Bürgerinnen und Bürger einschließt.

3. Konzeption, Ziele und Zielgruppen

Die Darmstädter Integrationsarbeit versteht sich im politischen wie im sozialen Bereich im Kontext dieser gesellschaftlichen Vielfalt und ihres Selbstverständnisses als internationale und weltoffene Stadt4. Wir begreifen „Integration“ als gesamtgesellschaftlichen Prozess, der darauf abzielt, unter Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger Einwanderungsgesellschaft zu gestalten. Hierbei geht es uns primär um die Angleichung von gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger in allen gesellschaftlichen Bereichen, um den Abbau von strukturellen, sozialen und bildungsbezogenen Benachteiligungen sowie Barrieren jeglicher Art, um die Bekämpfung von Ausgrenzung und um die Anerkennung von Vielfalt als Ressource für Politik, Verwaltung und die Stadtgesellschaft. Die Gestaltung der Migrationsgesellschaft ist für uns Ziel und Prozess zugleich und ein wechselseitiger Vorgang. Sie setzt gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung voraus und erfordert Veränderungsbereitschaft sowohl bei den Zugewanderten als auch auf Seiten der Aufnahmegesellschaft. Zentrale Voraussetzung hierfür und zugleich strategische Ausrichtung der Darmstädter Integrationsarbeit ist die gegenseitige interkulturelle Öffnung sowohl der Institutionen der Mehrheitsgesellschaft als auch der soziokulturellen Netzwerke von Migrantinnen und Migranten.

Neben der Stärkung der Handlungskompetenz aller Beteiligten stellt der Aufbau von Vernetzungsstrukturen und Kooperationen in den Handlungsfeldern Bildung, Soziales, Gesundheit, Leben und Wohnen im Stadtteil, Verwaltung und Antirassismus zwischen allen Beteiligten eine weitere methodische Leitlinie der Integrationsarbeit dar.

Einwanderungsgesellschaften zeichnen sich in erster Linie durch ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander aus. Als zentrale Gelingensbedingungen hierfür sehen wir die Förderung von demokratischer Teilhabe und der gleichberechtigten und demokratischen Auseinandersetzung aller Bürgerinnen und Bürger an. Deshalb ist für uns der Bereich „Demokratieförderung“ eine zentrale Komponente in der Gestaltung einer durch Migration und Internationalität geprägten Stadtgesellschaft. Das Zusammenleben in Vielfalt potenzialorientiert zu gestalten, die sich daraus ergebenden Chancen wahrzunehmen und mögliche Konflikte und Spannungslinien gering zu halten, ist letztendlich Ziel und Leitlinie unserer Arbeit und wird auch in Zukunft eine wesentliche Herausforderung sein.

Struktur der Integrationsarbeit in Darmstadt

Integration ist in Darmstadt eine gesamtstädtische Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung, die in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnerinnen und -partnern sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern gestaltet wird. Die hohe kommunalpolitische Bedeutung, die Integration für die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat, wurde 1997 durch die Einrichtung einer kommunalen Fachstelle für Migration und Integration im Dezernat des Oberbürgermeisters zum Ausdruck gebracht (damals „Interkulturelles Büro“). Dass die Bereiche „Migration und Integration“ sowie „Internationales“ unmittelbar miteinander verknüpft sind und wichtige Schnittstellen und Synergien hervorbringen, wird seit 2013 durch die Zusammenlegung des Büros für Städtepartnerschaften und Internationale Beziehungen mit dem Interkulturellen Büro zum Amt für Interkulturelles und Internationales besonders Deutlich5. Dadurch betont die Wissenschaftsstadt Darmstadt einmal mehr ihr Selbstverständnis als internationale und weltoffene Stadt, deren vielfältige internationale Städtepartnerschaften und durch Vielfalt geprägte Stadtgesellschaft ein zentrales Qualitätsmerkmal und Ressource darstellen.

Das Amt für Interkulturelles und Internationales

Das Amt für Interkulturelles und Internationales ist Fachstelle für migrationsspezifische Fragen. Es beantwortet Anfragen, klärt Sachverhalte, vermittelt und berät, recherchiert und informiert und ist Anlaufstelle bei Diskriminierungen. Es ist Fachamt und Geschäftsstelle für den Ausländerbeirat und es berät Migrantenselbstorganisationen zu Vereinsgründung, Projekt- und Veranstaltungsmanagement und unterstützt sie auch finanziell. Das Amt ist außerdem Konsultationsstelle für Fachkräfte aus der Verwaltung und dem sozialen, psychosozialen und pädagogischen Bereich, es vermittelt Kontakte, vernetzt Maßnahmen, moderiert Dialoge und fördert Kooperationen innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung. Im Bereich Internationales fördert es den europäischen Gedanken durch Austausch und Begegnung von Jugendlichen und Erwachsenen, es gestaltet europäische und außereuropäische Partnerschaften unter wirtschaftlichen und migrationsspezifischen Aspekten und entwickelt aktiv seine internationalen Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen weiter.

Integration als Querschnittsaufgabe

Um Integration in Darmstadt als gesamtstädtische Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung festzuschreiben, wurde ein Verwaltungsablauf festgelegt, der sicherstellt, dass bereits bei der Planung oder Vorbereitung von Maßnahmen die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erkannt und berücksichtigt werden. Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat die Federführung dieser Aufgabe inne. Es muss außerdem von den Fachämtern (insbesondere in den Bereichen Stadtplanung und Stadtentwicklung, kulturelle Angelegenheiten, Jugendpflege, Sozialwesen, Wohnungswesen, Gesundheitswesen, Ordnungsangelegenheiten, Schulwesen, Sportwesen und Personalwesen) in allen Angelegenheiten und Maßnahmen, die die Bedürfnisse und Ansprüche von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte berühren, vor der Befassung der Gremien beteiligt sein6.

Das Amt für Interkulturelles und Internationales unterstützt zudem alle Verwaltungsstellen bei der fachlichen Umsetzung der beschlossenen Integrationsziele und bei der Erarbeitung des erforderlichen Handlungsrepertoires, beim Zugang zu schwer erreichbaren Zielgruppen und bei der Vernetzung mit nicht-städtischen Kooperationspartnerinnen und -partnern im Integrationsbereich. Als Fachstelle für Migration und Integration und vernetzende Querschnittsbehörde versteht sich das Amt für Interkulturelles und Internationales als Motor und Initiator der Integrationssteuerung und Integrationsmaßnahmen. Die jeweiligen Maßnahmen und Aktivitäten werden in enger Vernetzung und Kooperation mit anderen städtischen Ämtern, weiteren Behörden sowie mit den in Darmstadt in der Integrationsarbeit tätigen Organisationen und Einrichtungen durchgeführt.

Die kommunale Arbeitsgruppe „Integration von Geflüchteten“

Unter Koordination des Büros der Flüchtlingsbeauftragten, welches beim Oberbürgermeister angesiedelt ist, wurde im Juni 2016 eine Struktur in Form einer Koordinatorinnen- und Koordinatoren-Runde geschaffen, die zu einer besseren Vernetzung von Akteuren und Verzahnung von Maßnahmen in der Flüchtlingsarbeit beitragen soll. Dieser Arbeitskreis wurde im März 2017 in eine Arbeitsgruppe „Integration“ überführt und um weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer erweitert. Die Arbeitsgruppe dient der ämter- und fachstellenübergreifenden Abstimmung der sozialen und integrativen Maßnahmen und Angebote für Geflüchtete und gewährleistet einen gemeinsamen Informationsstand der Beteiligten.

Von der Wissenschaftsstadt Darmstadt sind in der Arbeitsgruppe die Dezernate I – V, das Büro der Flüchtlingsbeauftragten, das Amt für Interkulturelles und Internationales, das Amt für Soziales und Prävention, das Jugendamt, das Schulamt, das Bürger- und Ordnungsamt/ Ausländerbehörde und das Frauenbüro vertreten. Bei Bedarf werden weitere Ämter hinzugezogen. Als weitere Fachstellen und ständige Mitglieder sind das Jobcenter (ZAAF), das Gesundheitsamt für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg/ Psychiatriekoordination, die Agentur für Arbeit Darmstadt/Arbeitsmarktbüro für Asylsuchende und Flüchtlinge, das Freiwilligenzentrum Darmstadt, der Sportkreis 33/Sportkoordination und der Caritasverband Darmstadt e.V./Koordination für psychosoziale Beratung, vertreten.

Handlungsfelder der Darmstädter kommunalen Integrationsarbeit

In unterschiedlichen Handlungsfeldern nehmen wir uns zielorientiert und systematisch der vielfältigen Herausforderungen an, die mit Einwanderungsprozessen verbunden sind. Dies machen wir als Stadt, als Amt für Interkulturelles und Internationales, und gemeinsam mit weiteren städtischen Ämtern, vielen Kooperationspartnerinnen und -partnern sowie Bürgerinnen und Bürgern, die sich ebenfalls dem Ziel der gleichberechtigten Teilhabe aller Darmstädterinnen und Darmstädter verschrieben haben. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat ihre integrationspolitischen Schwerpunkte auf die Bereiche (1) Interkulturelle Öffnung der Verwaltung, (2) Demokratieförderung, Antirassismus und Erinnerungsarbeit, (3) Migrantenselbstorganisationen (MSO) / Communities, Islam, Ausländerbeirat, sowie (4) Bildung, Soziales und Gesundheit gelegt.

Handlungsfeld „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“

Um den Prozess der interkulturellen Öffnung der Verwaltung voranzutreiben, wurde diese im Jahr 2012 als zentrales integrationspolitisches Ziel der Wissenschaftsstadt Darmstadt festgelegt7. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt greift damit die Empfehlungen des Nationalen Integrationsplans zur Interkulturellen Öffnung aus dem Jahr 2007, die Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände und die Schwerpunktsetzung der hessischen Landesregierung auf. In Zeiten verstärkter Zuwanderung ist die Notwendigkeit, die Verwaltung interkulturell zu öffnen, größer denn je.

Interkulturelle Öffnung der Verwaltung wird in Darmstadt als ein Teil von Willkommens- und Anerkennungskultur verstanden. Diese äußert sich in einer Grundhaltung der Wertschätzung, Offenheit und Akzeptanz sowohl gegenüber Neuzugewanderten als auch bereits lange hier lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte. Die interkulturelle Öffnung der Verwaltung zielt darauf ab, Personal, Dienstleistungen und Strukturen der Darmstädter Kommunalverwaltung an die Vielfalt der Gesellschaft anzupassen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Oberbürgermeister die Steuerungsgruppe „Interkulturelle Öffnung“ konstituiert und beauftragt, ein Konzept mit Zielen und Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung8 auszuarbeiten. Die Federführung der Steuerungsgruppe liegt bei der Leitung des Amtes für Interkulturelles und Internationales. Die Mitglieder sind jeweils die Leitungen der Zentralen Steuerungsunterstützung, des Amtes für Interne Dienste, des Frauenbüros sowie die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters, die Vorsitzende des Gesamtpersonalrates, die WIRKoordinationskraft und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Querschnittseinheiten. Zur besseren Verankerung von Integration im Sinne einer interkulturellen Öffnung von Regelstrukturen der aufnehmenden Gesellschaft, wurde die interkulturelle Öffnung als ressortübergreifende Aufgabe in der Kommunalverwaltung beim Oberbürgermeister verankert. Dies verdeutlicht deren zentralen Stellenwert sowohl in der Politik als auch in der Stadtverwaltung.

Zusammenarbeit mit dem Land Hessen

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt misst der engen Kooperation mit dem Land Hessen und der Verzahnung von Integrationspolitik und Integrationsarbeit auf Landes- sowie kommunaler Ebene eine hohe Bedeutung bei. Dies verdeutlicht die Teilnahme am hessischen Landesprogramm „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ (Einsatz einer WIR-Koordinationskraft auf kommunaler Ebene) seit Start des Programms im Jahr 2014 sowie die Zustimmung zur Verlängerung des Einsatzes der WIR-Koordinationskraft bis zum Jahr 2021. Zudem ist seit November 2017, ebenso über das Landesprogramm WIR, eine WIR-Fallmanagerin für Geflüchtete im Büro der Flüchtlingsbeauftragten (Dezernat des Oberbürgermeisters) angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es, einen Überblick über die bestehenden Angebote für Geflüchtete zu schaffen, diese gezielt zu den zuständigen Stellen weiterzuleiten sowie bei der Koordination zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen in der Migrations- und Flüchtlingsarbeit zu unterstützen.

Die dadurch entstehenden integrationspolitischen Synergieeffekte zwischen Landes- und kommunaler Ebene führen zu einer Bündelung, Rückkoppelung und gegenseitiger Vertiefung vorhandener migrationsspezifischer Expertise, besonders in den Bereichen „Interkulturelle Öffnung“ und „Ausbau einer Willkommens- und Anerkennungskultur“.

Handlungsfeld „Demokratieförderung, Antirassismus- und Erinnerungsarbeit“

Integration geht in der Wissenschaftsstadt Darmstadt Hand in Hand mit Demokratieförderung, Antirassismus- und Erinnerungsarbeit. Die Relevanz dieser integrationspolitischen Schwerpunktsetzung zeigt sich besonders durch aktuelle gesellschaftspolitische Gegebenheiten – sei es in Form von radikalreligiösen Tendenzen oder in Form einer sich verschärfenden gesellschaftlichen Konflikt- und Spannungslinie „Öffnen“ versus „Schließen“ des Nationalstaats, die sich nicht zuletzt mit dem Thema Migration und Einwanderung vertieft hat. Diese drücken sich besonders im Erstarken nationalistischer und antidemokratischer Haltungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen aus.

Um diesen Entwicklungen präventiv zu begegnen und etwas entgegenzusetzen, setzt sich die Stadt Darmstadt in ihrer Integrationsarbeit für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Kräfte und der bildungspolitischen und pädagogischen Arbeit in diesem Bereich, für die Förderung demokratischer Teilhabe und für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander ein.

Zu diesem Zweck hat die Stadt dem Amt für Interkulturelles und Internationales neben den Aufgaben der Integration von Zugewanderten auch die Koordinierung der Aktivitäten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und der AG „Aktion Weltoffenes Darmstadt9“ übertragen. Sie umfasst Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Arbeit, Bildung und Religion und initiiert und unterstützt laufend Projekte und Aktivitäten, wie Öffentlichkeitsveranstaltungen, Stadtteilprojekte, Projekte mit Jugendlichen im schulischen und außerschulischen Bereich sowie Projekte gegen Antisemitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie. Diese weit entwickelte Institutionalisierung, die in Darmstadt im Bereich Integration und gesellschaftliche Öffnung existiert, ist ein Alleinstellungsmerkmal der Darmstädter Integrationsarbeit und hat sich aktuell besonders im Kontext der Fluchtmigration und Ausdifferenzierung der Gesellschaft bewährt.

Bereits seit 10 Jahren setzt die Wissenschaftsstadt Darmstadt Bundesprogramme zur Demokratieförderung (aktuell „Demokratie leben!“) auf kommunaler Ebene in einer Lokalen Partnerschaft für Demokratie um. Im Jahr 2017 wurde erstmals eine „Demokratie-Reihe“ als Veranstaltungsreihe konzeptioniert, organisiert und umgesetzt, die sich mit den Themen „Radikalreligiöse Tendenzen / Salafismus“, „Nationalismus und Populismus in der Einwanderungsgesellschaft“ und „Muslimfeindlichkeit“ in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten (Workshops, Informationsveranstaltung, Demokratie-Konferenz, Podiumsdiskussion) auseinandersetzt und die Öffentlichkeit zu diesen Themen informiert und sensibilisiert.

Die Willkommenskultur wird auf allen Ebenen von Beginn an durch die demokratische Zivilgesellschaft getragen. Die starke Einbeziehung der Vertretung der Sinti und Roma ist ein wichtiges Kennzeichen der Partnerschaft für Demokratie in Darmstadt. Die „Interessengemeinschaft der Darmstädter MSOs “, deren Zusammenschluss die Stadt Darmstadt initiiert und gefördert hat, ist seit 2010 ebenso fester Bestandteil der Partnerschaft, wie weitere Institutionen und Organisationen, die im Begleitausschuss vertreten sind, unter anderem christliche Kirchen, Jüdische Gemeinde, Migrantenselbstorganisationen, Hochschulen, Schulen, Studierendenvertretung, Jugendring, Schüler/innen-Vertretung und Gewerkschaft(-sjugend).

Erinnerungsarbeit als Zukunftsaufgabe zu gestalten wird angesichts der aktuellen (welt-)politischen Lage zunehmend wichtiger. In Darmstadt gibt es eine lange Tradition des Gedenkens an die Zeit des Nationalsozialismus als ein Element zur Bekämpfung rechtsextremistischer Tendenzen (Darmstädter Gedenkjahr). Die „Partnerschaft für Demokratie“ verstetigt und ergänzt die früher begonnenen Projekte und Kooperationen im Bereich Förderung von Partizipation durch Förderung von Demokratie. Das Amt für Interkulturelles und Internationales leitet die AG Erinnerungsarbeit, an der weitere städtische Ämter und Verwaltungsstellen sowie zahlreiche Kooperationspartnerinnen und -partner teilnehmen. Gemeinsam werden Schwerpunktthemen für das Darmstädter Gedenkjahr festgelegt und Veranstaltungen hierzu koordiniert und organisiert. Der Kontakt zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wird vom Amt für Interkulturelles und Internationales gepflegt.

Handlungsfeld „Migrantenselbstorganisationen (MSO) / Communities, Islam, Ausländerbeirat“

In Darmstadt gibt es eine große Bandbreite an migrantischen Communities und ihren Selbstorganisationen. Die über 110 eingetragenen Vereine differenzieren sich nach sozio-strukturellen, ideologisch-politischen, regionalen, religiösen sowie geschlechts- und generationsspezifischen Merkmalen. Sie sind ein wichtiger Ansprech- und Kooperationspartner für die kommunale Integrationsarbeit10. Die Öffnung der Migranten-Communities zu den Institutionen der Mehrheitsgesellschaft und deren Stärkung und Professionalisierung sind wichtige integrationspolitische Ziele.

Aufgrund der Bedeutung, die den Communities der Migrantinnen und Migranten und ihren Selbstorganisationen beim Integrationsprozess zukommt, fördert die Stadt – unterstützt durch das Land Hessen – die Professionalisierung der Arbeit in den Communities und ihren Selbstorganisationen durch die Weiterqualifizierung der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Communities sowie durch die Verbesserung der Organisationsarbeit selbst. Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat in den vergangenen Jahren Fortbildungen für Vereine in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Finanzmittelbeschaffung, Kommunikation, Moderation u. a. angeboten.

Die Migranten-Communities und ihre Selbstorganisationen (MSO) leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zur Integration geflüchteter Menschen und der Etablierung und nachhaltigen Verankerung einer Willkommens- und Anerkennungskultur in Darmstadt. Sie unterstützen, beraten und informieren sowohl geflüchtete Menschen als auch Fachkräfte, die mit Geflüchteten arbeiten. Neben vielen informellen Unterstützungsinitiativen, wie z.B. das „Flüchtlingscafé“ des Vereins Halkevi e.V./Volkshaus, wurden auch professionelle Maßnahmen für Fachkräfte konzipiert und umgesetzt. Dazu gehört die 2017 erfolgreich durchgeführte dreiteilige Workshop-Reihe „Interkulturelle Psychotherapie für Menschen mit Migrationsund Fluchterfahrung“ für Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, sowie Mitarbeiterinnen Mitarbeitern der psychiatrischen Institutsambulanzen der Krankenhäuser und psychosomatischen Kliniken. Auch andere ehrenamtlich tätige Vereine wie das Frauenkultur- und Kommunikationszentrum e.V., der Ägyptische Verein Darmstadt e. V., der Verein „Somalische Kultur und Integration e.V. Darmstadt“ oder der afghanische Verein „Pohana e. V.“ haben mit ihren Angeboten einen bedeutenden Beitrag geleistet, um Geflüchteten das Ankommen und Eingewöhnen in Darmstadt zu erleichtern.

Islam

Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat seit 2014 die Themenfelder „radikalreligiöse Tendenzen und Muslimfeindlichkeit“ zu einem weiteren Schwerpunkt im Bereich Demokratieförderung gemacht. Seit drei Jahren veranstaltet die Wissenschaftsstadt Darmstadt unter Berücksichtigung unterschiedlicher Zielgruppen regelmäßig Fachtagungen, Workshops, Infoveranstaltungen zu diesem Themenfeld. Darüber hinaus werden Institutionen und Einrichtungen von uns beraten und vernetzt.

Internationales Begegnungsfest

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt veranstaltet zudem seit 1983 einmal im Jahr zusammen mit Darmstädter Migrantenvereinen und dem Ausländerbeirat das Internationale Bürgerfest - ein öffentlich wirksames Fest, das regelmäßig mehrere hundert Besucher anzieht. Jedes Jahr beteiligen sich daran aktiv etwa 45 Vereine von Darmstädterinnen und Darmstädtern mit Migrationshintergrund aus 5 Kontinenten.

Sie informieren an ihren Ständen über kulturelle oder politische Aspekte aus dem Leben in ihren Herkunftsländern sowie über ihre Arbeit und ihre zahlreichen Aktivitäten in Darmstadt. Den Besucherinnen und Besuchern des Internationalen Begegnungsfestes bietet sich darüber hinaus die Möglichkeit, sich am Stand des Amtes für Interkulturelles und Internationales aus erster Hand über die Integrationsmaßnahmen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu informieren und sich beraten zu lassen.

Im Jahr 2016 hatte das Internationale Bürgerfest den Themenschwerpunkt „Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingshilfe“ zum Programm gemacht. Initiativen und Vereine haben ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Handlungsfeld „Bildung, Soziales und Gesundheit“

Ein zentrales integrationspolitisches Ziel ist die Verbesserung des Zugangs zu Bildung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte. Die Weichen für bessere Bildungschancen werden bereits im Kindergarten und in der Grundschule gestellt. Die interkulturelle Öffnung von Kindergärten und Schulen ist eine wesentliche Voraussetzung, um eine strukturelle Verbesserung der Bildungschancen zu erreichen.

Ein wesentliches Element der interkulturellen Öffnung von Schulen und Kitas ist die Elternarbeit. Durch die Öffnung der Schulen und der Kitas werden Hemmschwellen der Eltern gegenüber den Institutionen und auch umgekehrt abgebaut, das Vertrauensverhältnis wird gefestigt und der Kontakt zwischen den Eltern, den Lehrenden sowie den Erzieherinnen und Erziehern wird verbessert. Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat daher schon früh Elternbildungsprojekte an Darmstädter Schulen und Kitas – „Mama lernt Deutsch“- Kurse und Elterngesprächskreise – initiiert. Zur Stärkung der Partizipation von Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund am deutschen Bildungssystem wurde besonders aufgrund der Zuwanderung vieler Geflüchteter, das Modellprojekt „Bildungsteilhabe durch Elternempowerment – Elternbildungsarbeit in und mit Darmstädter Grundschulen“ initiiert, welches über das Landesprogramm WIR gefördert wird (s. „Einzelprojekte“).

Arbeitskreis Studierfähige Geflüchtete

Im Kontext der Zuwanderung vieler Geflüchteter, die an einem Hochschulstudium interessiert sind, hat das Amt für Interkulturelles und Internationales auf Wunsch der drei Hochschulen TU Darmstadt, Hochschule Darmstadt und Evangelische Hochschule) Anfang 2016 relevante Akteure (Hochschulen, Ausländerbehörde, Amt für Soziales und Prävention, Studierendenwerk, Träger der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte sowie das Hessische Wissenschaftsministerium) in einem Arbeitskreis zusammengebracht, um Unterstützungs- und Beratungsleistungen für studierfähige bzw. studierwillige Geflüchtete zu bündeln und sich zu vernetzen. Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat die Planung, Organisation, Koordinierung sowie die Moderation der Sitzungen und Workshops übernommen.

Mittlerweile hat sich ein selbsttragendes Netzwerk entwickelt.

Arbeitskreise Migration und Soziale Arbeit und Migration und Gesundheit

Der Aufbau von Vernetzungsstrukturen und Kooperationen ist eine zentrale Strategie kommunaler Integrationssteuerung und eine methodische Leitlinie der Integrationsarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Das Amt für Interkulturelles und Internationales hat die Federführung der Arbeitskreise Migration und Soziale Arbeit sowie Migration und Gesundheit inne, letzterer seit 2010 zusammen mit dem Interkulturellen Büro des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Der Arbeitskreis Migration und Soziale Arbeit besteht seit 1998. Seine Zielsetzung ist der Informationsaustausch der Mitglieder untereinander sowie der Aufbau von Kooperationen und Vernetzungen. Der Arbeitskreis erarbeitet zudem jährlich Handlungsempfehlungen, die an die Politik weitergeleitet werden.

Der Arbeitskreis Migration und Gesundheit beschäftigt sich seit 1999 mit der Identifizierung von Versorgungs- und Informationslücken und der Gestaltung von Zugängen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zum Gesundheitssystem. Er bietet Fachkräften die Möglichkeit des Austauschs zu allen Fragestellungen, die die gesundheitliche und psychosoziale Versorgung von Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg betreffen. Er setzt sich zudem für die interkulturelle Weiterqualifizierung und Öffnung der Regeldienste des Gesundheitswesens, einschließlich der psychosozialen Beratungsstellen, ein und bietet darüber hinaus eine Plattform für interne und externe Kooperationen. Der Dialog des Arbeitskreises mit Entscheidungsträgern der Gesundheitsverwaltung und der politisch Verantwortlichen hat das Ziel, die Verbesserung der gesundheitlichen und psychosozialen Versorgung von Migrantinnen und Migranten in der Region als kommunalpolitische Aufgabe zu verankern. Innerhalb des Arbeitskreises existieren zwei Unterarbeitsgruppen (AG IKÖ Alter und Pflege, AG Psychosoziale Versorgung von Migrantinnen und Migranten). In einem jährlichen Bericht wird ein Überblick über erreichte Ziele und Maßnahmen gegeben, auf bestehende Herausforderungen hingewiesen sowie Lösungen zu deren Bewältigung aufgezeigt.

Im Rahmen der Neuzuwanderung von Geflüchteten wurde das Thema „Flucht und Asyl“ in beiden Arbeitskreisen als eigenständiger Tagesordnungspunkt dauerhaft in die Sitzungen aufgenommen und intensiv bearbeitet. Das langjährige Bestehen der Arbeitskreise und die Bündelung von einem breiten Expertenwissen und langjähriger Erfahrungen der Mitglieder in der Migrationsarbeit hat zu bedeutenden Synergieeffekten im Bereich der Integration Geflüchteter geführt. Als neue Mitglieder wurden in die Arbeitskreise die Flüchtlingsbeauftragte der Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Koordinatorin der Bildungsangebote für Neuzugewanderte – angesiedelt beim Städtischen Schulamt, die Koordinatorin des Netzwerks Frühe Hilfen – angesiedelt beim Familienzentrum der Stadt Darmstadt, eine Mitarbeiterin des Teams „unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer“ des Jugendamts der Stadt Darmstadt sowie die WIR-Fallmanagerin für Geflüchtete der Stadt Darmstadt aufgenommen.

4. Erläuterung zur Erfüllung der Bewertungskriterien des Wettbewerbs

Der gesamtstädtische Ansatz zur kommunalen Integrationsarbeit der Wissenschaftsstadt Darmstadt bündelt jahrzehntelange Erfahrungen und Expertise im Migrationsbereich unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Migrationsbewegungen nach Darmstadt. Ausgangs- und Bedarfsanalysen sowie Integrationsziele werden vor dem Hintergrund aktueller und dynamischer gesellschaftspolitischer Entwicklungen fortlaufend weiterentwickelt. Konzepte, Maßnahmen und Projekte werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Stabile und nachhaltige Vernetzungsstrukturen mit einem breiten Akteursnetzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und sich entsprechend konsolidiert hat, tragen dazu bei, Expertise zu bündeln, Synergieeffekte zielführend zu nutzen und Herausforderungen kompetent und lösungsorientiert anzugehen. Durch die direkte Anbindung der Bereiche Migration und Integration sowie Internationales im Dezernat des Oberbürgermeisters bringt die Wissenschaftsstadt Darmstadt zum Ausdruck, dass die Gestaltung der Migrationsgesellschaft in Darmstadt Chefsache ist und sie vor dem Hintergrund ihres Selbstverständnisses als internationale und weltoffene Stadt erfolgt.

 

1In den letzten Jahren verzeichnete Darmstadt insbesondere hohe Zuzüge von Menschen aus Asien, insbesondere China, Indien und Syrien sowie aus den nordafrikanischen Ländern wie z.B. Marokko. Aufgrund der vielfältigen internationalen Einrichtungen im Bereich Forschung und Wissenschaft sowie durch große nationale und international tätige Unternehmen zogen ebenso viele Menschen aus europäischen und nordamerikanischen Ländern zu. Darüber hinaus verzeichnete Darmstadt einen starken Anstieg der polnischen, rumänischen und bulgarischen Bevölkerung (Demografie-Bericht 1/2017: 32).

2Stand: 31.12.2015. Vgl. Wissenschaftsstadt Darmstadt (2016): Statistische Berichte 1. Halbjahr 2016.

3Vielfalt bezieht sich dabei nicht allein auf das Merkmal „Herkunft“ bzw. „Migrationshintergrund“, sondern schließt Menschen unterschiedlicher soziokultureller Herkunft, Generationen, Geschlechter, Fähigkeiten, Religionen, Überzeugungen und Orientierungen ein.

4Wissenschaftsstadt Darmstadt (2012): Weltoffenes Darmstadt leben und gestalten. Bericht zur kommunalen Integrationspolitik und Integrationsarbeit.

5So wird im Rahmen der Förderung des Europagedankens angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen (Aufleben rechtsextremen und rassistischen Gedankenguts, nationalistische Tendenzen) ein besonderes Gewicht auf die Erinnerungskultur und die kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Migrations- und Minderheitenpolitik gelegt. Weitere Synergieeffekte entstehen in der Gestaltung jugendpolitischer Bildung und Austausch unter dem Aspekt von Migration und Antirassismus und im Rahmen der Etablierung des Handlungsfelds Migration und Entwicklung.

6Siehe Magistratsbeschluss vom 19.09.2007 sowie dir Rundverfügung Nr. 19/2008.

7Siehe auch: Wissenschaftsstadt Darmstadt (2012): Weltoffenes Darmstadt leben und gestalten. Bericht zur kommunalen Integrationspolitik und Integrationsarbeit.

8Ziele sind u.a. die Erhöhung der Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund in verschiedenen Formen der Bürgerbeteiligung; die Erhöhung des Anteils der Beschäftigten und Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund in der Verwaltung; die Etablierung einer flächendeckenden Willkommens- und Anerkennungskultur (insbesondere in den Schlüsselbehörden – Bürger- und Ordnungsamt/Ausländerbehörde, Jugendamt, Amt für Wohnungswesen, Amt für Soziales und Prävention sowie Jobcenter); Sensibilisierung der Beschäftigten für den Prozess der interkulturellen Öffnung und Stärkung ihrer interkulturellen Handlungskompetenz.

9Die Arbeitsgruppe „Aktion Weltoffenes Darmstadt“ entstand nach dem Attentat auf die Düsseldorfer Synagoge im Jahre 2000 nach entsprechenden Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats aus dem Jahr 2002. Diese Arbeitsgruppe umfasst auch den „Runden Tisch Antirassismus“, der in den 90er Jahren aus den Solidaritätsinitiativen für Flüchtlinge entstanden war und insbesondere durch die Wohlfahrtsverbände und das städtische Frauenbüro unterstützt wurde.

10Siehe hierzu auch „Einzelprojekte – WIR-Modellprojekte“, die im Kontext der Fluchtmigration initiiert wurden und über Landesmittel (Landesprogramm WIR – Komponente „Förderung von Projekten mit neuen innovativen Ansätzen“) gefördert werden.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es in Ihrer Kommune ein Integrationskonzept?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in dieses Integrationskonzept eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Unterstützt der/die (Ober-)Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin Ihren Wettbewerbsbeitrag öffentlich?: 
ja
nein

C2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Ziele des Wettbewerbsbeitrags im Hinblick auf Integration und Zusammenleben detailliert beschrieben & festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Festlegung der Ziele eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Kinder (Einrichtungen der Kindertagesbetreuung)
Kinder (Schule)
Jugendliche
junge Erwachsene
Erwachsene
Mädchen/Frauen
Jungen/Männer
aktuelle Zuwanderer (2015-2017)
jeweils differenziert nach Herkunftsgebieten
bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebende Zuwanderer
Bevölkerung vor Ort
Multiplikatoren
Weitere
C 23a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Institutionen und Einrichtungen der sog. „Mehrheitsgesellschaft“ Migrantenselbstorganisationen
C 24 Bezieht sich Ihr Wettbewerbsbeitrag auf: 
die Gesamtstadt?
einen Teilraum/Quartier?
ein Projekt?
C 25 An welche Orte und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Quartier als Ganzes
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Jugendeinrichtungen
Sportvereine
Flüchtlingsunterkünfte
Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
Schulen
Ausbildungsstätten
Bildungseinrichtungen (VHS u.a.)
Soziale Treffpunkte für Zuwanderer
Migrantenselbstorganisationen
Weitere
C 26: 

Welche Handlungsfelder zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort stehen in Ihrem Wettbewerbsbeitrag im Mittelpunkt? Bitte geben Sie an, ob sich das Handlungsfeld auf die Gesamtstadt oder das Quartier bezieht bzw., ob es sich um ein Projekt handelt.

C 26a Handlungsfeld Wohnen und Wohnumfeld: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26b Handlungsfeld Soziale Infrastrukturen, z.B. Kindergarten, Schulen, Jugendeinrichtungen: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26c Handlungsfeld Bildung/Qualifizierung/Ausbildung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26d Handlungsfeld Beschäftigung/lokale Wirtschaftsförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26e Handlungsfeld Kultur: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26f Handlungsfeld Sport: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26g Handlungsfeld Gesundheit: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26h Handlungsfeld Umwelt/Grün: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26i Handlungsfeld Beteiligung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26j Handlungsfeld Engagementförderung: 
Thema wird in einem gesamtstädtischen Konzept bearbeitet
Thema wird in einem teilräumlichen Konzept/auf der Quartiersebene bearbeitet
Thema wird im Rahmen eines/mehrerer Projekte bearbeitet
C 26k Weitere Handlungsfelder: 
Interkulturelle Öffnung der Verwaltung Demokratieförderung MSOs/Communities/Islam
C 27a Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Zuwander" ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27b Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe der Zielgruppe "Bevölkerung vor Ort" ausgerichtet?: 
ja
nein

C3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbei: 
Stadt-, Gemeinde-, bzw. Kreisrat
Amt/Bereich Soziales
Amt/Bereich Jugend
Amt/Bereich Wohnen
Amt/Bereich Grün(-planung)
Bürgermeister/in bzw. Landrat/-rätin
Amt/Bereich Stadtplanung/ Stadtentwicklung
Integrationsbeauftragte/r
Amt/Bereich Sport
Amt/Bereich Gesundheit
Weitere
C 30a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Büro des Oberbürgermeisters, Amt für Interne Dienste / Personalabteilung
C 31 Welche verwaltungsexternen lokal relevanten Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Quartiersmanagement
Stadtteilzentren/ Nachbarschaftshäuser
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenselbstorganisationen
Sponsoren
Lokale Medien
Stiftungen
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftsvereine
Kleingartenvereine
Unternehmen, Betriebe
Weitere
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie finanzieren Sie Ihren Wettbewerbsbeitrag?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
C 35 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 36 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 36a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
C 37 Werden im Rahmen der Umsetzung von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja ... Welche? : 
Diese werden nicht „übernommen“, sondern mit Maßnahmen und Projekten aus anderen Bereichen verknüpft.
C 38 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Wettbewerbsbeitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen bereits andernorts übernommen worden?: 
ja
nein

Einzelprojekte

Einzelprojekt 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
1. Der Deutsch-Syrische Verein e.V. – ein starker Partner in Darmstadt / 2. Bildungsteilhabe durch Elternempowerment – Elternbildungsarbeit in und mit Darmstädter Grundschulen
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 14a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 15 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Um der neuen Situation, die aufgrund der Zuwanderung durch Geflüchtete entstanden ist, integrationspolitisch gerecht zu werden, wurden zwei neue Modellprojekte initiiert, das Modellprojekt „Der Deutsch-Syrische Verein – ein starker Partner in Darmstadt“ sowie das Modellprojekt „Bildungsteilhabe durch Elternempowerment – Elternbildungsarbeit in und mit Darmstädter Grundschulen“. Beide Projekte werden über Landesmittel im Rahmen des hessischen Landesprogramms WIR (Wegweisende Integrationsansätze Realisieren) unter dem Förderkriterium „Projekte mit neuen innovativen Ansätzen“ gefördert.

Modellprojekt „Der Deutsch-Syrische Verein e.V. – ein starker Partner in Darmstadt“

Das dreijährige Modellprojekt (Start in 2016) zielt darauf ab, den Deutsch-Syrischen Verein zu professionalisieren und den Zugang zur Community – überwiegend Geflüchtete aus Syrien – zu verbessern. Im Rahmen des Projekts entwickelt der Verein in Absprache mit einschlägigen Ämtern Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation von Geflüchteten. Diese richten sich an Städtische Behörden, Schulen und Kitas, Vereine und Initiativen, Bildungseinrichtungen und Bildungsträger sowie Einrichtungen im Gesundheitswesen. Im Bereich „Gesundheit“ erfolgt die Vermittlung von Expertise in der psychosozialen Beratung sowie Vernetzung mit Einrichtungen und Personen (Organisation und Durchführung einer 3-teiligen Workshop-Reihe zwischen März – November 2017 zum Themenkomplex „Trauma und Asyl“: Psychosoziale Beratung im Fluchtkontext, interkulturelle Psychotherapie für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung, für Psycholog/innen, Psychotherapeut/innen, Sozialpädagog/innen sowie Mitarbeiter/innen der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken). Im Bereich „Bildung und Erziehung“ soll eine Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern zur Verbesserung der Bildungsteilhabe erreicht werden, hierfür werden Informations- und Aufklärungsveranstaltungen konzipiert und organisiert. Ebenso findet im Bereich „Arbeit und Soziales“ Informationsvermittlung zu Themen des Arbeits- und Wohnungsmarktes sowie zum Thema „Sprachkurse“ statt. Zum Themenkomplex „Asylrecht und Bleibeperspektive“ fanden bisher in den Erstwohnhäusern Informationsveranstaltungen mit Übersetzung in Dari/Farsi/Arabisch statt. Darüber hinaus ist der Verein ein aktiver Kooperations- und Ansprechpartner bei stadtgesellschaftlichen Ereignissen und Veranstaltungen.

Modellprojekt „Bildungsteilhabe durch Elternempowerment – Elternbildungsarbeit in und mit Darmstädter Grundschulen“

Dieses Modellprojekt (Laufzeit: Dezember 2016 – August 2019) zielt auf eine höhere Bildungsteilhabe von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte durch die Neugestaltung der Kooperation zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtung. Das Projekt bietet Schulen und Eltern Maßnahmen im Sinne einer integrierten Elternbildungsarbeit mit dem Ziel der gegenseitigen Öffnung. Innovative Pfade werden im Rahmen des Projekts durch die Einbindung von Migrantenselbstorganisationen (MSO) als Kooperations- und Netzwerkpartner in der Elternbildungsarbeit beschritten. Gemeinsam werden Maßnahmen (Gesprächskreise, Elterntrainings, Mentoring, Interkulturelle Trainings, moderierte Treffen zwischen Vereinen und Schule) konzipiert und durchgeführt, die darauf abzielen, Eltern in ihren Beteiligungsmöglichkeiten zu stärken, ihre Selbstorganisation zu fördern, die wechselseitige Öffnung der Akteure durch Einnehmen der jeweils anderen Perspektive zu fördern sowie die Eigenressourcen der Eltern als Expertinnen und Experten ihrer Kinder zu aktivieren. Der vertrauensbildende Beziehungsaufbau steht im Vordergrund und zielt letztlich darauf ab, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern. Das Kriterium für die Wahl der Frankensteinschule für das Modellprojekt war die hohe Anzahl der Kinder mit Fluchterfahrung.

Einzelprojekt 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 
3. Interessengemeinschaft der Migrantenselbstorganisationen in Darmstadt (IG MSO) / 4. Interkulturelle Öffnung und Etablierung einer Willkommenskultur im Bürger- und Ordnungsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt
D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
trifft nicht zu
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projekts gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
trifft nicht zu
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
trifft nicht zu
D 24a wenn ja oder geplant: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
trifft nicht zu
D 25 Kurzbeschreibung des Projekts: 

Interessengemeinschaft der Migrantenselbstorganisationen in Darmstadt (IG MSO)

Migrantenvereine sind wichtige Partner für die kommunale Integrationspolitik in Darmstadt. Um ihre Professionalisierung und Stärkung weiterzuentwickeln, hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Gründung einer „Interessengemeinschaft Darmstädter Migrantenselbstorganisationen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt (IG MSO)“, bestehend aus kultur- und religionsübergreifenden Migrantenvereinen im Jahr 2011 initiiert. Die Unterzeichnenden vereinbarten eine dauerhafte und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Partizipationsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten sowie deren Selbstorganisationen zu verbessern. Die gleichberechtigten und nach dem Konsensprinzip zusammenarbeitenden Vereine haben ihren Kreis erweitert, sodass die IG MSO nunmehr aus etwa sechs Vereinen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Arbeitsansätzen und Strukturen besteht. In ihrer Gründungsphase wurde die IG MSO durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ durch Begleitcoaching in ihrer Arbeit unterstützt. Neben der Erweiterung der Handlungskompetenzen der Vereine waren die Vernetzung mit relevanten Akteuren der Stadtgesellschaft sowie die Stärkung der Kompetenzen hinsichtlich Partizipation, Demokratie sowie Achtung und Toleranz als zentrale Handlungsansätze einer politischen Bildungsarbeit wichtige Leitlinien der IG MSO. Mitglieder in der IG MSO sind: Alevitische Gemeinde zu Darmstadt e.V., Eritreischer Kulturverein Darmstadt und Umgebung e.V., DITIB Darmstadt e.V., GinCo e.V., Volkshaus/Halkevi e.V., WAZOBIA e.V. Die IGMSO arbeitet seit ihrem Bestehen erfolgreich zusammen und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der Eigeninitiative von Menschen mit Migrationsgeschichte sowie zur Gestaltung einer weltoffenen, demokratischen und vielfältigen Stadtgesellschaft. Sie hat viele Initiativen, Schulungen, Workshops, Exkurse, Tagungen, Podiumsdiskussionen usw. angestoßen bzw. durchgeführt. Für ihr Engagement wurde die IG MSO am 18.04.2013 durch die HSE Stiftung mit dem „Ludwig Bergsträßer Preis“ ausgezeichnet.

Interkulturelle Öffnung und Etablierung einer Willkommenskultur im Bürger- und Ordnungsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt

Das Bürger- und Ordnungsamt ist die erste Anlaufstelle für alle Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer sowie auch für die bereits länger hier lebenden Zugewanderten, sozusagen das „Aushängeschild“ der Stadt. Um den, mit der vielfältigen Bevölkerungszusammensetzung verbundenen Herausforderungen zu begegnen und um das Selbstverständnis der Wissenschaftsstadt Darmstadt als weltoffene und internationale Stadt auch innerhalb des Bürger- und Ordnungsamtes zu implementieren, wurde in Darmstadt im August 2015 die Personalstelle der Beauftragten für „Interkulturelle Öffnung und die Etablierung einer Willkommenskultur“ im Bürger- und Ordnungsamt eingerichtet. Ausschlaggebend hierfür war, dass sich die Rolle der Ausländerbehörden analog zur bundesweiten Bedeutung des Themas Zuwanderung wandelt: Während vor Jahren noch rein ordnungsbehördliche Aspekte im Mittelpunkt standen, entwickeln sich Ausländerbehörden zunehmend zu wichtigen Akteuren im Rahmen des Integrationsprozesses von Zugewanderten. Damit einher geht die sukzessive bedarfs- und ressourcenorientierte Weiterentwicklung der Verwaltungsstrukturen.

Für die Etablierung einer Willkommens- und Anerkennungskultur ist die interkulturelle Öffnung und Orientierung einer Behörde eine grundlegende Voraussetzung. Sie trägt dazu bei, Menschen mit Migrationshintergrund den Zugang zu den Dienstleistungen des Amtes zu erleichtern und eine gleichwertige Versorgungsqualität für alle Kundinnen und Kunden zu gewährleisten. Parallel dazu wird durch die damit einhergehende bedarfsorientierte Organisations- und Personalentwicklung die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert. Von der Etablierung einer Willkommenskultur profitieren dementsprechend sowohl Kundinnen und Kunden als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ausländerbehörde der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde als eine von sieben Ausländerbehörden in Hessen ausgewählt, um an dem Förderprojekt „Stärkung der Handlungsfähigkeit von Ausländerbehörden in Hessen und Baden-Württemberg“ teilzunehmen. Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration unterstützt und vom Imap-Institut aus Düsseldorf begleitet. Es zielt darauf ab, Ausländerbehörden bei den aktuell vielseitigen Herausforderungen einer bedarfsorientierten Personal- und Organisationsentwicklung zu unterstützen.

Die Projektlaufzeit beträgt 12 Monate. Projektbeginn in Darmstadt war der 12.5.2017.

Anlagen